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Nationalpark: Erste Förderprojekte greifen

Schutzgebiet stärkt Infrastruktur: Dorfläden, Inklusion, Barrierefreiheit Mit der Eröffnung des Nationalparks Hunsrück-Hochwald an Pfingsten 2015 haben viele Menschen mit hohen Erwartungen verbunden.

Denn auch eine Stärkung der Infrastruktur versprach die Landesregierung durch entsprechende Förderungen. Nun gibt es konkrete Projekte. Eine Bilanz. Thalfang/Morbach/Birkenfeld. Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald umfasst eine Schutzzone von 10?000 Hektar, sein Unterhalt kostet bis zu fünf Millionen Euro jährlich und er soll in den nächsten 20 Jahren bis zu 100?000 zusätzliche Besucher in die Hunsrückregion ziehen. Das waren die Startbedingungen für den Nationalpark an Pfingsten im vergangenen Jahr, als er mit einem Festakt am Hunsrückhaus eröffnet wurde. Im Vorfeld wurde in zahlreichen Bürgerinfo-Veranstaltungen immer wieder betont, dass durch den Nationalpark auch die Infrastruktur verbessert werden soll. Das bedeutet konkret: Durch den Status als anerkannter Nationalpark ist es leichter möglich, spezielle Förderungen der Europäischen Union (LEADER, siehe Extra) zu beantragen. Mit diesem Geld kann zum Beispiel der barrierefreie Ausbau von Häusern wie etwa Hotels unterstützt werden. All das waren in der Gründungszeit des Nationalparks auch gewichtige Argumente der Landesregierung, um den Kommunen den Nationalpark schmackhaft zu machen. Schließlich gab es besonders aus der Einheitsgemeinde Morbach erhebliche Bedenken wegen befürchteter Einbußen in der Holzwirtschaft (der TV berichtete mehrfach). Mittlerweile hat sich der Nationalpark aber etabliert. Wie Sören Sturm, Pressesprecher des Nationalparkamtes, mitteilt, gibt es inzwischen auch konkrete Projekte in der Region, die erst durch den Nationalpark entstehen konnten. Sturm: „Nach den Starterprojekten über die Aktion blau plus und zur Förderung des Breitbandes, fällt nun aus Sicht des Nationalparks auf, dass viele private Unternehmer sich an das Amt wenden. Der Nationalpark hatte im Frühjahr eine Akademie zu dem Thema nachhaltige Regionalentwicklung ausgerichtet. Dabei stellten die Teilnehmer des Podiums heraus, dass nicht nur LEADER sondern auch die Förderprogramme der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) neben zinsgünstigen Darlehen ebenfalls Zuschüsse enthalten.“ Für Förderprojekte gebe es die Möglichkeit, ein Vorhaben durch das Nationalparkamt einschätzen zu lassen. Diese Empfehlungsschreiben würden dann den Projektsteckbriefen beigelegt, so Sturm. Und die Zahl an Anträgen steige ebenso wie deren Qualität, stellt Sturm fest, der exemplarisch einige aktuelle Projekte dem TV gegenüber nennt. Im Dhrontal übernimmt ein Pächter einer Gastronomie die Liegenschaften, wird sie barrierefrei umbauen und dabei mit Menschen mit Beeinträchtigungen auch im Betrieb arbeiten. In einem neu eröffneten Lebensmitteleinzelhandel in Birkenfeld wird auf den Nationalpark hingewiesen. Informationsmodul und -materialien stehen hier wie Kooperationsprodukte wie Hochwald-Kaffee und Bildband zur Verfügung oder zum Verkauf. Ein Dorfladen soll in Hettenrodt die Nahversorgung sichern und zum Anlaufpunkt für Jung und Alt werden.In Nohfelden wird noch dieses Jahr ein Nationalparkcafé eröffnet. Hier wurde mit der Gemeinde und dem Nationalpark vereinbart, das Informationsmodul, das normalerweise in den Touristinformationen steht, an einen anderen Standort zu verlegen. Ein ehemaliger Lebensmitteleinzelhandel, der derzeit provisorisch durch eine regionale Bäckerei betrieben wird, war mitten im Dorfkern vom Leerstand bedroht. Hier haben Eigentümer und späterer Betreiber das Informationsmodul als Grundlage für die weitere Innen- und Außengestaltung genommen. Einem Hotelbetreiber in Langweiler gelingt es, seinen Standort auszubauen und dabei sogenannte Mountain-Chalets zu errichten. Damit werden auch neue Zielgruppen erreicht. Somit wird eine neue Perspektive für diesen Standort geschaffen. Am Erbeskopf plant ein privater Träger eine bereits bestehende Liegenschaft ebenfalls unter den Gesichtspunkten der Inklusion neu zu gestalten und zu betreiben. In Idar-Oberstein soll im Bahnhof ein Inklusionsbetrieb mit Regionalwarenmarkt, kleinem gastronomischen Angebot und Informationsecke zum Nationalpark entstehen. Der Bahnhof wird bereits derzeit (barrierefrei umgebaut. Die Innengestaltung wird dabei die Elemente Edelstein und Nationalpark aufgreifen. Dabei stellt Sturm besonders die Themen Barrierefreiheit und Inklusion heraus: „Alleine durch diese letzten drei Projekte, das Projekt im Dhrontal, die barrierefreie Rangertour in Thranenweier ergibt sich eine Entwicklung, die Barrierefreiheit in der Region entlang der touristischen Servicekette miteinander verbinden lässt.“Zudem werden die Möglichkeiten für Radsport ausgebaut. So wurde in der vergangenen Woche in Nahbollenbach (Idar-Oberstein) nach erheblichem ehrenamtlichem Engagement ein neuer Anlaufpunkt für MTB-Radsportler eröffnet. Sturm ist sich sicher: „Ohne den Nationalpark wären viele dieser Projekte nicht möglich gewesen. Die Region profitiert dabei vom Nationalpark und der Nationalpark von der Unterstützung der Betriebe aus der Region.“ Das Leader-Programm der Europäischen Union dient der Förderung der Entwicklung im ländlichen Raum. In Deutschland arbeiteten in der Förderphase 2007 bis 2013 244 Leader-Regionen, zwölf davon in Rheinland-Pfalz (darunter Erbeskopf, Hunsrück und Mosel).Europaweit gibt es über 2300 Leader-Regionen Das Budget beträgt 14 Milliarden Euro. hpl