Neue Bürgerinitiative will "Windkraft mit Weitblick"
Thalfang · Die neu gegründete Bürgerinitiative (BI) "Windkraft mit Weitblick" will Bürger und Entscheidungsträger über Nachteile der Windkraft aufklären. Bisher stehen nach Meinung der BI-Mitglieder zu sehr die finanziellen Aspekte im Vordergrund. Die Veränderung der Landschaft und die Lebensqualität der Einwohner würden zu wenig berücksichtigt.
Thalfang. "Windkraft mit Weitblick": Diesen Namen hat sich die Bürgerinitiative (BI) gegeben, die sich vor einigen Wochen in Talling gebildet hat. "Unser Ziel ist, einen Kompromiss zwischen der Erhaltung der Landschaft und der Nutzung der Windenergie zu finden", sagt Wolfgang Marx von der BI. "Wir haben ein Informations- und Wissensdefizit bei Bürgern und Entscheidungsträgern festgestellt." Deshalb will die BI, die bisher 22 Mitglieder zählt, eine Diskussion entwickeln und aufklären, was in Talling passieren könnte. Dort könnten künftig bis zu 72 Windräder entstehen, fürchtet die BI (der TV berichtete).
Bisher stünden die finanzielle Komponente und damit die Gewinne für die Gemeinden im Vordergrund. Auf der einen Seite stehe das Geld für die Kommunen, dem gegenüber die visuelle Verspargelung. "Was unsere Landschaft angeht, ist das ein hoher Preis, den wir bezahlen", sagt Marx.
Zudem glaubt er, dass aufgrund von Windrädern keine Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Diese würden stattdessen durch Gas- und Kohlekraftwerke ersetzt. Eine Forderung der Bürgerinitiative: Der Abstand von den Windrädern zu Ortschaften soll mindestens 1000 Meter betragen. Dadurch würde sich die Anzahl der möglichen Windräder bereits reduzieren. "Bisher gibt es keine Vorgabe. Die Kommunen rechnen mit 800 Metern Abstand, einzelne sogar mit 750 Metern", sagt Marx. Dazu fordert er bezüglich der Windräder ein Gesamtkonzept für die Verbandsgemeinde (VG) Thalfang.
Um über die befürchteten Nachteile aufzuklären, hat die BI in den vergangenen Wochen mit den im Gemeinderat vertretenen Fraktionen der SPD, CDU und FDP gesprochen. Zudem haben die Mitglieder der BI die Ortsbürgermeister und die Mitglieder der Gemeinderäte in der VG zu einem Infoabend eingeladen, zu dem 30 Interessierte erschienen sind, darunter zwei Ortsbürgermeister. Das ist eine Zahl, mit der Marx nicht zufrieden ist. "Die Gemeinden sprechen mit den Windkraftbetreibern, mit kritischen Institutionen weniger", sagt Marx.
Gabriele Schleimer, Ortsbürgermeisterin von Büdlich, hat bei dem Infoabend nichts Neues erfahren, sagt sie. Bisher steht ein Windrad auf Büdlicher Gemarkung, ein zweites ist geplant. Die Sinnhaftigkeit der Windenergie werde verbessert, da Speichermöglichkeiten entwickelt werden. Zudem könne die Gemeinde mit dem Geld aus den Windpachteinnahmen etwas für die Bürger machen. "Wir haben es dann selber in der Hand, Dinge in unserem Dorf voranzutreiben."
Ihr Bürgermeisterkollege Harald Prümm aus Schönberg hat bei dem Infoabend Zahlen gesehen, die ihm bisher unbekannt waren, die er aber auch noch nicht nachgeprüft hat. Mit dem Windkraftbetreiber Abowind sei bisher ein Vertrag für ein Windrad abgeschlossen worden. "Bisher waren wir gegen Windkraft, jetzt haben andere Gemeinden Windräder aufgestellt, und wir schauen drauf", sagt er.
Detlef Jochem, Vorsitzender der SPD-Fraktion im VG-Rat Thalfang und Ortsbürgermeister von Dhronecken, war bei dem Gespräch seiner Fraktion mit der BI dabei. Was die BI vorbringt, werde bei der Entscheidung über den neuen Flächennutzungsplan berücksichtigt, sagt er. "Die BI hat ihre Befürchtungen dargelegt, aber ob es so kommt, weiß ich nicht."
VG-Bürgermeister Marc Hüllenkremer pflichtet Jochem bei: "Die Windkraft ist vom Bund beschlossen, aber wie viele Anlagen kommen, steht derzeit noch nicht fest."