Muslime laden viele ein, aber nur wenige kommen

Wittlich-Wengerohr · Christen und Muslime beten und essen gemeinsam in der Moschee: Im Rahmen ihres ersten Neujahrsempfangs hat die muslimische Ahmadiyya Gemeinde in Wengerohr über ihre friedliche Ausrichtung und die Botschaft des Islam informiert.

Wittlich-Wengerohr. Ist der Islam in aller Munde, dann meist in Verbindung mit Terrormeldungen. Die andere Seite des Islam wird wenig beachtet. So folgten auch nur 23 Gäste der Einladung zum Neujahrsempfang der Ahmadiyya Muslim Jamaat (Gemeinde) in Wengerohr, die 940 Einladungen verschickt hatte. Polizei und Politik waren vertreten, aber keine anderen Religionsgemeinschaften. Auch niemand aus den anderen beiden muslimischen Gemeinden. Dabei leben im Kreis Bernkastel-Wittlich nach einer Schätzung von Sebahattin Topal, Vorsitzender der Ditib-Gemeinde in Wittlich, 1500 Muslime.
Wer den Neujahrsempfang besuchte, zog erst mal die Schuhe aus. Ob Polizeipräsident Lothar Schömann oder Kreisbeigeordneter Fritz Kohl - in den Gebetsraum kam jeder nur auf Socken.
Kasim Dalkilic ist der Vorsitzende der Ahmadiyya Gemeinde für den Kreis Bernkastel-Wittlich. Der Kurde kam vor 23 Jahren aus der Türkei nach Deutschland und lebt seit 14 Jahren in Trittenheim.
Die Mehrheit der 80 Gemeindemitglieder stammt aus Pakistan. Auch Deutsche sind darunter, allen voran die Ehefrauen, die zum Islam übergetreten sind. Die geringe Resonanz auf die Einladung spiegelt die Erfahrung von Hasan Ulukoc, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Integration und Bildung in Wittlich, wider.

Es kommen nur wenige Deutsche


"Viele wissen nichts über das Moscheeleben. Nur selten kommen Deutsche zu uns", sagt er. Auf die Frage, wie oft er schon in der Wittlicher St. Markuskirche war, lacht er. "Unzählige Male." Ulukoc lebt seit 45 Jahren in Deutschland und fühlt sich gut integriert. Vorurteile kennt er trotzdem. "Wir erklären, wie wir leben und was wir denken. Mehr können wir nicht tun."
Seit September vergangenen Jahres ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) Wittlich-Wengerohr dazu übergegangen, an Infoständen auf die Öffentlichkeit zuzugehen. "Beim Neujahrsempfang wollen wir die Menschen in der Region noch näher kennenlernen", sagt der Generalsekretär dieser muslimischen Gemeinde, Tahir Ahmad Zafar, zur Motivation für die Premiere.
" Kasim Dalkilic wendet sich an die Zuhörer: "Was da draußen läuft, hat mit dem Islam nichts zu tun." Der erste Beigeordnete Albert Klein und Ralf Dörrenbächer, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, bedankten sich im Namen der Stadt für das "gute Miteinander" und den "Einsatz für das Gemeinwesen". Dazu gehören der Neujahrsputz, bei dem Jugendliche der AMJ am Neujahrsmorgen die Stadt von Silvestermüll befreien sowie die Besuche in Altersheimen. sys
Extra

Im Kreis gibt es drei Moscheen, alle liegen in Wittlich: Träger der Eyüp Sultan Camii Moschee in der Schlossstraße ist der Verein Ditib - Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion in Wittlich. Diese Moschee war die erste im Landkreis. 1990 kaufte der Moschee-Verein das Gebäude und baute es mit Hilfe seiner 100 Mitglieder um. Insgesamt betreue die Gemeinde inzwischen 700 Muslime. Die Camii-Moschee in der Kegelbahnstraße wird getragen vom Verband der Islamischen Kulturzentren, um die Bedürfnisse der muslimischen, vor allem der türkischen Gastarbeiter, zu decken. In Wittlich gibt es diese Moschee seit 1979. In der Hamd-Moschee in der Werkstraße in Wittlich-Wengerohr treffen sich die 80 Mitglieder der islamischen Reformgemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat. Die Wittlicher Gemeinde gründete sich 1987. Die Mitglieder kommen aus Wittlich, Gerolstein, Daun, Trier, Bernkastel-Kues, Neumagen-Dhron und Trittenheim. sys

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