Nationalparkamt startet Bildungsprojekt

Bildung : Mehr Bildung im Nationalpark

Bei einer Projektreihe im Nationalpark Hunsrück-Hochwald geht es ganz im Sinne des Titels „Our Common Future“ um „unser aller Zukunft“. Schüler sollen einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur dabei lernen.

(red/hpl) Unter dem Motto „Our Common Future“, auf Deutsch „Unsere gemeinsame Zukunft“, startete nach den Sommerferien ein gemeinsames Projekt zwischen dem Nationalpark, dem Umwelt-Campus Birkenfeld und dem Cusanus Gymnasium St. Wendel im Saarland. Ziel war es, mehr Schüler für naturwissenschaftliche Fächer und Studiengänge zu motivieren, berichtet Mariam Landgraf vom Nationalparkamt.

In den nächsten zwei Jahren soll der Nationalpark Hunsrück-Hochwald durch die Schüler der saarländischen Schule erforscht werden. Zu den Arbeiten zähle es zum Beispiel, an unterschiedlichen Punkten Wasser- und Bodenproben zu entnehmen, um sie im Labor des Umwelt-Campus auszuwerten.

Vor den Herbstferien tauschten die Oberstufenschüler deshalb für einen Tag Stifte und Blöcke gegen Kescher und Siebe und machten einen Ausflug in den Nationalpark Hunsrück-Hochwald. „Nicht Mathematik, Deutsch oder Geschichte standen auf dem Stundenplan, sondern eine Freilandexkursion zum Themengebiet Wasser,“ erzählt Landgraf.

Die theoretischen Grundlagen wurden bereits im Vorfeld im Unterricht vermittelt. Nun ging es darum, dieses Wissen in die Praxis umzusetzen. In vier Gruppen wurden die vorkommenden Schmetterlinge und Vögel bestimmt, die Gewässergüte analysiert und die Fauna des Baches untersucht. Um relevante Aussagen treffen zu können, wurden zwei Abschnitte untersucht, ein naturbelassener Bereich mit hohem Mischwaldanteil und eine Waldumbaufläche, auf der gerade ein Moor renaturiert wird.

Das Projekt wurde von Professorin Susanne Hartard vom Umwelt-Campus initiiert. „Ich schätze das interdisziplinäre Arbeiten und die Zusammenarbeit mit den Schülern, Lehrern und Kollegen. Mit dem Cusanus Gymnasium haben wir seit einigen Jahren eine erfolgreiche Kooperation“, sagt Hartard.

Zwei weitere Professoren des Umwelt-Campus Birkenfeld unterstützen das Projekt: Professor Stefan Stoll betreut die Forschungsarbeiten in der Gewässerökologie und Professor Stefan Naumann vom Institut für Softwaresysteme wird mit den Schülern die digitale Datenerfassung durch App-Anwendungen erproben.

Das Projekt „Biodiversitätswandel und Klimaschutz in Entwicklungsbereichen des Nationalparks Hunsrück-Hochwald“ wird über zwei Jahre von der Robert Bosch Stiftung gefördert. Mit dem Förderprogramm „Our Common Future – Schüler, Lehrer, Wissenschaftler forschen für die Welt von morgen“ unterstützt die Stiftung mit insgesamt über 1,4 Millionen Euro Forschungsprojekte von Lehrkräften und Wissenschaftlern zum Themenfeld Nachhaltigkeit.

Sebastian Schacht aus dem Bereich Umweltbildung im Nationalpark­amt beteiligt sich daran: „Die Nationalparkverwaltung unterstützt das Projekt sehr gerne. Es ist uns ein großes Anliegen, die beiden wichtigen Bereiche Forschung und Umweltbildung im Nationalpark miteinander zu verbinden. Vielleicht kommt der ein oder andere im Studium wieder auf uns zu und möchte seine Abschlussarbeit bei uns schreiben.“

Die Exkursionen vor Ort unterstützte Ranger Roland Schmidt und bot den Schülern einen Einblick in die Arbeiten der Renaturierung.

Überrascht waren die Schüler von den ersten Erkenntnissen aus ihren Untersuchungen, insbesondere von der Vielfalt der Arten in den untersuchten Bächen. Neu war vielen ebenso, dass die Tageszeit einen großen Einfluss auf die Vogelwelt hat.

Am Cusanus Gymnasium wird das Projekt im Rahmen des Seminarfachs in den Schuljahren 2018/19 und 2019/20 durch die Lehrkräfte Ina Haupenthal und Thorsten Kunz betreut. Beide Lehrkräfte sehen die Zusammenarbeit mit Nationalpark und Umwelt-Campus als besondere Lernchance an: „Im Seminarfach sollen die Schüler Einblicke in das wissenschaftliche Arbeiten erlangen. Hier ergeben sich durch die Kooperation mit den beiden Institutionen vielfältige Möglichkeiten, die wir im rein schulischen Kontext nicht bieten könnten.“

Die Schüler werden in den beiden Projektjahren unter anderem verschiedene Mess- und Bestimmungsmethoden kennenlernen und Einblicke in die Laborarbeit bekommen. Gleichzeitig werden sie auch lernen, wie sie ihre Ergebnisse durch eine wissenschaftliche Arbeit, Podcasts, Videos oder Präsentationen dokumentieren können.

Bei diesem Projekt mit einem saarländischen Gymnasium soll es aber langfristig nicht bleiben. Guido Lotz vom Nationalparkamt ergänzt nämlich, dass das „Common Future“-Projekt jeder Schule offen steht, egal wo diese ihren Sitz hat.

Schüler beteiligen sich an der Projektarbeit im Nationalpark. Foto: Stefan Stoll. Foto: TV/Stefan Stoll

Interessierte Lehrer können sich direkt an das Nationalparkamt in Birkenfeld wenden.

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