Nachtmusik mit Salonorchester

Bernkastel-Kues · Das Wandelkonzert des Mosel Musikfestivals ist eine Institution. Auch in diesem Jahr gehörte die Veranstaltung in die Rubrik "ausverkauftes Haus". Die musikalische Qualität ließ jedoch zu wünschen übrig.

Bernkastel-Kues. Seit 23 Jahren gibt es die Konzerte im Innenhof des Cusanusstifts in Bernkastel-Kues. Entstanden sind sie aufgrund einer Idee von Wolfgang Lichter, dem langjährigen Leiter des Bernkasteler Kammerorchesters, das auch über all die Zeit die tragende musikalische Stütze dieser Veranstaltung war. Das sogenannte Wandelkonzert, bei dem an verschiedenen Stellen des Stifts und des benachbarten Weinmuseums Musik gemacht wird, hat sich im Laufe der Zeit zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Der Zuspruch war in manchen Jahren so groß, dass es sogar zwei Mal hintereinander an einem Wochenende durchgeführt werden musste.
In der laufenden Spielzeit gab es eine Neuerung. Erstmals saß Lichter mit seiner Frau Ute unter den Zuhörern und stand nicht als Dirigent auf der Bühne. Für die Musik, zunächst unter freiem Himmel im Innenhof und später in der Kapelle und im Gewölbekeller, waren diesmal die Stuttgarter Saloniker unter der Leitung von Patrick Siben zuständig.
Eins aber hatte sich auch in diesem Jahr nicht geändert: die Ungewissheit der Witterung. Drinnen oder draußen, das war, frei nach Hamlet, für die Ouvertüre die Frage. "Die Musiker sind völlig schmerzfrei", sagte Intendant Hermann Lewen auf die Frage, wie die Musiker es denn haben wollen. "Die spielen überall."
Schmerzfrei allerdings mussten die Zuhörer teilweise auch sein, denn eine überragende Qualität konnten die Schwaben nicht bieten.
Misslungene Darbietung


War der Auftakt mit Mozarts kleiner Nachtmusik, KV 252, in der Salonorchesterbesetzung mit Trompete, Posaune und Schlagzeug, oder auch die Kurzfassung des Freischütz von Carl Maria von Weber noch recht unterhaltsam, so konnte man die Darbietungen in der Kapelle und im Keller nur als misslungen bezeichnen. Johann Sebastian Bachs drittes Brandenburgisches Konzert, BWV 1048, in der Fassung für zwei Violinen, Cello, Kontrabass und Cembalo, wäre ja vielleicht noch erträglich gewesen, hätten wenigstens die Töne gestimmt. Jedoch ließ die Trefferquote sehr zu wünschen übrig. Dafür aber ließen die Musiker vorsichtshalber den zweiten Satz unter den Tisch fallen.
Im Keller gab es Unterhaltungsmusik von Johann Strauss (Wein, Weib und Gesang) und Carl Michael Ziehrer (Hereinspaziert), die musikalisch nicht überzeugen konnte und mit ihrer Bläserbesetzung akustisch völlig überdimensioniert war. Einziger Lichtblick war der junge Pianist Philipp Vitkov, der das Publikum im Weinmuseum entzückte, obwohl er nur einen Tag später ein großes Klavierrezital hatte (ausführlicher Bericht folgt). Ein sommerliches Wandelkonzert soll unterhaltsam sein. Aber Unterhaltung kann auch musikalisch-technische Qualität haben.