Nach Bernkastel-Kues kommt nur noch der Himmel

Nach Bernkastel-Kues kommt nur noch der Himmel

In Spanien droht die Arbeitslosigkeit, die deutsche Gastronomie leidet unter Fachkräftemangel. Deshalb hat jetzt nach 2014 eine zweite Gruppe Spanier mit Ausbildungen in Gastronomiebetrieben an der Mosel begonnen. Doch ist derzeit ungewiss, ob in den kommenden Jahren weitere junge Leute von der iberischen Halbinsel in die Region kommen können.

Bernkastel-Kues. Junge Spanier zieht es erneut an die Mosel. In den Berufsbildenden Schulen in Bernkastel-Kues sind jetzt 22 Männer und Frauen von der iberischen Halbinsel begrüßt worden, die in Betrieben an Mosel, im Hunsrück und in der Eifel eine Lehre in der Gastronomie beginnen wollen. Weitere 21 sind in der Pfalz eingeschult worden.
Geht alles glatt, so werden sie in der hier üblichen dualen Ausbildung nach drei Jahren ihre Prüfung als Koch, als Restaurantfachmann oder zum Hotelfachmann ablegen. In Bernkastel-Kues werden sie die Berufsschule besuchen und im ersten Jahr gemeinsam unterrichtet, sagt Schulleiter Willi Günther, der wie auch andere Redner der Begrüßungsfeier seine Spanischvokabeln auspackt und die Neuankömmlinge unter deren starkem Beifall mit dem abgewandelten Spruch "De Bernkastel-Kues al cielo" statt "De Madrid al cielo" (Nach Madrid kommt nur noch der Himmel) begrüßt. Die Ausbildung der jungen Spanier sei für diese und die Schule eine große Herausforderung. Es sei eine Sache der Ehre, die jungen Schüler zum Erfolg zu bringen, sagt Günther.
Die Dehoga Rheinland-Pfalz hat die nötigen Formalien im Rahmen des Programms MobiPro-EU erledigt, um den jungen Spaniern die Ausbildung in Deutschland zu ermöglichen. Davon profitieren beide Seiten, sagt Dehoga-Chef Gereon Haumann. Die jungen Spanier, die bereits in ihrem Heimatland einen Abschluss in Deutsch mit dem Zertifikat B1 absolviert haben, bekommen hier eine Ausbildung, die sie in ihrem Heimatland aufgrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit nur schwer erhalten hätten. Gleichzeitig könne man dem Fachkräftemangel in Deutschland entgegenwirken.
Es ist die zweite Gruppe junger Spaniern, die in der Gastronomie Fuß fassen wollen. Bereits 2014 hatten Landsleute von ihnen eine Ausbildung in Betrieben an der Mosel begonnen. Das Hotel Moselpark in Bernkastel-Kues hat sechs der Neuankömmlinge eingestellt und beschäftigt bereits seit 2014 vier spanische Auszubildende.
Die Erfahrungen sind positiv, sagt Ausbildungsleiter Andreas Nitschke. "Mit den alten kommen wir gut klar, die neuen sind engagiert und interessiert", sagt er. Mentalitätsunterschiede seien sichtbar: Deutsche Auszubildende seien ruhiger, bei den Spaniern, Peruanern und Marokkanern komme es aufgrund deren Mentalität gelegentlich zu Spannungen. Doch seien die Auszubildenden von der spanischen Halbinsel ansonsten "pflegeleicht und dankbar", sagt er. Junge Deutsche für eine Ausbildung in der Gastronomie zu gewinnen sei schwer, sagt er.
"Deutschland gefällt mir gut"


Emilio Pavona Sanchez absolviert im Landalpark in Saarburg eine Ausbildung zum Hotelfachmann. "In Spanien habe ich keine Arbeit bekommen, deshalb will ich in Deutschland eine Ausbildung machen", sagt er. Oualid Jnan Idid aus Marokko lernt Restaurantfachmann im Hotel Moselpark. "Bernkastel ist schön, die Arbeit ist gut", sagt er nach zwei Monaten in Deutschland. Geradezu euphorisch ist Elisabeth Cintero Panero, die ebenfalls im Hotel Moselpark eine Ausbildung zur Hotelfachfrau beginnt. "Bernkastel ist schön, prima, superklasse", schwärmt sie.
Von Bernkastel-Kues hatte sie vorher noch nichts gehört, sich aber im Vorfeld mittels Internet über die Moselregion informiert. Ob sie sich vorstellen kann, auch nach ihrer Ausbildung in Deutschland zu bleiben? "Ja, Deutschland gefällt mir gut", sagt sie.
Doch ganz ohne Wermutstropfen ging es bei der Begrüßungsfeier trotz allem Eviva Espagna doch nicht ab. Denn das Programm MobiPro-EU wird in Kürze eingestellt. Ob in den kommenden Jahren eine dritte Gruppe junger Spanier an die Mosel kommt, ist daher ungewiss.
Für Landrat Gregor Eibes, der den Neuankömmlingen Respekt vor deren Mut zur Ausbildung abseits der Heimat zollt, ist dies keine nachhaltige Politik. Eibes: "Wir müssen gemeinsam einen Weg finden, Ausbildungsmöglichkeiten bereit zu stellen", sagt der Landrat. cst

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