Eine Freundschaft in schwierigen Zeiten Winzer von der Mosel unterstützen Kollegen in Israel

Zeltingen-Rachtig · Krieg in Israel: Das lässt auch die Winzer an der Mosel nicht unberührt. Zum Beispiel Barbara Selbach und ihren Ehemann Johannes aus Zeltingen-Rachtig. Sie sind seit einigen Jahren mit einem Kollegen in den Hügeln von Judäa verbunden. Und es gibt noch weitere Mosel-Betriebe, die im Rahmen der sogenannten Twin Wineries (zu Deutsch: Zwillings-Weingüter) Kontakt zu Israel halten.

 Ihre Partnerschaft als Winzer pflegen sie zur Zeit notgedrungen per Mail und What'sApp: Barbara Selbach aus Zeltingen-Rachtig wahrt den Kontakt mit ihrem Kollegen Eran Pick (hier bei einem Kongress 2018 in Berlin) in Israel, auch wenn das im Moment mehr als schwierig ist.

Ihre Partnerschaft als Winzer pflegen sie zur Zeit notgedrungen per Mail und What'sApp: Barbara Selbach aus Zeltingen-Rachtig wahrt den Kontakt mit ihrem Kollegen Eran Pick (hier bei einem Kongress 2018 in Berlin) in Israel, auch wenn das im Moment mehr als schwierig ist.

Foto: Joachim Kaiser/Vinositas/Kaiser

Wann es passiert ist, weiß Barbara Selbach genau: Damals war Eran Pick noch gar kein Winzer, aber immerhin schon Riesling-Liebhaber. Die Schulung bei den Heeresfliegern in Mendig (Vulkaneifel) nutzte der Israeli 1996 zu einem Ausflug an die Mosel – und traf in Zeltingen auf den damaligen Chef im Weingut Selbach-Oster, Hans Selbach. Der nahm ihn gastfreundlich in Empfang, führte ihn herum und ließ eine ausführliche Weinprobe folgen. Damit begann eine ganz spezielle Freundschaft – lange vor der Gründung von „Twin Wineries“ im Jahre 2008.

„Twin Wineries“ ist ein Netzwerk, das jeweils ein Gut in Deutschland mit einem Betrieb in Israel verbindet. Angestoßen hat dessen Gründung das Ehepaar Renée und Honey Salzman. Von der Mosel gehören außer Selbach-Oster dazu: Nik Weis in Leiwen, Von Hövel (Konz-Oberemmel), Materne + Schmitt, Heymann-Löwenstein (beide Winningen), S.A. Prüm und Joh. Jos. Prüm (beide Wehlen). Wechselseitig treffen sich die Inhaber im jeweils anderen Land – zuletzt im Mai 2023 in Tel Aviv.

Weinbranche in Israel liegt aufgrund des Krieges momentan darnieder

Auf diesem Weg sind Freundschaften gewachsen, so auch die zwischen Eran Pick und dem Ehepaar Selbach. Weil das mit dem Telefonieren kriegsbedingt so eine Sache ist, sind die Zeltinger auf E-Mails ausgewichen. Und auf den Nachrichtendienst WhatsApp. Was nicht bedeutet, dass damit alle Schwierigkeiten ausgegrenzt sind: „Es gibt viele, die eingezogen worden sind“, weiß Barbara Selbach. Das habe nicht nur für die Kollegen im Soldatenuniform Konsequenzen, sondern auch für deren Betriebe – weil es sie mitten in der Lesezeit eiskalt erwischt hat. „In den Kellern läuft nichts mehr; die Erntehelfer sind weg“, resümiert die Gesprächspartnerin die Lage in den Kibbuzim und privatwirtschaftlichen Betrieben. Was fast noch schwerer wiegt: „Es gibt keinen Verbrauch und keinen Verkauf – die ganze Szene liegt im Augenblick darnieder.“

Die Selbachs und ihre Kollegen stellen sich dieser Zeit – vor allem dadurch, dass sie Kontakt halten: „Wir stehen im ständigen Austausch.“ Dabei geht es nicht nur um den bewaffneten Konflikt, sondern auch um dessen Folgen: „Viele Menschen sind am Boden zerstört.“ Viele treibe die Angst vor dem nächsten Angriff um: „Sie stehen ständig unter Anspannung.“ Mehr noch: „Es gibt auch durch Geiselnahme betroffene Familien im Weinbau.“

Wie es auch kommen mag: Israel hat in Barbara und Johannes Selbach in der Not treue Freunde: „Das ist ein tolles Land, und die Menschen sind sehr tüchtig.“ Ihre Partnerschaft mit Israel bekräftigen die deutschen Mitglieder von „Twin Wineries“ derzeit auch mit einer Info-Kampagne im sozialen Netzwerk Instagram. Jedes Mitglied stellt dabei sein Gegenüber vor unter dem Motto: „The Taste of Friendship“ – „Der Geschmack der Freundschaft“.

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