Neue Bestimmung für die alte Mühle in Irmenach

Historische Bauten : Jugendclub, Café oder „Workspace“

Die Irmenacher wollen ihre alte Dorfmühle zu einem neuen Dorfmittelpunkt umgestalten. Dabei bringen sich die Bürger aktiv mit ihren Ideen ein.

Aktiv werden gegen den Verfall: Die Irmenacher wollen ihrer alten Dorfmühle neues Leben einhauchen. Dafür sammeln die Bürger im Arbeitskreis Dorfentwicklung derzeit Ideen und Konzepte, mit der sie die mehrstöckige Mühle zu einem neuen Dorfzentrum entwickeln wollen: „Möglich wäre ein kleines Café, das ein Bäcker ein paar Tage die Woche betreiben könnte. Aber auch ein Jugendclub oder ein Raum für Wanderausstellungen wäre denkbar“, sagt Ortsbürgermeister Martin Kirst zusammen mit dem Gemeinderatsmitglied Ingo Noack.

Die Mühle wurde, das weiß der Irmenacher Heimatforscher Hans Schneiß, Ende der 1920er Jahre erbaut, wenige Jahre nachdem Irmenach mit elektrischem Strom versorgt wurde. Deshalb war sie nicht wie die meisten Mühlen in der Region auf einen Bachlauf angewiesen, um mahlen zu können. Bis in die 1960er Jahre wurde die Mühle betrieben. Seitdem steht sie jedoch leer, obwohl die Gebäudestatik noch vollkommen in Ordnung sei.

Das Projekt kam in Gang, weil der Gemeinderat einigen Veränderungen in den nächsten Jahren entgegensieht: „Die neue B 50 wird die Region verändern, keine Frage. Das Leben auf dem Land mit seiner Natur wird immer begehrter. Und wenn die Anbindung erst einmal stimmt, dann werden Dörfer als Wohnort immer gefragter“, glaubt Noack.

Das alte Mühleninventar ist zum größten Teil noch gut erhalten. Ehe es jedoch wieder funktionstüchtig sein wird, muss es saniert werden. Foto: TV/Hendrik Christ

Deshalb müsse man das Gemeindeleben aktiv fördern und mit Räumlichkeiten unterstützen. „Denkbar wäre es auch, einfach Raum zum Arbeiten am Rechner zu schaffen. Neudeutsch würde man es ‚Workspace’ nennen. Die Mühle könnte zudem dann auch für kleinere Veranstaltungen genutzt werden: unten Catering und oben Lesung“, zeichnet Kirst vor. Derzeit gebe es noch keine konkrete Planung, aber eine Menge kreativer Ideen der Irmenacher.

Zwar müsse die Innenkonstruktion so verändert werden, dass man sich in den Räumen mit seinen Giebeln besser bewegen könne. Hauptsache sei jedoch, dass das alte Mahlwerk und das Mühleninventar erhalten bleiben, sodass sich diese in die neue Bestimmung der Mühle einfügen können.

Unzufrieden ist Bürgermeister Kirst hingegen mit der politischen Unterstützung: „Einerseits werden wir durch die enormen rechtlichen Auflagen in unserem Tun ausgebremst. Und andererseits werden Kommunen schnell mal allein gelassen, wenn es um das Aufbringen der Mittel geht.“ Es gebe immer ein Problem, an Fördermittel und Geld zu kommen. „Das ist besonders schade, wenn es sich um ein Graswurzelprojekt wie unseres handelt, bei dem sich die Bürger aktiv einbringen und in ihrer Freizeit mitgestalten möchten.“ Schließlich müsse man die Potenziale in der Gemeinde fördern, soweit es gehe, hält der Ortsbürgermeister weiter fest. Kirst hält Kosten von bis zu einer halben Million Euro für notwendig, um das Projekt zu ermöglichen. Anklang fand das Vorhaben bereits bei der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Hunsrück, die Pilotprojekte in der Region fördert. „Wir sind zuversichtlich, dass wir in der LAG einen Projektpartner finden können“, so Noack.

Das alte Mühleninventar ist zum größten Teil noch gut erhalten. Ehe es jedoch wieder funktionstüchtig sein wird, muss es saniert werden. Foto: TV/Hendrik Christ

Das 700-Einwohner-Dorf Irmenach verfüge über ein lebendiges Gemeindeleben, unterstreicht der Bürgermeister.

Bürgermeister Kirst ist sehr froh darüber, dass die Irmenacher Bürger so aktiv das  Projekt mitgestalten wollen. Foto: TV/Hendrik Christ

Neben Musik-, Förder- und Sportverein gebe es auch den Kreis der Irmenacher Männer. Dieser sei ursprünglich, so Noack, vor allem zur Weiterbildung auf gemeinsamen Bildungsfahrten gegründet worden. Mittlerweile sei der lockere Kreis fester Bestandteil der Gemeinde. Die Männer treffen sich wöchentlich.

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