Nach einem Jahr Renovierungszeit und 1,2 Millionen Euro Investition haben die Gläubigen den ersten Gottesdienst  in der sanierten Kirche in Wittlich gefeiert.

Religion : „Herzlichen Glückwunsch, St. Markus!“

Nach einem Jahr Renovierungszeit und 1,2 Millionen Euro Investition haben die Gläubigen den ersten Gottesdienst  in der sanierten Kirche gefeiert. Nur die Kirchenbänke fehlen noch.

Die Fahnen vor der Kirche sind gehisst. Mit der Osterkerze vorneweg ziehen Diakon Günter Zisch, Pfarrer Bruno Comes, Kaplan Carsten Scher und die Messdiener mit Musik der frischgestimmten Orgel in die Kirche ein. Es ist ein besonderer Gottesdienst, der hier nach einem Jahr Renovierungsarbeiten gefeiert wird. Wer das Gotteshaus mit seinem terracottafarbenem Boden, seinen rosa gestrichenen Wänden und insgesamt eher dunkel in Erinnerung hat, wird staunen. Hell und  freundlich sieht es jetzt aus. Der Boden ist fast weiß, die Wände sind in einem leichten Cremeton gestrichen und mit hellem Graugrün und Gold abgesetzt. Das wirkt insgesamt modern und schlicht. Auffallend ist die Glaskunst, die vor dem Turmraum angebracht ist. Von der Decke hängend sind blaue und rote Glaselemente zu sehen, die an Engel und Feuerzungen erinnern. Eberhard Münch hat sie gestaltet. „Im Turm sollte ein Paradiesraum entstehen, in den man unter den Engeln und Feuerzungen hindurch geht. Es soll auch kein einfacher Durchgangsraum mehr sein, sondern er soll beispielsweise für Jugendgottesdienste oder Taizégebete genutzt werden“, erklärt Pastor Bruno Comes.

Der erste Gottesdienst in der frisch renovierten Kirche fand noch ohne die Kirchenbänke statt. Die Menschen haben sich von zuhause Garten-, Wohnzimmer- oder Campingstühle mitgebracht. Die Kinder haben vorne auf Kissen Platz genommen. Pastor Bruno Comes sagt: „Wir haben uns bewußt dafür entschieden, die Festtage in einer unmöblierten Kirche zu feiern, denn erst soll sich der Raum mit Menschen und nicht mit Möbeln füllen.“ Weiter erklärt er: „Man nimmt den Raum so anders wahr, aus einer ungewohnten Perspektive.“

Ungewöhnlich war auch die Predigt, die Kaplan Carsten Scher und Pastor Bruno Comes in Dialogform gehalten haben. Das Leitthema war „Alles anders“. Dabei erklärten sie  im Gespräch miteinander die Neuerungen im Gotteshaus: das neue Lichtkonzept, das Stimmungen unterstreichen kann, die Heizungsanlage, die dafür sorgt, dass es auch bei längeren Gottesdiensten nicht kalt wird, Halterungen für Leinwände, um mithilfe eines Projektionsgerätes das Geschehen am Altar in die Seitenschiffe zu übertragen. „Damit gehen wir auch ein Stück weit mit der Zeit“, erklärt Bruno Comes. Eine weitere inhaltliche Neuerung waren Gespräche unter den Gläubigen, die nach der Predigt für einige Minuten geführt wurden. „Sprechen Sie mit Ihrem Sitznachbarn darüber, was Ihnen heute an Pfingsten wichtig ist“, forderte Pastor Comes die Gläubigen auf, die dieses Angebot annahmen. Nach einem Glockenschlag ging der Gottesdienst dann weiter. Ebenfalls anders stellt sich der Kreuzweg dar. Der frühere passte aus Sicht des Projektteams nicht mehr in die Kirche und wird durch das Bistum an eine andere Kirche vermittelt. Der Neue besteht aus Worten. Ein Verb steht für jede Station. Sie haben eine unterschiedliche Betonung, indem Buchstaben einfach herunterfallen oder näher aneinanderrücken. „Der Kreuzweg ist so sehr reduziert und regt zum Nachdenken an“, erklärt Comes. Schließlich gratuliert Pastor Bruno Comes dem Gotteshaus: „Herzlichen Glückwunsch, St. Markus“, rief er aus und dankte allen, die dazu beigetragen haben, dass die Bauarbeiten vor der Zeit fertig geworden sind. Michael Aurich, der von Seiten des Verwaltungsrats viel Zeit, Fachkompetenz und Nerven für die Renovierung aufgebracht hat, bekam ein besonderes Geschenk: zwei Feuerzungen, die hergestellt, aber nicht gebraucht wurden, bekommen nun bei ihm zu Hause einen besonderen Platz. Er selbst sagt erleichtert und froh: „Bei der Eröffnung fällt schon Anspannung von einem ab.“

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