Nach Brand vor Flüchtlingsunterkunft in Traben-Trarbach: Lokalpolitiker vermuten keinen fremdenfeindlichen Hintergrund

Nach Brand vor Flüchtlingsunterkunft in Traben-Trarbach: Lokalpolitiker vermuten keinen fremdenfeindlichen Hintergrund

Nach dem Brand einer Fußmatte in der Nacht zum Samstag vor einer Flüchtlingsunterkunft in Traben-Trarbach zeigen sich Lokalpolitiker betroffen, vermuten aber keinen fremdenfeindlichen Hintergrund. Die Kripo ermittelt in alle Richtungen wegen schwer Brandstiftung. Unweit entfernt hatte kurz darauf ein Motorroller gebrannt, dabei wurde auch ein Haus beschädigt.

Nach dem Brand einer Gummimatte vor dem Internationalen Willkommenstreff in Traben-Trarbach schnüffelt ein Polizeihund nach Spuren. Foto: Winfried Simon

Update 15.25 Uhr:

Am Samstagmittag hat die Polizei die Ermittlungen fortgesetzt. Sie setzte einen Brandmittelspürhund ein. Solche Hunde sind speziell darauf trainiert, an erkalteten Brandorten Restmengen brennbarer Flüssigkeiten aufzuspüren und passiv anzuzeigen.

Polizeisprecher Konz informierte vor Ort Stadtbürgermeister Patrice Langer und den Bürgermeister der VG Traben-Trarbach, Marcus Heintel. Konz sagte gegenüber dem TV: "Das war kein dummer Streich. Die brennende Fußmatte hätte im schlimmsten Fall den Holzrahmen der Tür anzünden und das Haus in Brand stecken können. Wir ermitteln wegen versuchter schwerer Brandstiftung."

Stadtbürgermeister Patrice Langer: "Natürlich ist man zuerst geschockt. Ich kann mir im Moment aber nicht vorstellen, dass ein fremdenfeindlicher Hintergrund dahintersteckt. Ich bin froh, dass die Polizei sehr intensiv ermittelt."

Ähnlich äußerte sich der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach, Marcus Heintel. Ein fremdenfeindliche Anschlag würde überhaupt nicht in das positive Bild passen, dass er vor Ort erlebe. Viele Menschen würden sich in der VG ehrenamtlich für die Flüchtlinge engagieren. Es gebe Sprachkurse, Arztbegleitungen und vieles mehr. Heintel: "Was hier geschieht, ist schon beispielhaft."

In der Stadt Traben-Trarbach sind derzeit 60 und in der VG Traben-Trarbach 140 Asylbewerber untergebracht. sim

Passant entdeckt Feuer und löscht es

Wie die Trierer Polizei am Samstag mitteilte, hatte ein Passant der Polizei Zell um 3.36 Uhr eine brennende Gummi-Fußmatte vor der Eingangstür eines Wohnhauses in der Schottstraße 1 in Traben-Trarbach gemeldet. Der Zeuge hatte die brennende Fußmatte vom Eingangsbereich entfernt, bevor das Feuer auf die holzgerahmte
Eingangstür übergreifen und diese entzünden konnte. Die größte Gefahr für die Hausbewohner war dadurch gebannt. Mit Hilfe weiterer Zeugen konnte das Feuer mit einem Eimer Wasser gelöscht werden.

In dem Haus befinden sich die Räume des "internationalen Willkommenstreffs" der Verbandsgemeinde
Traben-Trarbach, in denen unter anderem Begegnungs- und Integrationsarbeit geleistet wird. Zudem wohnen über der Begegnungsstätte sieben Asylbewerber im Alter von 18 bis 35 Jahren: drei Pakistani, ein Ägypter, ein Kosovare und zwei Männer mit ungeklärter Nationalität. Eine größere Gefahr für das Anwesen und die Bewohner bestand laut Polizei nicht, weil das Feuer schnell entdeckt und die brennende Matte durch den Zeugen beseitigt wurde.

Motorroller und Fassade in Flammen

Kurze Zeit nach der ersten Brandmeldung ging um 3.43 Uhr ein weiterer Notruf bei der Polizeiinspektion Zell ein. Dort wurde der Brand eines Motorrollers in der Weiherstraße 6, nur etwa 250 Meter von der ersten Brandstelle
entfernt, gemeldet. Die Hausbewohnerin war durch starken Rauchgeruch, der über ein geöffnetes Fenster in ihr
Schlafzimmer drang, geweckt worden und hatte sofort die Feuerwehr alarmiert. Der Motorroller, der
unmittelbar an der Hauswand des Anwesens stand, brannte vollständig aus. Durch die Hitzeentwicklung wurde
die Fassade stark beschädigt. Der Brand konnte durch die Feuerwehr schnell gelöscht werden. Auch in diesem Fall wurde durch das schnelle Eingreifen ein Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus verhindert. Verletzt wurde auch dort niemand. Den Sachschaden schätzt die Polizei vorläufig auf einen vierstelligen Betrag.

Die Staatsanwaltschaft Trier und die Polizei gehen von Brandstiftung und einem Zusammenhang beider Taten aus. Hinweise auf den oder die Täter gibt es derzeit nicht. Die Ermittlungen hat die Kriminaldirektion Trier übernommen, die in alle Richtungen ermittelt, was auch einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat einschließt. "Es ist jetzt noch zu früh, um eine klare Aussage über das Motiv zu machen. Wir schließen jetzt nichts aus. Spekulieren möchten wir aber nicht", sagte Polizeipressesprecher Uwe Konz auf Anfrage von volksfreund.de.

Die Polizei bittet Zeugen, die Hinweise zu den beiden Brandstiftungen geben können, sich unter der Telefonnummer
06542/98670 mit der Polizeiinspektion Zell oder unter der 0651 / 9779-2290 mit der Kriminalpolizei Trier
in Verbindung zu setzen. (j.e.)

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