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Nach dem Unwetter: Die Lage im Kreis Bernkastel-Wittlich

Hochwasser im Juli 2021 : Wassermassen hinterlassen große Schäden

Die Lage im Kreis Bernkastel-Wittlich ist in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag teilweise dramatisch.

Es sind aufwühlende Szenen, die sich in der Nacht auf Donnerstag im Kreis Bernkastel-Wittlich abspielen. Menschen müssen ihre Häuser verlassen. Die Lieser tritt über ihre Ufer und überschwemmt die Innenstadt von Wittlich. Wassermassen überfluten ein Restaurant in Siebenborn und beschädigen das Lokal schwer. Einsatzkräfte sind rund um die Uhr bis zur Erschöpfung im Einsatz. Am Morgen, als der Regen nachlässt, atmen die Menschen durch. Ist es vorbei?

Manuel Follmann, Pressesprecher des Kreises Bernkastel-Wittlich, hatte keine ruhige Nacht. „Die technische Einsatzleitung ist im Standby-Modus.“ Doch für wie lange? Der Hochwassermeldedienst des Landes Rheinland-Pfalz prognostiziert einen Pegelhöchststand in Zeltingen von etwa zehn Metern gegen 23 Uhr.

Brand- und Katastrophenschutz­inspekteur Jörg Teusch steht am späten Donnerstagnachmittag am Moselufer in Bernkastel-Kues und blickt auf das Treibgut, das an ihm vorbeischwimmt. „Dramatik hatten wir jetzt genug“, sagt er. „Wir erwarten den Scheitelpunkt gegen 23 Uhr und sind vorbereitet. Wir haben die Dinge gesichert, die Probleme bereiten können.“ Nach dem ereignisreichen Mittwoch fühle er sich etwas entspannter. „Die Mosel ist kontrollierbarer und berechenbarer. Da haben wir Erfahrungswerte.“ Zum Zurücklehnen sei es zwar noch zu früh, aber „mit Akutlagen dürfte jetzt nicht mehr zu rechnen sein“. Hoffentlich.

Für die Jungen und Mädchen der Integrierten Gesamtschule Salmtal (IGS) und der Georg-Meistermann-Grundschule in Wittlich jedenfalls fällt zumindest am Donnerstag der Unterricht aus. „Turnhalle, Mensa, Kellerräume und das Erdgeschoss in der IGS sind überschwemmt“, berichtet Follmann. Lehrer versuchen zu retten, was zu retten ist. „Immerhin haben wir keinen Personenschaden.“ Zum Glück. Dafür ist die Lieser dramatisch angeschwollen. Ihren Höchststand erreichte sie am Pegel Plein mit 3,63 Metern. „Im Salmtal, in Wittlich und Platten fiel der Strom zeitweise aus, teilweise wurde er auch abgeschaltet. Überall dort, wo die Verteilerschränke drohten, überflutet zu werden“, sagt Follmann.

Nun starren alle gebannt auf die Pegel der Mosel. In Bernkastel-Kues versucht die Polizei, parkende Autos am Uferbereich zu räumen. „Die Menschen an der Mosel wissen, was sie zu tun haben“, meint Follmann. Wer sein Haus mitten in der Nacht verlassen muss, schlüpft im Atrium des Cusanus-Gymnasiums unter. „Wir haben dort eine Betreuungsstelle für Menschen eingerichtet. Sie werden vom DRK und Malteser Hilfsdienst versorgt.“

Stephan Christ, Leiter der Feuerwehr in Wittlich-Land, hat sich die Nacht auf Donnerstag um die Ohren geschlagen und sich um 4.30 Uhr am Morgen endlich aufs Ohr gelegt. Um 6.30 Uhr steht er wieder auf, weil das Telefon Sturm klingelt. Er fährt abermals nach Salmtal. „Die Ortschaften hat es am Schlimmsten getroffen. Alle waren überschwemmt.“ Mittlerweile seien die Dörfer aber wieder erreichbar, denn die Pegel der Nebenflüsse fallen. Auch einige Häuser mussten evakuiert werden, in Salmrohr waren es sechs, in Himmerod zwei. „Mittlerweile konnten alle Bewohner wieder in ihre Häuser zurückkehren“ sagt Christ.

Thomas Edringer, Feuerwehrchef der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, hat die ganze Nacht von Mittwoch auf Donnerstag kein Auge zugetan wie viele seiner Kollegen. „Siebenborn war ein Hotspot“, erzählt er. „Der Ortsteil stand unter Wasser. Ein Restaurant dort hat enorme Schäden davongetragen. Ein Stück Wand ist rausgebrochen und das Restaurant vollgelaufen.“ In zwei Mühlen sei Wasser eingedrungen, in Maring habe sich Grundwasser hochgedrückt. Am Morgen muss die Feuerwehr drei Keller auspumpen.

Die Männer sind erschöpft nach den langen Stunden. Bereits seit Dienstagabend hatten sie sich auf das Unwetter und seine Folgen vorbereitet, acht Tonnen Sand geschaufelt und damit Sandsäcke befüllt. Dennoch können sie keine Pause machen. In der Nacht zum Donnerstag fällt ein Baum auf die L 47 zwischen Noviand und Mülheim, weil der Boden aufgeweicht ist und der Untergrund nachgibt. Zu allem Überfluss wird am Donnerstagmorgen auch noch ein größerer Brand in einem Gewerbebetrieb in Bernkastel-Kues gemeldet. Da ist Thomas Edringer ziemlich erleichtert, dass sich die vermisste Person, die in die Dhron gefallen sein soll, als Fehlalarm herausstellt. Dafür „treiben sieben bis acht große Container moselabwärts. Das müssen wir beobachten.“

Nach einer anstrengenden Mittwochnacht ist Stephan Monzel, Einsatzleiter der Feuerwehr Wittlich, ein wenig erleichtert: „Das Wasser geht zurück. Um 0.50 Uhr ist die Lieser über die Ufer getreten und in die Innenstadt gelaufen. Ein Wehr ist gebrochen.“ Die Nacht ist für ihn und seine Männer ein stetiger Kampf gegen die Wassermassen gewesen. Vier Menschen rettet die Feuerwehr per Boot aus ihrem Haus. In der Wittlicher Innenstadt sind alle Tiefgaragen und Keller komplett vollgelaufen, darüber hinaus Arztpraxen, ein Autohaus und eine Psychotherapie-Praxis. In vielen Kellern sei Heizöl ausgelaufen, berichtet Monzel. „Wir sind dabei, alle Keller auszupumpen. Das machen wir seit heute Morgen. Wir werden irgendwie über die Runden kommen. Denn wir haben Hilfe von den Feuerwehren aus Morbach und HInzerath bekommen.“ Hilfe kommt auch von einer völlig unerwarteten Seite: „Firmen haben für unsere Verpflegung gesorgt. Dafür bedanken wir uns sehr.“

Christoph Zender, Wehrleiter der Feuerwehren von Traben-Trarbach, ist für das mögliche Hochwasser am Freitag gewappnet. „Wir haben Sandsäcke vorbereitet und die Pegelstände im Blick. Jetzt heißt es abwarten.“ Der wirtschaftliche Schaden für die Menschen an der Mosel sei enorm, sagt er mitfühlend. „Für viele steht das Wasser bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr im Haus. Gravierend ist auch das viele Heizöl in der Mosel.“

 Ein Hetzerather beim Beseitigen der Schäden. Bis alles wieder in Ordnung ist, wird es noch eine Weile dauern.
Ein Hetzerather beim Beseitigen der Schäden. Bis alles wieder in Ordnung ist, wird es noch eine Weile dauern. Foto: Christina Bents
 Das Hochwasser hat Bruch besonders erwischt. Am Donnerstag sind Feuerwehrleute und Anwohner noch damit beschäftigt, den Schaden zu beseitigen, den die Salm hier angerichtet hat. Foto: Christian Altmayer
Das Hochwasser hat Bruch besonders erwischt. Am Donnerstag sind Feuerwehrleute und Anwohner noch damit beschäftigt, den Schaden zu beseitigen, den die Salm hier angerichtet hat. Foto: Christian Altmayer Foto: TV/Christian Altmayer

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