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Nachtflug-Hoffnung der Politiker schreckt Morbach auf

Nachtflug-Hoffnung der Politiker schreckt Morbach auf

Landesregierung und CDU halten Nachtflüge am Hahn für eine große Chance. In Morbach wird dies mit Sorge gesehen. Darauf hat Bürgermeister Andreas Hackethal in einem Brief an die Nachtflug-Befürworter hingewiesen.

Morbach. Derzeit kommen die Positiv-Botschaften zu Nachtflügen am Hahn massiert. Infrastrukturminister Roger Lewentz betonte Mitte Dezember im TV, "dass das von einem Gericht verhängte Nachtflugverbot für den Flughafen Frankfurt Chancen für den Hahn biete".
Fast wortgleich äußerte sich die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner Anfang Januar im TV-Interview: "An der 24-Stunden-Fluggenehmigung am Hahn will ich nicht rütteln, da sie eine große Chance ist, um mehr Fluggeschäft zu bekommen." Hahn-Geschäftsführer Wolfgang Pollety verkündete zwei Wochen später im TV: "Der Nachtflug ist unser zentraler Vorteil."
Nachtflüge kontra Touristen


In Morbach wird dies mit Sorge wahrgenommen. "Die Bürger machen sich darüber Gedanken", sagt Achim Zender, Fraktionsvorsitzender der Freien Wählergemeinschaft Morbach. Er hat das Thema in der Gemeinderatssitzung angesprochen - mit dem Hinweis: "Das eine Ministerium will uns Touristen in einen Nationalpark schicken, das andere schickt uns die Nachtflüge. Das passt nicht zusammen."
Bürgermeister Andreas Hackethal gab daraufhin bekannt, dass er auf das Problem reagiert hat. Er hat sich im Namen der Gemeinde an das Innenministerium und die CDU-Chefin gewandt. Seine Argumentation: Bislang hat die Gemeinde die Entwicklung am Hahn im Grundsatz unterstützt und sich bemüht, die widerstrebenden Interessen auszugleichen. Dies sei nicht mehr möglich, wenn die weitere Entwicklung des Flughafens überwiegend eine Problemverlagerung vom Rhein-Main-Gebiet in den Hunsrück darstelle und den Bürgern in der hiesigen Region Belastungen zugemutet würden, die andernorts nicht mehr durchsetzbar seien.
Es wachse die Sorge, so Hackethal, dass das Projekt Hahn bei einer rein ökonomischen Betrachtungsweise die Unterstützung der Bürger verliere und dies eine erfolgreiche Weiterentwicklung erheblich erschwere.
Klarer drückt sich Uwe Andretta aus. Er ist Morbacher Gemeinderatsmitglied und Kreisvorsitzender der Grünen, aber auch Mitglied der Bürgerinitiative (BI) gegen den Nachtflughafen Hahn. Er fordert ein bundesweites Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr. In diesem Punkt sei sich die BI - die keine Mitgliederzahl nennt, weil für sie Sachargumente zählen - mit anderen Initiativen gegen Nachtflug- und Flughafenausbau einig. Die Begründung: Nachtfluglärm ist gesundheitsschädlich. Andretta: "Darauf weist mittlerweile sogar das Bundesgesundheitsministerium hin."
Auf der Gegenseite steht die Initiative "Bürger für Hahn", die laut Vorsitzendem Werner Heich 600 Mitglieder zählt. Sie befürwortet Nachtflüge und hofft auf mehr Arbeitsplätze. Derzeit seien 3000 Arbeitsplätze mit dem Hahn verbunden. Heich geht davon aus, dass bei einem Nachtflugverbot in Frankfurt nur einige Nachtflieger an den Hahn verlegt würden. Die Zahl von bisher fünf Nachtflügen zwischen 0 und 5 Uhr würde sich auf zehn bis zwölf erhöhen, schätzt er.Extra

Am Flughafen Frankfurt gilt derzeit ein vorläufiges Nachtflugverbot. Es gilt, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Zulässigkeit des Planfeststellungsbeschlusses zum Flughafenausbau entschieden hat. Dies soll im März erfolgen. Falls das Gericht grünes Licht für den Beschluss gibt, sind in Frankfurt 17 Flüge pro Nacht möglich. Eine Verlagerung von Flügen an den Hahn wäre dann nicht nötig. Am Hahn gilt derzeit eine in Deutschland wohl einzigartige uneingeschränkte 24-Stunden-Fluggenehmigung. Pro Nacht (22 bis 6 Uhr) kommt es laut Hahnsprecherin Maria Horbert derzeit zu acht bis neun Bewegungen. mai