Nasser und kühler Juni verzögert die Rebblüte

Nasser und kühler Juni verzögert die Rebblüte

Ein nasser Juni mit kühlen Temperaturen: Das sind keine guten Voraussetzungen für eine optimale Rebblüte. Ob es zu einem schlechten Blüteverlauf und damit zu Ernteeinbußen gekommen ist, kann man erst in zwei bis drei Wochen sehen.

Fast kein Tag ohne Regen. Die Winzer sind inzwischen genervt und hoffen, dass sich die Großwetterlage bald ändert. Die Rebtriebe wachsen jetzt sehr schnell und müssen, damit sie nicht abbrechen, am Pfahl angebunden beziehungsweise unter die Heftdrähte gesteckt werden. Diese Arbeit ist ganz angenehm - wenn es trocken ist. "Ich bin in den vergangenen Tagen und Wochen oft im Weinberg durch und durch nass geworden", berichtet Winzer Martin Schömann aus Zeltingen-Rachtig. Die Regenjacke hat er stets dabei, wenn er in den Weinberg fährt.

Die Nässe und die recht kühlen Temperaturen deutlich unter 20 Grad Anfang Juni haben den Reben ebenfalls nicht geschmeckt. Die Rebblüte hat sich verzögert, und die Winzer befürchten, dass es zu Verrieselungsschäden gekommen ist. Denn für das Aufblühen der Rebe muss die mittlere Tagestemperatur mindestens 15 Grad, besser jedoch 20 bis 25 Grad betragen. Ist es zu kühl und nass, werden viele Blüten nicht befruchtet und dann abgestoßen. Schömann: "Ich rechne mit einigen Schäden. Die Voraussetzungen für eine große Erntemenge wie im vergangenen Jahr sind kaum noch gegeben."

Rückblick: Das Jahr 2011 bescherte den Winzern nach einem außergewöhnlich warmen April und Mai die früheste Rebblüte aller Zeiten. Bereits Ende Mai waren die winzigen, kugelförmigen Blüten zu sehen. Blühen die Reben früh, haben sie länger Zeit, um zu reifen. Der Weinjahrgang 2011 bescherte den Winzern daher eine Ernte, wie sie nicht besser hätte sein können. Die Qualität der Trauben war außergewöhnlich gut, trotz der relativ großen Erntemenge.

Der Blütezeitpunkt in diesem Jahr liegt immer noch im langjährigen Durchschnitt. Aussagen über die Qualität des Jahrgangs 2012 lassen sich noch nicht treffen. Weil die Böden viel Wasser enthalten, können die noch winzigen Träubchen jetzt schnell wachsen. Diese müssen aber gegen Pilzkrankheiten geschützt werden. Besonders der gefürchtete Peronosporapilz breitet sich bei Nässe sehr schnell aus.
Die Weinbauberater vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel in Bernkastel-Kues raten den Winzern, ihre Weinberge permanent auf Krankheitssymptome zu kontrollieren und bei vorhandenem Pilzbefall unverzüglich die Reben zu spritzen.

Extra

Die Blüten der Rebe sehen recht unscheinbar aus. Der Blütenstand, auch das "Geschein" genannt, ist botanisch gesehen eine Rispe - ein verzweigtes Stielgerüst mit kleinen Ästchen, an deren Enden jeweils eine einzelne Blüte sitzt. Jede dieser Blüten bildet nach erfolgreicher Befruchtung eine Beere. Die Blüten der Rebe duften leicht süßlich, obwohl sie keine Insekten anzulocken brauchen. Sie verströmen einen ganz eigenständigen Duft, den man nicht so klar beschreiben kann wie den bei Blumen und Kräutern. Praktischerweise kann sich die Rebe selbst befruchten und ist nicht auf fremde Hilfe aus der Tierwelt angewiesen. An Mosel, Saar und Ruwer wachsen auf rund 8600 Hektar Reben, davon rund 60 Prozent die Rebsorte Riesling. Es ist Deutschlands fünftgrößtes Weinanbaugebiet. sim

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