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neue App: Migranten können Fragen, auch in ihrer Muttersprache stellen

Lebenshilfe : Neue App ist eine große Hilfe in der neuen Heimat

Fragen in ihrer Muttersprache stellen, Dokumente hochladen und sich informieren: Das können Migranten neuerdings auch mit einer App fürs Handy. Andalos Butterbach vom Migrationsfachdienst des Kreises und des Roten Kreuzes hat sie vorgestellt.

Wenn man als Fremder nach Deutschland kommt, hat man  viele Fragen und weiß erst einmal nicht, wo und wie man sich informieren kann. Die meisten haben aber ein Handy – oft das Einzige, was ihnen aus der Heimat geblieben ist. Andalos Butterbach, vom Migrationsfachdienst im Kreis und des Deutschen Roten Kreuzes, erklärt: „Das Handy hat für viele einen besonderen Stellenwert, denn damit können sie den Kontakt zu ihren Familien in ihren Herkunftsländern halten oder die deutsche Sprache lernen.“

Eine neue App für Handys mit dem Namen mbeon – was für Migrationsberatung für Erwachsene Online steht – will Migranten helfen, Informationen zeitnah zu bekommen, die wichtig sind und in ihren Muttersprachen, wenn sie noch nicht ausreichend Deutsch können. Die App gibt es seit 2018 bundesweit. 150 Onlineberater, die 15 verschiedene Sprachen sprechen, geben auf Fragen innerhalb von 48 Stunden Antworten. Einer davon ist Andalos Butterbach. Seit Januar 2020 ist der Migrationsfachberater, der in Syrien geboren und  in Frankreich aufgewachsen ist, und seit 2010 in Deutschland lebt, auch auf diesem Weg erreichbar. Mehr als 100 Auskünfte hat er schon über mbeon gegeben. Er berichtet von seinen Erfahrungen: „In sozialen Netzwerken versuchen Migranten sich zu informieren, aber oft bekommen sie dort keine Antworten auf ihre Fragen, sie sind nicht korrekt oder sie verstehen sie nicht.“ Weiter sagt er: „In den sozialen Medien werden oft oberflächliche oder irreführende Informationen gegeben, beispielsweise hat mir ein Migrant vor Kurzem erzählt, er haben in Facebook gelesen, dass man in Deutschland den Führerschein bezahlt bekomme. Das stimmt aber nicht.“

Einen großen Vorteil sieht er darin, dass die Beratung in der Muttersprache erfolgen kann, dass auch Menschen aus ländlichen Regionen nachfragen können und Themen wie Erziehung oder Krankheiten angesprochen werden, ohne dass sie gleich in die Sprechstunde nach Wittlich, Bernkastel-Kues oder Traben-Trarbach kommen müssen. „Eine Busfahrkarte kostet für diese Menschen viel Geld und so können sie einfach übers Handy Dinge nachfragen.“

Inan Hammuod, die zwei Kinder hat, nutzt die App bereits und ist davon überzeugt. „Das ist für mich sehr wichtig. Ich wollte die Kinder beispielsweise zu einem Schwimmkurs anmelden und wusste nicht, wo und welche Unterlagen gebraucht werden. Für diese Informationen nach Wittlich zu fahren, wäre für mich sehr umständlich gewesen.“ Auch für Yazan Douba ist die App eine Hilfe. „Herr Butterbach hat mir bei meinem Praktikumsplatz geholfen und mir die Bestätigung per App geschickt. So konnte ich das Dokument in der Schule zeigen und die Lehrer wussten, dass es funktioniert.“

Viele Jugendliche können auch ihren Eltern helfen, wenn sie Post von Behörden bekommen und nicht so ganz verstehen, was darin steht. „Ich fotografiere das dann ab und wir bekommen erklärt, was das ist und was wir tun müssen. Für uns ist das beruhigend, weil wir wissen, dass die Antworten korrekt sind“, sagt Mahmoud Elmalhem.

Migranten und Ehrenamtliche waren beim Informationsabend zu der App. Die Ehrenamtlichen können mit der App den Personen, die sie betreuen, weiterhelfen und Hilfe zur Selbsthilfe geben.