"Nein, ein Ölscheich war nicht dabei"

"Nein, ein Ölscheich war nicht dabei"

GREIMERATH/KAISERSLAUTERN. (scho) WM-Veteran Horst Eckel, der mit der deutschen Mannschaft 1954 in Bern Weltmeister wurde, DFB-Präsident Theo Zwanziger und sogar Ex-Fußballer Diego Maradonna: Als WM-Volunteer hat Georg Fries in Kaiserslautern eine Menge erlebt.

"Ich würde es wieder machen": Das steht für Georg Fries nach seiner Erfahrung als WM-Volunteer in Kaiserslautern fest. Der Greimerather war als Fahrer für Prominente eingesetzt (der TV berichtete). Nach seinem Traum-Fahrgast hatte ihn der Volksfreund vor dem WM-Start befragt - und das war ein Ölscheich. Nicht unwahrscheinlich. Schließlich trat auch die Mannschaft aus Saudi-Arabien auf dem Betzenberg an. "Sie glauben nicht, von wie vielen Leuten ich seitdem gefragt wurde, ob ich denn jetzt schon einen Ölscheich kennen gelernt habe", sagt Fries. Er lacht. "Nein, ein Ölscheich gehörte nicht zu meinen Fahrgästen." Dafür aber sonst allerlei Prominenz. Fußball-Veteran Horst Eckel zum Beispiel, der bei der WM 1954 in Bern mit der deutschen Elf Weltmeister wurde. Gesprächsstoff für mehr als eine Autofahrt vom Hotel zum Stadion. Doch viel Gelegenheit sich zu unterhalten, hatte Fries nicht. "Der saß mit Gästen hinten im Fahrzeug und hat sich natürlich mit denen unterhalten", erzählt Fries. Außerdem sind die Fahrer bei den Volunteer-Schulungen dazu angehalten worden, den Fahrgästen ihre Ruhe zu lassen. Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger chauffierte der Greimerather durch Kaiserslautern. "Der sitzt im Stadion meistens in der Nähe von Bundeskanzlerin Merkel oder Beckenbauer", sagt Fries. Ansonsten zählten etliche Fifa-Funktionäre zu seinen Fahrgästen. "Die waren zum Teil im gleichen Hotel untergebracht wie die WM-Volunteers. Aber sehr abgeschirmt." Unterhalten hat er sich etwa mit einem Mann, der für die Übertragung der Spiele auf die Großleinwand im Stadion zuständig war und sonst unter anderem auch mit der Moderatorin Maybritt Illner zusammen arbeitet. Der erklärte ihm auch, dass Fouls - anders als im Fernsehen - auf der Leinwand im Stadion nie wiederholt werden. "Wegen der Fans. Das könnte Aufruhr geben." Wahrlich königlich ging es beim Spiel Spanien gegen Saudi-Arabien in Kaiserslautern zu. "Da habe ich Juan Carlos gesehen", erzählt Fries. Doch der spanische König bevorzugte eine andere Anreise. "Der ist mit einer Maschine in Ramstein gelandet und dann mit dem Hubschrauber nach Kaiserslautern." Einen einstigen Fußball-König durfte Fries auch aus der Nähe bewundern: Er sah Diego Maradonna im Hotel. "Der wurde aber sehr abgeschottet von seinem etwa 15-köpfigen Clan." Blass hätte der Argentinier ausgesehen, aber nicht mehr so aufgedunsen. Was den Greimerather, der selbst bei den Alten Herren Hasborn spielt, besonders gefreut hat: Fast alle Spiele im Fritz-Walter-Stadion konnte er sich ansehen. "Besonders bei Italien gegen Australien hatte ich einen Super-Platz. Direkt an der Mittellinie in der zweiten Reihe." Beim Vorrunden-Spiel Italien gegen USA sei das Stadion durch ein fünffach verstärktes Polizeiaufgebot abgesichert worden. Wegen der Attentatsangst der Amerikaner. Was Fries von dieser WM besonders in Erinnerung bleiben wird: "Die Fan-Meile war super in Kaiserslautern. Überhaupt die ganze Stimmung. Diese Euphorie. Das ist schon was Besonderes." WM-Tipp Beim Samstagsspiel Deutschland : Portugal tippt Georg Fries auf 3:1 nach 90 Minuten. Am Finalsonntag mit dem Endspiel Italien: Frankreich geht es seiner Meinung nach in die Verlängerung ohne Elfmeter-Schießen. Sein Tipp: 2:1 für Italien.

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