Nach Unfall: Traumschleifen werden sicherer

Nach Unfall: Traumschleifen werden sicherer

Auf den Traumschleifen im Hochwald und Hunsrück laufen derzeit Sonderkontrollen, bei denen die Standfestigkeit von Brücken, Stegen und Geländern überprüft wird. Die Gemeinden reagieren damit auf den tödlichen Unfall eines Wanderers auf einer Traumschleife im Saarland.

Hermeskeil/Thalfang. Die schockierende Nachricht sorgte im Saarland für großes Aufsehen. Auf dem Bergener - einer Traumschleife in der Gemeinde Losheim - kam vor einigen Tagen ein Wanderer ums Leben. Der Mann hatte sich auf einem Rastplatz oberhalb eines ehemaligen Steinbruchs mit dem Rücken an ein Holzgeländer gelehnt. Als dessen oberer Teil plötzlich abbrach, stürzte der 60-Jährige kopfüber zehn Meter in die Tiefe und starb (der TV berichtete).
Der tragische Unfall jenseits der Landesgrenze hat auch in Hochwald und Hunsrück die Verantwortlichen zum Handeln veranlasst. Immerhin gibt es im Umfeld des Fernwanderwegs Saar-Hunsrück-Steig in den Verbandsgemeinden (VG) Hermeskeil, Kell, Ruwer und Thalfang sowie in der Gemeinde Morbach insgesamt 14 solcher Traumschleifen. "Wir sind durch diesen Unfall sensibilisiert und müssen darauf reagieren. Sicherheit hat Vorrang", sagt der Thalfanger Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo.

Wegewart überprüft Leiter


Andererseits teilt er die Auffassung seines Keller Kollegen Werner Angsten, der betont: "Man darf aus diesem sehr bedauerlichen Einzelfall im Saarland nicht den Rückschluss ziehen, dass es auf den Traumschleifen in unserer Region lebensgefährlich ist." Das sieht Michael Hülpes aus Hermeskeil genauso: "Ich denke, dass bei uns so eine Sache nicht passieren kann und auf unseren Traumschleifen ein Maximum an Verkehrssicherheit gewährleistet ist."
Gleichwohl hat der tödliche Sturz in Losheim zu direkten Konsequenzen geführt. Auf dem Rockenburger Urwaldpfad (VG Hermeskeil) wurde eine Passage mit einer Leiter vorsorglich für einige Tage gesperrt. Der beim Verein Erholungsgebiet Hochwald angestellte Wegewart Andreas Ludwig, der auch für die regelmäßige Kontrolle der Traumschleifen in den VG Kell und Ruwer zuständig ist, hat sich diese Stelle aber inzwischen mit einem Sachverständigen angeschaut. Weil auch aus dessen Sicht keine Sicherheitsbedenken bestehen, können Wanderer die Leiter seit Montag wieder besteigen. Wichtig ist Hülpes der Hinweis, "dass wir an dieser Stelle schon seit längerer Zeit extra eine Strecke eingerichtet haben, auf der man die Leiter auch umgehen kann".

Protokolle zur Absicherung


Darüber hinaus sei Ludwig derzeit damit beauftragt, "alle Kunstbauwerke zu überprüfen", so Hülpes. Gemeint sind damit die Brücken und Stege sowie die Geländer, die es auf bestimmten Abschnitten der Traumschleifen gibt. Ludwig kennt sich als gelernter Zimmerer mit Holzkonstruktionen aus. Nicht zuletzt wegen dieser fachlichen Qualifikation sagt Angsten: "Wir haben volles Vertrauen in unseren Wegewart." Neu ist laut Angsten aber, dass Ludwig künftig all seine Kontrollen schriftlich festhalten muss. "Das dient der Absicherung und Beweisführung", betont der Keller VG-Chef.
In Thalfang profitiert man laut Tourismuschef Daniel Thiel davon, dass erst vorige Woche das Deutsche Wanderinstitut die Dhrontal-Wackentour neu zertifiziert hat und insofern unabhängige Experten die Strecke unter die Lupe genommen haben. Auf ihre Anregung hin habe man auf einem Felsrücken auch einige Treppenstufen für mehr Trittsicherheit eingebaut.
In Morbach wurden nach dem Unfall laut Tourismuschef Karl-Heinz Erz ebenfalls noch einmal Punkte auf den dortigen Traumschleifen gesondert kontrolliert. Das gilt zum Beispiel für eine mit Seilen abgesicherte Strecke durch die Hölzbachklamm nahe Hunolstein. Insgesamt sehen aber Thiel und Erz in ihren Gebieten keine Stelle, bei der es zu einem Unfall mit schwerwiegenden Verletzungen kommen könnte. Allerdings räumt Erz ein: "Man kann so etwas nie hundertprozentig ausschließen."

Extra

Für Wanderer gelte generell, dass sie sich auf zertifizierten Wanderwegen "vernünftig und umsichtig verhalten", sagt Matthias Irle, Wegemanager des Eifelsteigs, der von Aachen durch die Eifel nach Trier führt. Örtliche Gefahrenstellen auf den langen Strecken aufzuspüren, sei "schwierig bis unmöglich", erklärt er - auch wenn potenzielle Risikostellen wie Schutzgeländer, Treppen, Stege oder Brücken regelmäßig überprüft werden. "Man kann die Wege nicht so sicher machen, dass nirgendwo mehr jemand ausrutscht", sagt Irle. Daher müssten Wanderer stets darauf achten, auf welchem Untergrund sie sich gerade bewegen. Grundsätzlich gelte: "Je steiler und schmaler ein Weg, desto mehr Vorsicht ist geboten." Wanderer sollten - vor allem im Winter oder bei feuchtem Wetter - feste Schuhe und regendichte Kleidung tragen. Wer selbst beim Wandern eine mögliche Gefahr entdecke, solle diese sofort der zuständigen Kommune melden. red

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