"Nach erstem Versprecher war Nervosität weg"

"Nach erstem Versprecher war Nervosität weg"

Er war Stadtschreiber, Conferencier und Gründungsmitglied bei der Narrenzunft Rot-Weiß, also ein Urgestein des Wittlicher Karnevals. Anlässlich der Jubiläen der Narrenzunft Rot-Weiß (33) und der Schääl Saidt (22) spricht TV-Mitarbeiterin Christina Bents mit Klaus Ley.

Wittlich. Meine sehr geehrten Leserinnen und Leser, liebe Närrinnen und Narren, es ist mir heute eine besondere Ehre, Ihnen jemanden vorzustellen, den man als Urgestein des Wittlicher Karnevals bezeichnen kann. Viele Jahre hat er hier als Stadtschreiber und "Confronsier", der so vom Vorsitzenden Günnes Eller ausgesprochen und geschrieben wird, die Menschen humoristisch unterhalten. Wir freuen uns sehr, dass er unserem Blatt aus Anlass des 22-jährigen Bestehens der Wittlicher Schääl Saidt und 33 Jahre Wittlicher Narrenzunft Rot-Weiß für ein Gespräch zur Verfügung steht. Es erwartet Sie ein Interview mit Klaus Ley.

Herr Ley, wie lange ist es schon her, dass Sie die Bühne, die die Wittlicher Karnevalswelt bedeuten, zum ersten Mal betreten haben, und wie kam es dazu?
Klaus Ley: Ich war schon am 11. 11. 1983 bei der Gründungsversammlung dabei. 1984 saß ich im Elferrat, habe zugehört und mir gedacht: "Was die können, kann ich auch". Und war im nächsten Jahr in der Bütt. Beim Männerballett tanzte ich zu echten Ballettklängen unter anderem mit Juppa und Adi Kaspari sowie Krebse Pitter.
Es gab ja viele Begebenheiten in unserem liebenswürdigen Städtchen, die es würdig sind, auf einer Karnevalsbühne gehört zu werden. Wie haben Sie ausgesucht, was Sie dem Publikum vortragen wollen?

Ley: Die politische Fastnacht hat mich schon immer interessiert. Aus der Zeitung habe ich das ganze Jahr gesammelt und war auch auf Stadtratssitzungen, um mir ein Bild zu machen. Zudem hatte ich auch Informanten, die mich mit Insiderwissen versorgt haben.

Gibt es Rituale, die Sie, auch als erfahrener Redner, vor einem Auftritt gegen die innere Unruhe, oder sagen wir, Nervosität eingesetzt haben?
Ley: Ein, zwei Bierchen konnten nicht schaden, und nach dem ersten Versprecher war die Nervosität weg. Oft habe ich mir auch vorgestellt, es säße nur eine Person da, das hat auch geholfen.

Welche Themen hat das Säubrennerpublikum, das Ihnen immer Aufmerksamkeit und viel Applaus entgegen gebracht hat, zu Begeisterungsstürmen und Raketen, hingerissen?
Ley: Den meisten Applaus gab es, wenn ich als Stadtschreiber nach den einzelnen Strophen meine Merkesätze gesprochen habe. Beispielsweise: "Merke, jeder Stadtrat ist zu etwas gut, und sei es nur als abschreckendes Beispiel."
Haben Sie noch eine Anekdote, die sich in Wittlich, um Wittlich herum oder sogar im Nachbarstädtchen bei den Bachschissern ereignet hat, und die Sie auf Wittlichs Bühne erzählt haben, für die Leser unserer Zeitung noch in Erinnerung?
Ley: Als "Freemen" steht es mir nicht zu, über unsere lieben Nachbarn aus Bernkastel-Kues herzuziehen. Das überlasse ich den "Ur-Wittlichern". Albert Klein hat einmal in der Bütt gesagt: "Das Beste an Bernkastel-Kues ist der Bus nach Wittlich." Für einen Versprecher habe ich einmal einen Riesenapplaus bekommen: Da habe ich das Bergweilerer Prinzenpaar und den Vorsitzenden der Maringer Knallköpp mit "Ich verabscheue Euch", statt mit "Ich verabschiede Euch" von der Bühne geschickt.

Die Wittlicher Narrenzunft hat ja eine lange Tradition. Aber was macht Ihrer Meinung nach diesen wunderbaren Verein aus, dass Menschen vom Afferberg, der Kolping-, der Mozart- und der Koblenzerstraße, jedes Jahr den Weg ins Pfarrheim St. Bernhard finden, um hier ein paar Stunden den Alltag zu vergessen und der Obrigkeit auf die Finger zu sehen?
Ley: Ich denke es ist die jahrelange gute Qualität unserer Sitzungen. Die Mischung zwischen großer und kleiner Politik, Kokolores, Tänzen und Gesängen kommt gut an.
Mit wie vielen Personen haben Sie wie lange daran gearbeitet, Ihr ausgezeichnet sitzendes Kleidungsstück, das Sie als "Confroncier" kenntlich macht, in Form zu bringen?
Ley: Wie lange daran gearbeitet wurde, kann ich nicht sagen, aber meine Schneidermeisterin hat alles vom Schritt, über den Bauch, den Rücken bis zu den Armen genauestens vermessen.
War es für Sie hart, die Bühne der Wittlicher Narrenzunft, auf der sie so viel erlebt haben, den jüngeren zu überlassen? Haben Sie sich inzwischen davon erholt?
Ley: Es ist besser die Bühne zu verlassen, und die Leute fragen "Warum jetzt schon?", als "Der hat den Absprung nicht geschafft." Es war nicht ganz einfach, aber so schwierig, dass ich eine Kur zur Erholung beantragen musste, war es nicht. Zudem kann ich die Zusatzrente mit 67, von der Fastnacht, ganz gut gebrauchen.
Was haben Sie mit den Zeichen der Anerkennung, die Ihnen der Verein in Form von Orden und anderen Präsenten gemacht hat, getan? Wo haben Sie denen einen würdigen Platz gegeben?
Ley: Die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft hat ihren Platz im Rentnerbüro. Die Orden warten immer noch darauf, dass unser Vorsitzender Günnes einen Rahmen für sie baut. Dann werde ich sie in meiner Bar aufhängen.
Wie ist es für Sie, an einem solch` großen Tag für Wittlich und die Wittlicher Narrenzunft auf der Bühne vor rund tausend Menschen zu stehen und zu sprechen?
Ley: Es ist mir eine große Freude, die Galasitzung mit meiner Kollegin Clara Boor, "Confronseuse", moderieren zu dürfen und zum Gelingen beitragen zu können.
Was wünschen Sie dem Verein, in dem Sie jahrzehntelang ihr Können und Wissen auf die Bühne gebracht haben, für die Zukunft?
Ley: Ich wünsche dem Verein, dass er in elf Jahren wieder bei einer Galasitzung feiern kann, und dass sich genügend Nachwuchsredner für die Bütt finden. Wir bedanken uns sehr, dass wir heute das Gespräch mit Ihnen führen durften. Es war uns eine Ehre. Wittlich Kreiau!Extra

Die Galasitzung, die von der Wittlicher Narrenzunft Rot-Weiß veranstaltet, und unter Mitwirkung der Schääl Saidt stattfinden wird, ist am Samstag, 15. Oktober um 19 Uhr im Eventum Wittlich. Es gibt noch Karten bei Günther Eller unter: guennes.e@t-online.de oder 0171/2612502. Eine Abendkasse wird es wahrscheinlich nicht geben. Die Karten kosten am Tisch 17,50 Euro, in der Galerie 12,50 Euro. chb

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