Nacktarsch-Retter gehen in die Offensive

Kröv · Der Weinname Kröver Nacktarsch ist weltbekannt. Aber er hat ein Imageproblem. Zu viel billiger Wein wurde unter dieser Marke verkauft. Doch Kröv und der Nacktarsch gehören zusammen, sagen viele Kröver. Jetzt hat sich eine Gruppe unter dem Namen "Rettet den Kröver Nacktarsch" gegründet.

Sie setzen sich für den Kröver Nacktarsch ein: Herbert Hüls, Klaus Hermes, Jennifer Kuschina und Christoph Gassen (von links). TV-Foto: Winfried Simon

Kröv. Die Abschiedsrede der Kröver Weinkönigin, Mosella Jennifer Kuschina, hatte es in sich. Als sie beim Internationalen Kröver Trachtentreffen ans Mikrofon schritt, lüftete sie ein Geheimnis, über das die Kröver seit dem 1. Mai rätselten. "Als Mosella und bekennende Kröverin haben einige Freunde und Freundinnen mit mir gemeinsam den großen Schriftzug Kröver Nacktarsch im Weinberg angebracht. Wir sind stolz auf diesen Namen, der uns weltbekannt gemacht hat."
Aktion in der Hexennacht


Mit der Aktion in der Hexennacht zum 1. Mai (der TV berichtete) wollten die jungen Leute ein Zeichen setzen. Sie befürchten, dass der Name, der eine Weingroßlage bezeichnet, irgendwann verschwindet. Es gibt nämlich Bestrebungen, dass im Zuge einer Reform des Weinbezeichnungsrechts die Großlagen abgeschafft werden. Ende Februar dieses Jahres hatten Moselwinzer dem damaligen Weinbauminister Hendrik Hering eine Unterschriftenliste überreicht. 160 Moselwinzer sprachen sich dafür aus, die 19 Großlagen an der Mosel abzuschaffen (der TV berichtete). Das Problem: In Großlagen gibt es sowohl gute als auch geringe Lagen, die Weine tragen aber alle den gleichen Namen. Mithin kann ein Kröver Nacktarsch ebenso ein billiger Supermarkt-Wein sein, wie ein teurer Spitzenwein aus der Steillage.
Ein Aus für den Kröver Nacktarsch? - Für Jenny Kuschina und viele andere Kröver dennoch ein unmöglicher Gedanke.
Der Kröver Klaus Hermes, ebenfalls ein vehementer Verteidiger des unverwechselbaren Namens, hat vor drei Wochen in der Netzgemeinschaft Facebook eine Gruppe namens "Rettet den Kröver Nacktarsch" gegründet. 150 Mitglieder hat die Gruppe schon, mehr als die Hälfte sind Kröver.
"Warum Kröver Nacktarsch?" wird dort gefragt. "Weil er unsere Kröver Identität bedeutet", schreibt Christoph Gassen. Und Gerd Junglen kommentiert: "Ohne diese Weinlage wäre Kröv nicht das, was es ist. Jeder kennt den Wein - weltweit." Michaela Luft ist der Meinung: "Früher war man stolz darauf zu sagen, wir kommen aus Kröv, dem Ort der weltberühmten Lage Kröver Nacktarsch. Das soll auch weiter so bleiben. Wir sind stolz darauf."
Nicht alle sind begeistert


Einer der aktiven "Nacktarsch-Retter" ist der Winzer Christoph Gassen. Er kann nicht verstehen, dass es auch in Kröv Winzer gibt, die versuchen, sich gegen den Kröver Nacktarsch zu profilieren. Hintergrund: Weinkritiker Stuart Pigott hatte sich vor zwei Jahren in seiner Weinkolumne in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit dem Kröver Wein befasst. Überschrift des Artikels: "Am Arsch vorbei". Der Nacktarsch, schreibt Pigott, sei zu einem Synonym für die kitschig-süße Seite des Moselweins geworden. Gleichzeitig lobt Pigott eine Gruppe junger Kröver Winzer, die mit Weinen aus den Kröver Einzellagen Steffensberg oder Letterlay aus dem Schatten des Nacktarschs treten wollten. Einer von ihnen ist Christian Klein, der versucht, sich mit Spitzenweinen im Hochpreis-Segment zu etablieren. Seine besten Weine wachsen in der Einzellage Kröver Steffensberg, ausgerechnet dort, wo seit drei Monaten der Schriftzug Kröver Nacktarsch angebracht ist. Er ist von der großen Werbeschrift wenig begeistert.
Christoph Gassen und sein Winzerkollege Herbert Hüls geben zu, dass das Image der Nacktarsch- Weine schlechter geworden ist. Mit Qualitätsanstrengungen könne man es aber verbessern. Der Name müsse bleiben, denn so Hüls: "Die Weinfreunde in aller Welt stehen zu dem Kröver Nacktarsch."