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Nette Leute, ein altes Auto und ein zahmer Rabe

Nette Leute, ein altes Auto und ein zahmer Rabe

Ob jung oder alt, alteingesessen oder zugezogen: Die Schönberger leben gern in ihrem Ort. Aus der TV-Dorffotoaktion machten sie ein kleines Fest. Ein großes folgt in wenigen Tagen: das mit der Kirmes verbundene Traktortreffen.

Schönberg. Die Feuerwehr hat Tische und Bänke aufgestellt, Getränke stehen bereit, Würstchen brutzeln auf dem Grill, die Sonne strahlt. Alles ist vorbereitet für die TV-Dorffotoaktion in Schönberg.
Ein Pfiff von Ortsbürgermeister Harald Prümm reicht: 101 der insgesamt 240 Einwohner begeben sich unter die Kastanienbäume auf der Wiese gegenüber dem Gerätehaus. TV-Fotograf Klaus Kimmling stellt die Schönberger so in Positur, dass sich auch jeder später auf dem Bild wiederfindet.
Es hätten sogar 102 Gesichter sein können, wenn Wehrführer Christoph Weber einen Neubürger mitgebracht hätte: den Raben Jakob: Weber hat den aus dem Nest gefallenen Vogel aufgepäppelt. "Er ist auch schon zahm", berichtet Weber. Mitgebracht hat er den Vogel dann aber doch nicht. "Es sind vielleicht ein bisschen zu viele Leute hier", sagt er.
Einem Schönberger wird an diesem Nachmittag eine besondere Ehre zuteil. Nico Prümm feiert seinen 18. Geburtstag. 100 Mitbürger bringen ihm ein Ständchen.
Und dann richten sich auf einmal alle Augen auf die Straße. Der 67-jährige Franz-Josef Thömmes fährt vor. Mit einem Auto, das älter ist als er selbst. Der Opel P 4 fährt schon seit 76 Jahren (Baujahr 1935) durch die Welt. Thömmes hat den 23 PS starken Wagen vor einem Jahr gekauft und ist damit unter anderem bei Oldtimertreffen zu sehen. Bis zu 70 Kilometer ist das Auto schnell. "Und das immer noch mit dem ersten Motor", sagt Thömmes.
Einen gewissen Bekanntheitsgrad hat auch Albert Schmitz, der mit 78 Jahren älteste Teilnehmer der Aktion. Sein Hobby: Er fertigt Tragekörbe, im Hunsrück Hotten genannt. Abnehmer sind unter anderem Museen. "Ich nehme nur Materialien aus dem Wald", erzählt Schmitz.
Die größte Attraktion des Ortes ist aber die Kirmes, die seit 2005 alle zwei Jahre lang mit einem Traktortreffen zusätzliche Attraktivität gewinnt. "2005 hatten wir 80 Teilnehmer, 2007 waren es schon 100 und 2009 120", erzählt Christoph Weber. Das Einzugsgebiet reicht weit. Weber: "Vom Saarland bis zum Rhein." Wie viele Teilnehmer in diesem Jahr kommen, steht noch nicht fest.
"Das ist noch eine richtige Kirmes. Ich kann sie nur jedem ans Herz legen", sagt Ortsbürgermeister Prümm.
Auch in diesem Jahr wird wieder vier Tage am und im ehemaligen Dreschschuppen gefeiert: vom 17. bis 20. Juni. Höhepunkt ist am Sonntag, 19. Juni, 14 Uhr, der Traktorenkorso (mit musikalischer Begleitung) durch den Ort. "Aus jedem Haus hilft jemand bei der Kirmes mit", sagt Christoph Weber mit Stolz in der Stimme. "Sonst könnten wir eine solche Veranstaltung auch nicht auf die Beine stellen", ergänzt der Ortsbürgermeister.
Verein kümmert sich um DSL


Um bei den Besonderheiten zu bleiben: Es hat sich ein Verein gegründet, der dafür sorgen will, dass die Häuser DSL-Anschlüsse bekommen. Eine Richtfunkstrecke mit Masten und Empfängern ist so bereits entstanden.
Jüngster Teilnehmer bei der Fotoaktion ist der zweijährige Ruben Calustian. Seine Eltern, Maja und Stefan, sind vor zehn Jahren nach Schönberg gezogen. Sie stießen damals auf der Suche nach einem Haus auf Schönberg. "Es ist ein sehr schönes Dorf", sagen die beiden.
Drei Kinder (Ruben, Carmen, Tristan) hat das Paar mittlerweile. "Sie sollen in der Natur groß werden und ohne Gefahr auf die Straße gehen können", sagen ihre Eltern. In Schönberg sei dies möglich.
Ein Haus stehe derzeit leer, erzählt Ortsbürgermeister Prümm. Deshalb erschließe die Gemeinde erstmals auch ein Baugebiet mit 15 Bauplätzen.
An Interessenten mangele es nicht. Prümm selbst ist 2002 in seinen Heimatort zurückgekehrt. Zehn Jahre musste er berufsbedingt in anderen Teilen Deutschlands verbringen.
"Ich bin hier verankert und hatte einen Bauplatz. Wir haben hier eine tolle Wohngegend, sind aber zum Beispiel schnell in Trier oder Luxemburg", erzählt er.
Werner Prümm hebt den Zusammenhalt hervor. "Wenn man jemanden braucht, ist auch jemand da. Und die Jugend ist immer dabei", sagt er.