Neubau der Verwaltung der VG Wittlich-Land für 10 Millionen Euro im Gespräch

VG Wittlich-Land : Neubau der Verwaltung für 10 Millionen Euro im Gespräch

Steht das Rathaus der Verbandsgemeinde Wittlich-Land bald zum Verkauf? Neben der Sanierung und Erweiterung des Verwaltungsgebäudes in Wittlich hat der VG-Rat nun eine weitere Option diskutiert, um den Platzmangel im Rathaus zu beseitigen.

So eng wie in der Sardinendose stellt man sich die Raumverhältnisse im Rathaus der Verbandsgemeinde Wittlich-Land vor, wenn man Bürgermeister Dennis Junks’ Schilderungen glauben darf. „Wenn bis zu vier Mitarbeiter  in einem kleinen Büro arbeiten müssen“, sagte der Bürgermeister am Donnerstagabend auf der Sitzung des Verbandsgemeinderates in der Mehrzweckhalle in Niersbach, „sind die Platzverhältnisse irgendwann nicht mehr zumutbar.“

Seit der Fusion der beiden Verbandsgemeinden Alt-Manderscheid und Wittlich-Land und dem daraus resultierenden Verkauf des Manderscheider Rathauses wird es im Rathaus in Wittlich voller und voller. Denn die Verbandsgemeinde wächst stetig und damit auch der Stellenplan. Für ihre 30 500 Einwohner darf die Verwaltung mittlerweile 80 Mitarbeiter beschäftigen.

Deshalb scheint das Verwaltungsgebäude in der Kurfürstenstraße  aus allen Nähten zu platzen (der TV berichtete).

Doch neben Plänen zur Erweiterung durch einen zweiten Anbau an das denkmalgeschützte Rathausgebäude präsentierte Junk den Ratsmitgliedern nun noch eine weitere Option: Den Verkauf des Rathauses in der Kurfürstenstraße und ein kompletter Neubau an anderer Stelle. „Möglicherweise wäre für einen Neubau Grund- und Boden zu kaufen.“ Aber bei dieser Variante könne man den Verkauf des alten Gebäudes gegenrechnen, sagte Junk.

Wie viel bekäme die VG denn für das alte Rathaus mit Anbau in der Kurfürstenstraße? Junk sagte, er bezweifele, dass die Gebäude bei dem aktuellen Sanierungsstau weit mehr als zwei Millionen Euro wert seien.

Die Baukosten für einen möglichen Neubau taxiert die Verwaltung auf knapp 10 Millionen Euro – zuzüglich Kosten für Bauland. Von den Baukosten abgezogen werden  allerdings eine erwartbare Verkaufssumme für die Gebäude in der Kurfürstenstraße sowie eine Fördersumme des Landes. Junk: „Die zunächst hohe Summe sieht bei einem Verkauf des Bestandes und den langfristigen Betriebskosten eines Neubaus anders aus.“ Zudem sei die Frage zu klären, wo man in der Oberstadt noch Parkplätze ablösen könne, wenn man dort ein weiteres Verwaltungsgebäude anbaue.

Ob nun ein Neubau oder eine Erweiterung: alle Varianten beruhen auf einer Machbarkeitsstudie, welche die Verwaltung von unabhängigen Gutachtern fertigen ließ.  Im Ergebnis stellen die Autoren der Machbarkeitsstudie fest, dass eine Erweiterung an das Bestandsgebäude favorisiert werden sollte. Die in diesem Zusammenhang für die Sanierung des Bestandsgebäudes und die Errichtung des Erweiterungsbaus kalkulierten Kosten werden mit  7,2 Millionen Euro beziffert. Für einen Anbau werden gleich drei verschiedene Varianten diskutiert, die sich im Hinblick auf Lage, Größe und Kosten unterscheiden.

Ein möglicher Neubau sorgte im Rat jedoch für den größten Diskussionsbedarf: „Man sollte herausfinden, was der Betrieb eines Neubaus für die nächsten 50 bis 70 Jahre kostet und das mal gegenrechnen“, schlug FWG-Mitglied Manfred Hower vor.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Angelika Brost erklärte, sie wolle zunächst mal einen Haushaltsplan für dieses Riesenprojekt sehen. „Ihr wisst ja, dass wir daneben noch andere Projekte zu stemmen haben.“

Eugen Schneider (Grüne) sagte, man solle bloß genug Zeit und Geld in die Planung investieren, „dadurch kann man letztlich am meisten Kosten sparen“.
Manuel Follmann, CDU-Ratsmitglied sprach sich dafür aus, das Land in die Pflicht zu nehmen, um den höchstmöglichen Fördersatz zu bekommen: „Zuerst werden wir zwangsfusioniert und dann sollen wir die Zeche dafür zahlen? Das kann nicht sein. Wir müssen eine Landesförderung von 60 Prozent bekommen. Dafür müssen wir an einem Strang ziehen.“
Brigitte Hoffmann kam dagegen auf mögliche Kooperationen zwischen Stadt und Verbandsgemeinde zu sprechen. Bei den Bürgerdiensten seien mehr Kooperationen möglich, meinte Hoffmann, um so Personal  und Raumbedarf zu sparen.

Entscheidungen traf der Rat auf seiner Sitzung in Niersbach jedoch noch nicht. Junk: „Wir müssen uns zunächst mal alle Fakten erarbeiten und zusammentragen. Deshalb steht noch offen, ob wir in diesem Jahr überhaupt Beschlüsse fassen.“ Denn eigentlich ist jetzt keine Eile mehr geboten: Die VG-Verwaltung hat in der Wittlicher Innenstadt 450 Quadratmeter Bürofläche angemietet, um die Platznot zu entschärfen. Der Mietvertrag laufe bis 2024. Somit bleibt also noch etwas Zeit, um eine langfristige Lösung zu finden.

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