Musik kennt keine Konfessionen

Bernkastel-Kues. Professor Hermann Schroeder kann man getrost als einen großen Sohn der Stadt Bernkastel-Kues bezeichnen. Seinen 100. Geburtstag und 20. Todestag feierte die Hermann-Schroeder-Gesellschaft mit den Moselfestwochen in einem Festgottesdienst, zu dessen Gestaltung der Aachener Domchor angereist war.

Wenn es nicht einen respektlosen Eindruck hinterlassen würde, könnte man sagen, er war ein Tausendsassa: Hermann Schroeder, 1904 in Bernkastel-Kues geboren, hat so ziemlich alles erreicht, was die Laufbahn eines Musikers zu bieten hat. Über den Posten eines "gewöhnlichen" Kirchenmusikers zum Domorganisten seines Heimatbistums Trier, Lehrer an Musikschulen bis zum Professor an der Kölner Musikhochschule, viel beachteter Komponist, dessen Schaffen von der Oper und dem Volkslied bis zur Sakralmusik reicht.Dem großen Sohn Referenz erweisen

Mit Ehrungen hat man auch nicht gespart und ihm die Ehrendoktorwürde in Bonn verliehen und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse angeheftet. Zu seinem zehnten Todestag gründete sich eine Hermann-Schroeder-Gesellschaft, die unter anderem alle zwei Jahre einen international beachteten Organistenwettbewerb ausrichtet. 2004 wäre der Kirchenmusiker 100 Jahre alt geworden und sein Todestag jährt sich zum 20. Mal. Wer in diesem Jahr die kirchenmusikalischen Konzertprogramme studiert, wird häufig auf Schroeders Werke stoßen. Für den Geburtsort des Komponisten haben sich die Hermann-Schroeder-Gesellschaft und die Mosel Festwochen zusammen getan, um ihm Referenz zu erweisen. Wie könnte man dies bei einem Kirchenmusiker besser, als mit einem festlichen Gottesdienst in dessen Heimatpfarrei? Pfarrer Manfred Weber, Hausherr in der voll besetzten Bernkasteler Pfarrkirche St. Michael, stand nicht alleine am Altar. Eingeladen hatte man seinen Mitbruder Georg Moritz aus Kues und, wie um zu zeigen, dass Kirchenmusik keine konfessionellen Grenzen kennt, auch seinen evangelischen Kollegen Klaus Milde. Zu Gast war der Aachener Domchor unter Leitung des aus Graach stammenden Domkapellmeisters Berthold Bozet. Zur Gestaltung der Feier hatte Bozet die Missa "Regina caeli" von Schroeder ausgesucht und damit den Komponisten nicht nur geehrt, sondern auch charakterisiert. Schroeder war in seinen Kompositionen im besten Sinne des Wortes ein konservativer Mensch, der sich an den Experimenten seiner Kollegen nicht beteiligte. Dies wurde in der aufgeführten Messkomposition sehr deutlich, basiert sie doch auf einer Jahrhunderte alten Tradition, in der alte, gregorianische Themen die Grundlage für etwas Neues bilden. Hier war es die Anrufung der Gottesmutter Maria in der Antiphon "Regina caeli laetare" (Freu dich, du Himmelskönigin), die sich als roter Faden durch die Messe zieht. Das stützende Rückgrat des Domchores bildete Josef Thiesen, Kirchenmusiker an St. Michael, der die Orgelbegleitung übernommen hatte. Sein Spiel, an dem von der Technik her nichts auszusetzen war, machte deutlich, wie jämmerlich es um die Orgel der Bernkasteler Pfarre bestellt ist. Schon seit längerem steht sie nur noch als Fragment und harrt ihrer Renovierung. Pfarrer Weber nutzte den Festgottesdienst, um eine Kollektenaktion für diesen Zweck zu starten. Einen besseren Zeitpunkt hätte er nicht wählen können. Dies sah auch Rainer Mohrs von der Hermann-Schroeder-Gesellschaft so, der im TV -Gespräch die Unterstützung der Orgelrenovierung zusagte. Die große Teilnahme der Bevölkerung am Gottesdienst zeige, so Mohrs, dass auch in seiner Heimatstadt das Bewusstsein über die Bedeutung Schroeders zunehme.

Mehr von Volksfreund