Napoleon den Rücken zugekehrt

MALBORN. (HB) Bei seinem gut besuchten Lichtbilder-Vortrag in der Steinkopfhalle über die "Römerstraßen im Hunsrück" – im Rahmen seiner Vortragsreihe anlässlich des 1025-jährigen Bestehens der Gemeinde – legte der Buchautor und Reisejournalist sein Hauptaugenmerk auf die Römerstraße von Bingen nach Trier, die später auch als Stein- und Ausoniusstraße in die Geschichte einging.

Bereits von Kelten angelegte Wege und Pfade zwischen Bingen und Trier wurden in der Zeit etwa 5 vor bis 25 Jahre nach Christi Geburt von römischen Soldaten und einheimischen Hilfskräften zu einer sechs bis acht Meter breiten Heeresstraße ausgebaut. Das Ziel war, eine schnelle Verbindung für die Truppen aus dem Trierer Land an die vorderste Verteidigungslinie des römischen Imperiums an den Rhein zu schaffen. Diese überregionale Verkehrsverbindung wurde später auch von Kaufleuten, Pilgern und Reisenden benutzt. So auch 368 nach Christus von Decimus Magnus Ausonius, der im Gefolge des Kaisers Valentian I., als Erzieher seines neunjährigen Sohnes Gratian, die 48 Leugen (106 Kilometer) lange Strecke von Mainz über Kirchberg, Simmern, Belginum und Neumagen in die Residenzstadt nach Trier mitreiste. Anlässlich dieser abenteuerlichen Fahrt schrieb der Dichter und Pädagoge Ausonius zehn Jahre später die Dichtung "Mosella", womit er erstmals den Hunsrück in der Literatur erwähnte und dieser Straße seinen Namen verlieh. Schnell nach Kirchberg weitergeritten

Nach den neuesten Recherchen Anhäusers war die Ausoniusstraße auch das Teilstück des bedeutenden Pilgerweges zum Grab des Heiligen Jakobus nach Santiago de Compostela, der von Frankfurt über Trier und Metz nach Spanien führte. Zwischen Frankfurt und Rheinböllen deuten heute einige dem Heiligen Jakobus geweihte Kirchen, ein Kloster, ein Kapelle und eine Statue auf diesen historischen Weg hin. Auch der französische Kaiser Napoleon reiste 1804 auf der "via Ausonia" über den Hunsrück. Er kam allerdings aus dem Land, in das die frommen Pilger zunächst hinwollten. Seine Ziele waren Frankfurt und Leipzig. Es war selbstverständlich, dass, wenn der Kaiser durch die eroberten Gebiete kam, die regionalen und örtlichen Obrigkeiten ihm zu huldigen hatten. So wurden alle Honoratioren zwischen Trier und Bingen aufgefordert, sich an die Steinstraße zu stellen, um ihm die Ehre zu erweisen. Als er auf die Hunsrückhöhen kam, hatten sich die Honoratioren allerdings mutig mit dem Rücken zur Straße gestellt, um ihm gegenüber ihre Verachtung auszudrücken. Über dieses Verhalten war der Kaiser so erbost, dass er schnell nach Kirchberg weiterritt, wo ihm ein Ständchen gespielt werden sollte. Auch dort erging es Seiner Majestät nicht besser, nur vier Blasmusiker waren angetreten, um ihn musikalisch zu ehren. Sie wagten sich sogar ein Lied mit dem Refrain "Du bist auch nicht der beste Bruder" zu spielen. Als sein Marschall und einige Deutsch sprechende Generäle ihm den Text übersetzten, kam er zu dem Entschluss, nie mehr über den Hunsrück zu reisen. Weitere Termine in der Vortragsreihe von Anhäuser: 25. März: Siedungsgeschichte und Ortsnamen, 6. Mai: Hagen von Tronje und die Nibelungen.

Mehr von Volksfreund