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Nationalpark: Saarländer wollen Radweg statt Züge

Nationalpark: Saarländer wollen Radweg statt Züge

Mit den Bemühungen zur Wiederbelebung der Hochwaldbahnstrecke zwischen Türkismühle und Hermeskeil können sich im Saarland mehrere Kommunal- und Landespolitiker nicht anfreunden. Aus ihrer Sicht stehen die Kosten dafür in keinem Verhältnis zum späteren Nutzen. Sie schlagen stattdessen vor, die 22 Kilometer lange Strecke in einen Radweg umzuwandeln.

Morbach/Türkismühle. Nach der Vorstellung der Mobilitätsstudie für den neuen Nationalpark müssen die Gutachter vom Dortmunder Büro Planersocietät seit Ende Oktober viel Kritik einstecken (der TV berichtete mehrfach). Aus dem Morbacher, Birkenfelder und Hermeskeiler Raum wird bemängelt, dass das Konzept zum Beispiel keine Buslinie zur inneren Erschließung des Nationalparkgebiets vorsieht, mit der auch das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Bereich Neuhütten/Züsch verbessert würde.
Hohe Instandsetzungskosten


Es gibt in der Region auch insgesamt drei Vereine beziehungsweise Initiativen von Eisenbahnbefürwortern, die eine andere Aussage der Gutachter beklagen. Diese hatten mit Blick auf eine touristische Wiederbelebung der Hochwald- und Hunsrückquerbahn, die von Türkismühle über Hermeskeil, Thalfang und Morbach bis nach Büchenbeuren führt, von einem "lediglich überschaubaren Nachfragepotenzial für einen Museumsbahnverkehr" gesprochen. Demgegenüber würden Instandsetzungskosten für die Strecke in zweifacher Millionenhöhe stehen, so die Gutachter. Genau diese Feststellung wird im Saarland, wo vor allem das Interesse auf dem Abschnitt von Türkismühle nach Hermeskeil liegt, von einflussreichen Landespolitikern aber als Bestätigung ihrer bisherigen Position gesehen.
Einer von ihnen ist Magnus Jung, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion, die in Saarbrücken zusammen mit der CDU die Regierungskoalition bildet. Er sagt: "Die neue Studie bestätigt uns darin, dass eine kostenintensive Reaktivierung der stillgelegten Strecke keinen positiven Effekt für den ÖPNV hat und dass der Nutzen durch eine ausschließlich touristisch begründete Wiederinbetriebnahme nur sehr geringe positive Folgen hätte." Er schlägt eine Alternative vor: Es sollte geprüft werden, ob auf diesem Abschnitt ein "Nationalpark-Radweg" entstehen könnte, der unter anderem in der Nähe des Bostalsees und des keltischen Ringwalls bei Otzenhausen vorbeiführen würde.
Bei Hermeskeil gebe es dann Anschluss an den Ruwer-Hochwald-Radweg und damit eine direkte Verbindung hinunter an die Mosel. Diese Idee lässt sich aus Jungs Sicht im Vergleich zur Wiederbelebung der Bahn zu einem "weitaus günstigeren Kostenvolumen" umsetzen.
In Hermeskeil wird dieser Enthusiasmus allerdings nicht geteilt. Verbandsgemeindechef Michael Hülpes sieht zwar die bisherigen Überlegungen zur Reaktivierung der Bahnstrecke ebenfalls kritisch. Er findet es aber ebenso wenig sinnvoll, einen neuen Radweg zu bauen. Hülpes verweist in diesem Zusammenhang vor allem darauf, dass zwischen Hermeskeil und Nonnweiler-Bierfeld in der Nähe der Bahnstrecke bereits ein - allerdings nicht asphaltierter - Radweg durch das Lösterbachtal besteht. ax