Nationalpark: Kreistag ist Sprachrohr

Nationalpark: Kreistag ist Sprachrohr

Der Kreistag Bernkastel-Wittlich wird am 26. März darüber abstimmen, wie er zu einem Nationalpark im Bereich Hochwald-Idarwald steht. Die Verwaltung schlägt vor, das Schutzgebiet abzulehnen. Die Fraktionen scheinen mehrheitlich ebenfalls in diese Richtung zu tendieren.

Wittlich/Morbach/Thalfang. 900 Menschen, Fackeln und Plakate - so sah der Protest der Bürger gegen die Einrichtung eines Nationalparks im Hochwald-Idarwald bei einer Infoveranstaltung in Morbach aus. Auch Landrat Gregor Eibes meldete sich dort kritisch zu Wort.
Der Kreisausschuss hat die Schutzzone, die Morbacher und Thalfanger Gebiet betreffen könnte, mittlerweile ebenfalls abgelehnt. Folgerichtig schlägt Eibes\' Verwaltung nun auch dem Kreistag für seine Sitzung am 26. März vor, gegen die Einrichtung eines Nationalparks zu votieren.
Moderierter Dialog


Der Kreistag hat eine tragende Rolle inne bei der Suche des Landes nach einem geeigneten Nationalparkgelände. Er entscheidet über das weitere Vorgehen. Bekundet er Interesse, beginnt ein moderierter Dialog, um eine Rechtsverordnung für den Park zu erstellen. Spricht sich der Kreistag gegen den Park aus, wird die Region nicht weiter berücksichtigt. Dann kommt einer der vier anderen Vorschläge des Landes für einen Nationalpark zum Tragen: Soonwald, Pfälzerwald, Saargau-Hochwald oder Baumholder.
Die Argumente der Wittlicher Verwaltung sind vielfältig.
Greenpeace-Gutachten: Sie verweist in der Vorlage auf ein Greenpeace-Gutachten, in dem mehrere Gebiete auf Nationalpark-Eignung hin untersucht wurden. Ergebnis: Hochwald-Idarwald ist nicht geeignet, weil es die Anforderungen nicht erfüllt. Es gebe keine ausreichend großen, unzerschnittenen Waldflächen sowie keine große naturnahe Laubwaldflächen, heißt es. Nadelwald dominiere.
Waldbesitzer-Studie: Die Verwaltung verweist ebenfalls auf eine Studie von Privatwaldbesitzer Michael Prinz zu Salm-Salm aus dem Kreis Bad Kreuznach. Sein Hauptargument gegen einen Nationalpark: Die Region würde auf eine Wertschöpfung von mindestens 78 Millionen Euro verzichten, wenn wie geplant kein Holz mehr aus dem Nationalpark entnommen würde. Dies würde 1200 Arbeitsplätze gefährden.
Zu Salm-Salm kommt außerdem zu dem Schluss, dass es im Hunsrück bereits jetzt sehr viel unberührte Natur gibt. Hintergrund: Dreiviertel eines Nationalparks soll sich frei entwickeln.
Eigene Argumente: Laut Verwaltung spricht sich der Landkreis selbst gegen einen Verzicht auf die nachhaltige Holznutzung aus. Er lehne es auch ab, dass die Hunsrück-Höhen, die windstärksten Gebiete im Land, durch einen Nationalpark für die Windkraftnutzung verloren gingen.
Beschlüsse: Auch die Morbacher Resolution gegen einen Nationalpark, die der Rat mit großer Mehrheit verabschiedet hat, ist Teil der Kreistagsvorlage. Die Hauptargumente der Morbacher: Holzreserven und die vielen Arbeitsplätze in der regionalen Holzindustrie gingen verloren. Windkraft wäre an den geeigneten Standorten nicht mehr möglich. Bürger könnten kein Brennholz mehr entnehmen.
Andere Kommunen haben sich noch nicht festgelegt: In der VerbandsgemeindeThalfang hat sich noch kein Gremium mit dem Thema Nationalpark befasst, die Verwaltung sehe noch keinen Handlungsdruck, heißt es. Die VG Hermeskeil aus dem Landkreis Trier-Saarburg hat Bedenken geäußert, aber ebenfalls in den Gremien noch nichts entschieden. Der KreisBirkenfeld, einer der drei betroffenen Landkreise, hat einstimmig für den Nationalpark votiert.Extra

Die FWG-Fraktion im Kreistag Bernkastel-Wittlich (4 Sitze) stimmt laut ihrem Vorsitzenden Karl-Heinz Erz in der Sitzung am 26. März sicher gegen einen Nationalpark. Die Kreistagsfraktionen von CDU (19 Sitze) und FDP (5) haben sich noch nicht getroffen, um ihre Position abzusprechen, doch die Vorsitzenden Jürgen Jakobs und Dirk Richter sind sich relativ sicher, dass ihre Gruppierungen gegen einen Nationalpark Hochwald-Idarwald stimmen. Macht zusammen 28 Sitze, also die Mehrheit im Kreistag. Die wichtigsten Argumente der Gegner: Die Arbeitsplätze in der Holzwirtschaft und die Wertschöpfung in der Region haben Vorrang. SPD (9) und Grüne (3) haben sich noch nicht festgelegt, wie sie stimmen, wollen aber ebenfalls die Arbeitsplätze in der Holzindustrie nicht gefährden. Für die Linke/VBB (2) spricht sich Rainer Stablo für einen Nationalpark aus, wenn er keine negativen Auswirkungen auf Arbeitsplätze in der Holzindustrie und den Windkraftstandort Morbach hat. mai