Nach 15 Jahren: deutsch-französische Städtepartnerschaft in der Krise

Nach 15 Jahren: deutsch-französische Städtepartnerschaft in der Krise

TRABEN-TRARBACH. Völkerverständigung heißt vor allem, Menschen verschiedener Nationen und Kulturen zusammenzuführen. 15 Jahre sind vergangen, seit am 18. Mai 1991 die Partnerschaftsurkunde zwischen der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach und dem französischen Städtchen Selles-sur-Cher unterzeichnet wurde. Motor der Freundschaft auf deutscher Seite ist der Verein F.T.S., Freundschaftskreis Traben-Trarbach – Selles-sur-Cher. Doch es gibt Probleme.

Es ist eine beeindruckende Liste: Die Anzahl der Treffen, der gemeinsamen Feiern, der Arbeitskreissitzungen, der Schüleraustausche ist kaum noch zu überschauen. Seit 15 Jahren pflegen Menschen aus Selles-sur-Cher und der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach nun enge Beziehungen, feiern gemeinsam und haben viele Freundschaften geschlossen. Zwei Vereine, je einer in Frankreich und einer in Deutschland, kümmerten sich darum, dass dies alles möglich wurde und auch weiterhin Bestand hält. In Traben-Trarbach ist es der F.T.S. (Freundschaftskreis Traben-Trarbach-Selles-sur-Cher), der bereits im September 1989, also vor der offiziellen Urkundenunterzeichnung, gegründet wurde. In der französischen Partnerstadt, die etwa 40 Kilometer südlich der Loirestadt Blois liegt, ist es das Comité d'amitié (CAST), welches die Treffen organisiert. Lutz Reichardt aus Traben-Trarbach ist seit 17 Jahren Vorsitzender des F.T.S.. Am Donnerstag, 18. Mai, ist nun Jahreshauptversammlung. Und dabei geht es auch darum, einen Nachfolger für Reichardt zu finden, der das Amt abgeben wird. Der F.T.S. befindet sich im Umbruch, in den vergangenen Jahren sind die Aktivitäten weniger geworden. Kritisch merkt Reichardt in der eigenen F.T.S.-Zeitung an: "Die Euphorie der ersten Jahre scheint endgültig verflogen. Selbst stark bezuschusste Reisen haben an Attraktivität eingebüßt und außer den Arbeitstreffen der Vorstände und des Schüleraustauschs des Gymnasiums findet nur noch die gemeinsame St. Barbara-Feier der Feuerwehren mit vergleichbarer Regelmäßigkeit statt." Auch seitens der Verbandsgemeinde vermisst Reichardt den notwendigen Rückhalt und Mithilfe. Zur Vorbereitung der 15-Jahr-Feier am kommenden Wochenende in Selles-sur-Cher sei erneut deutlich geworden, dass sich der F.T.S. weder auf den Rückhalt und das Interesse in der Bevölkerung noch auf eine erfolgversprechende Zusammenarbeit mit der Verwaltung verlassen könne.Viele vorbildliche Projekte

Dabei hat der F.T.S. zusammen mit dem CAST in den vergangenen 15 Jahren eine Reihe vorbildlicher Projekte vorzuweisen. Zu nennen sind dabei zum Beispiel die beiden Arbeitscamps in Frankreich und später in Deutschland, bei denen junge Deutsche und Franzosen gemeinsam in Selles-sur-Cher ein altes Weinbergshäuschen saniert und in Traben-Trarbach neben dem Jugendcafé Latsch einen Geräteschuppen gebaut haben. Dafür erhielten sie seinerzeit den vierten Jugendpreis der deutsch-französischen Stiftung. Ferner wurde 13 Mal eine gemeinsame Zeitung herausgebracht. Ein vorläufiger Höhepunkt der Freundschaft war die 100-Jahr-Feier der Doppelstadt Traben-Trarbach im Jahr 2004, an der 300 Franzosen teilnahmen. Jetzt, vom 12. bis 14. Mai, fahren zur 15-Jahr-Feier erneut F.T.S.-Mitglieder in die französische Partnerstadt. Doch im Vorfeld hatten sich nur 20 Männer und Frauen angemeldet, der bereits bestellte Bus musste storniert werden. Die Fahrt kommt zum Glück doch noch zu Stande, weil das "Orga-Team Frankreich" der Freiwilligen Feuerwehr Traben-Trarbach eine Busfahrt organisiert hat, bei der die F.T.S.-Leute mitfahren können. Heute hat der F.T.S. 130 Mitglieder, die meisten davon sind Traben-Trarbacher. Außer aus Enkirch, sind aus den anderen Orten der Verbandsgemeinde kaum Bürger Mitglied im Verein - eine Tatsache, die Lutz Reichardt bedauert - ist doch die ganze Verbandsgemeinde an der Partnerschaft beteiligt.