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Musikkreis: Musikkabarett mit Ursula Wawroscheck in Synagoge Wittlich

Musikkabarett : Eine Pianistin, die so gerne einmal lange Fingernägel hätte

Einmal etwas ganz anderes: Der Musikkreis der Stadt Wittlich präsentierte zum Ende der Saison die Diva unter den Damen am Klavier: Komponistin Ursula Wawroscheck überraschte mit ihrem spezifischen Blick auf alles Musikalische und schloss den Abend mit einer leicht sarkastischen Pointe.

Unter dem Motto: „Diva-Abend – eine Kabarettistin ist auch dabei“ beendete am Samstagabend der Musikkreis Wittlich mit einem Auftritt von Ursula Wawroscheck in der Synagoge seine Saison. Eine Tasten­amazone mit Stimme, so würde sich Ursula Wawroscheck ohne zu zögern auch selbst beschreiben. Mit Freude an aller Musik, egal aus welchem Jahrhundert. In einem ist sich die Pianistin und Komponistin sicher: Musik soll das Herz bewegen, dabei ist es egal, ob es sich um leichte Unterhaltung oder ernste Musik handelt. „Das Gehirn kommt dabei allerdings auch nicht zu kurz, weil das Thema in meinem Programm auch die Intelligenz ist und viele Lieder zum Nachdenken anregen. An erster Stelle sollen sie aber das Herz berühren“, sagt sie.

Dabei sieht sich Ursula Wawroscheck nicht nur als Konzert­pianistin sondern durchaus auch als Improvisatorin. Denn Improvisation und Komposition sind tragende Säulen ihres Musik­verständnisses. „Alle Musik kommt in ihrem Ursprung aus der Improvisation“, bringt sie es auf den Punkt und findet dazu ein ganz alltägliches Beispiel: „ Jeder, der in der Dusche steht und vor sich hin singt, improvisiert. Improvisation gehört einfach mit dazu und hat für mich genau so einen hohen Stellenwert wie die Komposition.“ Was das für ihre Arbeit bedeutet, erklärt Wawroscheck so: „ Wenn ich einen Liedtext geschrieben habe, setzte ich mich an das Klavier und fühle einfach mal, was da so bei herauskommt. Das Ergebnis ver­selbst­ständigt sich dann irgendwann und wird aus dem spontan Erfundenen zu einer festen Komposition.“

 Der Musikkreis Wittlich beendete am Samstag seine Saison mit einem musikalischen Kabarettabend mit Ursula Wawroscheck.
Der Musikkreis Wittlich beendete am Samstag seine Saison mit einem musikalischen Kabarettabend mit Ursula Wawroscheck. Foto: Andreas Sommer

Viele Jahre war Wawroscheck als Pianistin, Komponistin und „Stimmbildnerin“ im Aachener Kabarett­ensemble „Die Fledermäuse“ tätig. Eine Zeit, die zweifellos für ihre künstlerische Ausprägung bestimmend war. Grundsätzlich sei das Programm „Diva-Abend – eine Kabarettistin ist auch dabei“ eine kabarettistische Veranstaltung, „weil ich darin die Musiker aufs Korn nehme“. Der Abend beginnt mit der „Verspätung der Diva“, was kein sonderlich großes Problem darstellt. Schließlich kennt ja die „Pianistin“ das Programm und kann schon mal zu spielen beginnen. Zum Ende schließt sich dann der Kreis in einer leicht sarkastischen Pointe: Die Diva ruft die Pianistin an und fragt, ob sie mit ihr spielen kann. Die Pianistin antwortet: „Ja, das mache ich gerne.“ Nachdem die Diva aufgelegt hat, wendet sich die Pianistin dem Publikum zu und sagt: „Da gehe ich nicht hin, soll die doch alleine singen.“

Ein Abend voller feinsinniger Lieder, die zum Schmunzeln, Lachen und Nachdenken anregten. Für den Musikkreis Wittlich war es eher ein ungewöhnliches Programm. Doch das musikalische Experiment hat sich gelohnt – da ist sich Ulrich Jung vom Musikkreis sicher: „Ich bin selbst Musiker und habe mit Ursula Wawroscheck schon zusammen gespielt. Als sie mir von ihrem Programm erzählt hat, dachten wir im Wittlicher Musikkreis, dass so ein lockeres Musikkabarett doch mal einen schönen Saisonabschluss darstellen würde.“