Naturstimmen in perfektem Chorsatz

SPRINGIERSBACH. Ein Klangerlebnis besonderer Art und Chormusik auf höchstem Niveau konnte in der Klosterkirche Springiersbach genossen werden. Der Robert-Schumann-Chor präsentierte seine Workshop-Ergebnisse.

36 Jugendliche und junge Erwachsene boten am Donnerstagabend in der Klosterkirche Springiersbach mehr als nur professionellen Gesang. Und das von der Romantik bis zur Moderne. Interpret war der Robert-Schumann-Chor, ein grenzüberschreitendes Chorprojekt mit Sängerinnen aus Lothringen, Luxemburg, Wallonien, dem Saarland und der Region Trier.Die klassische Chorbesetzung wurde im Laufe des Konzertes zur Vielstimmigkeit aufgefächert, manchmal mit 20 bis 25 Stimmen. Die Werke gingen ins Experimentelle. Und glänzten dennoch von der ersten bis zur letzten Interpretation durch exakte und gleichzeitig gefühlvolle Einsätze, durch unglaubliche Klangkontraste und durch eine alle Nuancen ziehende Dynamik. Nur am Anfang gab es winzige Probleme. Die Sängerinnen gewöhnten sich das "Nachdrücken" bei den Zwischenakkorden allerdings schnell ab.Geoffroy Jourdain aus Paris und Martin Folz, der auch den Trierer Spee-Chor leitet, dirigierten. Die Aufstellung des Chores in Zweierreihe über die gesamte Breite des Kirchenschiffes war bewusst gewählt. Leichtigkeit und Transparenz sollte so geschaffen werden. Die Sänger müssen atmen können, sagte Folz bei seiner Moderation. Ohne Mikrofon gingen seine Erläuterungen jedoch in den hinteren Reihen gelegentlich unter.Bereits beim Einstieg mit Mendelssohn Bartholdy und seinen "Liedern, im Freien zu singen" war Tonreinheit und Klangfülle vorhanden. Nach einem Hindemith-Zyklus ging es rasant in die Moderne über. Vokalismen waren angesagt. Ein Summen und Rauschen durchdrang die Klosterkirche. Unerhörte Klangkontraste entstanden bei der dreisätzigen Trauermusik von Gregori Swiridof. Abrupte Übergänge vom Fortefortissimo zum Pianissimo, vom Schrei zur plötzlichen Stille, gelangen perfekt und rissen die Zuhörer mit, trotz der einer Trauermusik innewohnenden Melancholie. Beim improvisierten Kollektiv im Chor "Mattina" von Philippe Gouttenoire, einer Komposition aus dem Jahre 2001, überzeugte das Filigrane in der Klangimprovisation vom Licht am Morgen. Improvisierst schien es allerdings nicht zu sein. Vielmehr klang es nach einem perfekt eingeübten Chorsatz, der neben gregorianischen Elementen ebenso asiatische und islamische Aspekte enthielt. Auch hier sorgte die technische Perfektion für Genuss bei den Zuhörern.Ein Genuss war auch das letzte Konzertstück, die "Stimmen von innen", 1997 von Hans Schanderl komponiert. Selten werden Vokalismen, und dann noch im scheinbaren Chaos der Naturverbundenheit von Indianern und australischen Eingeborenen, so klangrein, so ausgereift und dennoch wie ein homogenes Chorwerk interpretiert. Die Rufe und Schreie von "Buschmännern" endeten mit dem menschlichen Atem, einer Sequenz des Lebens, hauchdünn. Es waren Stimmen von innen - unter diesem Motto stand das gesamte Konzert als Ergebnis viertägiger intensiver Workshoparbeit. Für Martin Folz ist der Robert-Schumann-Chor ein klingender Beweis dafür, dass über kulturelle Botschaften Toleranz und damit Europa wachsen kann.