Nach dem trockenen Sommer: Pilzfreunde schwelgen im Überfluss

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Nach dem trockenen Sommer geht die Saison nun erst richtig los. Pilzfreunde schwelgen im Überfluss – bis der Frost kommt.

Nach einem enttäuschenden Vorjahr sowie einem weiteren trockenen und entbehrungsreichen Sommer kommen Pilzliebhaber nun nochmal richtig auf ihre Kosten. „Derzeit herrscht für mich im Wald eine wahre Reizüberflutung“, sagt Klaus Rödder, Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Pilzkunde Vulkaneifel.

Als geprüfter Sachverständiger wird der pensionierte Berufssoldat aus Kradenbach häufig von Krankenhäusern, Kindergärten und anderen Einrichtungen bei Pilzvergiftungen als Ratgeber hinzugezogen, um im Nachhinein bei der Bestimmung verzehrter Exemplare zu helfen. Persönlich beschäftigt sich Rödder jedoch lieber mit den angenehmen Seiten der Pilzwelt. „Ich sammle schon seit meiner Jugend Pilze. Dabei kommt der Jäger- und Sammlerinstinkt zum Tragen. Was mich an Pilzen besonders fasziniert ist die Vielfalt an Formen, Farben, Gerüche und Größen“, sagt der 56-Jährige. Außerdem finde er es entspannend, stundenlang in der Natur unterwegs zu sein.

Seine Leidenschaft gilt insbesondere dem Sammeln von heimischen Speisepilzen, von denen er rund 100 Arten bestimmen kann. „Von den hundert essbaren, die ich kenne, sind aber nicht alle schmackhaft“, sagt Rödder. Sein Pilz-Wissen teilt er zum Beispiel in VHS-Kursen sowie auf organisierten Pilz-Wanderungen des Eifelvereins mit jedermann. Der 56-Jährige kennt sich im Gebiet der Mykologie wohl wie nur wenige andere Eifeler aus.

Auf seinen Beutezügen durch die Eifelwälder trifft er derzeit auf phantastische Zustände. Aber wieso geht die Pilzsaison in diesem Jahr eigentlich erst so spät los? „Nach dem langen trockenen Sommer müssen die jetzt raus, um sich fortzupflanzen. Das ist meine Erklärung. Nach dem Regen stimmen die Bedingungen jetzt.“ Der TV hat Rödder auf einen Streifzug durch den Eifelwald begleitet. Die Beute im Korb möchte Rödder im Anschluss zu einer Eifeler-Mischpilzpfanne verarbeiten (siehe Rezept-Idee). „Wenn ich es auf Speisepilze abgesehen habe, dann gehe ich meist in den Nadelwald. Suche ich besondere Exemplare zum Fotografieren, dann suche ich eher im Laubwald“, verrät der Experte. 

Als erster Pilz landet ein Hohlfußröhrling im Korb, „den man in der Nähe von Lärchen findet“. Kurz darauf entdeckt Rödder Maronenröhrlinge, die er ebenfalls mitnimmt und „die dem Geschmack des Steinpilzes sehr nahe kommen. Auf unserer Homepage der AG haben wir rund 40 Speisepilze, die schmecken und bei denen es sich lohnt, sie zu sammeln, gelistet.“ Dabei rät Rödder strikt dazu, alle Exemplare, die man nicht kennt oder zweifelsfrei bestimmen kann, im Wald stehen zu lassen.

Was Rödder als nächstes aus dem Waldboden rupft, würden die meisten Laien jedoch selbst bei zweifelsfreier Bestimmung stehen lassen. Denn der braune Hut ist von einer dicken Schleimschicht überzogen und sieht wenig appetitlich aus. „Das Kuhmaul ist aber ein guter Speisepilz“, sagt Rödder, während er die dicke Schleimschicht des Pilzes mit einem Messer entfernt. „Er gehört zur Familie der Gelbfüße, ein eindeutiges Kennzeichen.“

Weniger exotisch und geschmacklich ansprechender wirkt das nächste Exemplar, das im Korb landet: ein Rotfußröhrling. Als Röhrling mit rotem Fuß sei er gut zu bestimmen, sagt Rödder. „In der Mischpilzpfanne macht er sich gut.“

Wenige Minuten nach dem Rotfußröhrling hat Rödder ihn gefunden, seinen Lieblingspeisepilz: „Steinpilze esse ich am liebsten roh, dünn geschnitten und gesalzen auf einer Scheibe Brot mit guter Butter.“ Das sei ein Gedicht, sagt der Hobby-Mykologe. Einen intensiven Pilzgeschmack entfalte der Steinpilz auch in der Pfanne mit Butter und Zwiebel gebraten. Rödder: „Wenn ich eine gute Pilzpfanne habe, brauche ich kein Fleisch.“

Doch wie lange werden diese schlaraffenlandartigen Zustände im Wald noch anhalten, wenn die Pilzsaison erst so spät im Jahr begonnen hat? „Wenn der erste Frost kommt, ist es vorbei. Es gibt nur wenige Arten wie der violette Rötelritterling, die Frost vertragen oder gar brauchen“, erklärt der Experte. Bunt wie ein Strauß Blumen ist das nächste Exemplar, das Rödder am Wegesrand entdeckt. „Der flockenstielige Hexenröhrling färbt sich beim Anschnitt sofort dunkelblau. Im Unterschied zum optisch ähnlichen – dabei jedoch giftigen – Satansröhrling, der einen grauen Hut hat, wächst er im sauren Boden und nicht im Kalkboden.“ Kurze Zeit später findet er einen Milchling. Die Milch, die der Fichten-Reizker im Anschnitt absondert, ist allerdings leuchtend orange und bestimmt nichts für in den Kaffee. In die Mischpilzpfanne kommt er allemal.

Orange leuchtet auch der Semmelstoppelpilz, der unter seinem Hut „feine Zähnchen“ statt Lamellen oder Röhren hat. Für Rödder ein guter Speisepilz, den er gerne mitnimmt. Eine Espenrotkappe und ein Schirmling komplettieren den gemischten Pilzkorb, den Rödder nach rund 45 Minuten aus dem Wald trägt. Am Abend sollen die Funde daheim in der Bratpfanne brutzeln. Doch seine Eifeler Mischpilzpfanne muss der Pilzsachverständige leider ganz alleine genießen. „Meine Frau mag keine Pilze.“ Rödder hält das nicht von seinem Hobby ab, derzeit ist er fast täglich im Wald auf Beutezug.

Wie für viele andere Pilzliebhaber wohl auch ist der Steinpilz auch der Lieblingsspeisepilz des Pilzexperten Klaus Rödder aus Kradenbach (VG Daun). Rödder isst den Steinpilz am liebsten roh und in dünne Scheiben geschnitten und gesalzen auf einer Scheibe Brot mit „guter“ Butter – guten Appetit. Foto: TV/Christian Moeris
Der flockenstielige Hexenröhrling ist knallbunt und genießbar. Man darf ihn aber nicht mit dem Satansröhrling verwechseln. Foto: TV/Christian Moeris
Die Espenrotkappe findet sich ausschließlich in der Nähe dieser Baumart. Foto: TV/Christian Moeris
Der Fichten-Reizker verliert beim Anschnitt orangefarbene Milch. Foto: TV/Christian Moeris
Hohl –  wen wundert es – ist der Stiel des Hohlfußröhrlings. Foto: TV/Christian Moeris
Elf verschiedene Speisepilze hat Klaus Rödder während einer kurzen Pilzwanderung mit dem TV im Eifelwald gesammelt. Daraus brät er eine  Misch-Pilz-Pfanne. Foto: TV/Christian Moeris
Trotz Schleim auf dem Hut ein guter Speisepilz: das Kuhmaul. Foto: TV/Christian Moeris
Der Rotfußröhrling landet beim Pilzexperten ebenfalls in der Pfanne. Foto: TV/Christian Moeris
Eifeler Mischpilzpfanne Klaus Rödder Art. Foto: Klaus Rödder

Doch egal wie gut die Bedingungen im Wald für Pilzsammler derzeit auch sein mögen: „Zwei Kilo pro Tag und Kopf darf man sammeln. Das ist für den Eigenbedarf erlaubt.“ Wer mehr sammele oder Wildpilze gar für gewerbliche Zwecke suche, mache sich strafbar, erklärt Rödder. Auch wenn es dem ein oder anderen Pilzliebhaber schwer fallen mag: Trotz der aktuell günstigen Bedingungen und der Pilzflut wird man wohl deshalb das ein oder andere Exemplar stehen lassen müssen, was wiederum andere Pilzsammler freuen dürfte.

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