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Neue Chancen für behinderte Menschen

Neue Chancen für behinderte Menschen

Damit behinderte Menschen mehr als bisher am öffentlichen Leben teilnehmen können, hat der Kreistag eine Teilhabeplanung beschlossen. Mit dieser Planung gehört der Kreis in der Region zu den Vorreitern. Mit der morgigen Auftaktveranstaltung wagen sich die Organisatoren auf ganz neues Terrain.

Wittlich. Die morgige Auftaktveranstaltung zur Teilhabeplanung von Menschen mit Behinderung im Kreis wird vermutlich für die Organisatoren und auch die Teilnehmer eine ganz neue Erfahrung sein. "Diese Konferenz ist eine Sensation. Meines Wissens hat es so etwas noch nicht gegeben", sagt Thomas Schmitt-Schäfer vom Büro "transfer - Unternehmen für soziale Innovation" .

Das Besondere an der Konferenz ist, dass viele behinderte Menschen daran teilnehmen und an den Ergebnissen mitarbeiten werden. Das Unternehmen transfer hat vom Kreistag den Auftrag erhalten, die Teilhabeplanung für Menschen mit Behinderung im Landkreis aufzustellen und umzusetzen.

Zur Auftaktveranstaltung morgen im Wittlicher Jugendheim St. Bernhard haben sich rund 100 Menschen angemeldet. Zu ihnen gehören Betroffene aus den Beiräten für Wohnheime und Werkstätten für behinderte Menschen, Vertreter der Gremien, die sich mit der Versorgung behinderter Menschen befassen sowie Leiter und Eltern von Förderschulen und integrierten Kindergärten.

Zusammen werden sie in Arbeitskreisen der Frage nachgehen, wie Menschen mit Behinderung eine größtmögliche Teilhabe am öffentlichen Leben sowie Selbstbestimmung erreichen können.

Landrätin Beate Läsch-Weber wird die Auftaktveranstaltung eröffnen. Sie vertritt die Meinung, dass eine erfolgreiche Teilhabeplanung nur mit den betroffenen Menschen gelingen kann. Auch der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Ottmar Miles-Paul, ist eingeladen. Im Rahmen des Projekts sind weitere Workshops und eine Zukunftskonferenz geplant.

In der Region Trier ist der Landkreis Bernkastel-Wittlich, der erste, der eine Teilhabeplanung für Menschen mit Behinderung angeht. In Rheinland-Pfalz hat beispielsweise der Landkreis Ahrweiler 2005 bereits einen Teilhabeplan verabschiedet. Im Zentrum der Planung dort steht der Ausbau des Betreuten Wohnens, die Schaffung von behindertengerechten Arbeitsplätzen sowie integrative Angebote in Schulen und Kindertagesstätten. Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung sind im deutschen Recht im Sozialgesetzbuch von 2001 als Ziele formuliert. Das Landesgleichstellungsgesetz von 2003 fordert Barrierefreiheit und die Einrichtung von Beiräten für behinderte Menschen (im Kreis seit 2005). Anfang des Jahres ist eine Uno-Konvention in Kraft getreten, die die volle Einbeziehung Behinderter in die Gemeinschaft postuliert.

Wer sich für die Teilhabeplanung interessiert, kann sich wenden an transfer, Telefon 06571/1499771.

Meinung

Überaus begrüßenswert

Jeder zwölfte Mensch in Deutschland gilt im Sinne der Sozialgesetzgebung als "schwer behindert". Doch wo sind diese Menschen? Man sieht sie kaum, weder in der Fußgängerzone beim Bummeln, noch im Schwimmbad. In Deutschland verbringen sie ihre Tage in Förderschulen und Fördertagesstätten, in eigens eingerichteten Werkstätten und Wohnheimen. Hinzu kommt, dass oft genug bauliche, sprachliche oder andere Barrieren die Teilnahme von behinderten Menschen am öffentlichen Leben verhindern. Doch diese Ausgrenzung widerspricht den rechtlichen Vorgaben. Und nicht nur das. Ausgrenzung kann sehr schmerzhaft sein. Darüber hinaus kann sie für Behinderte wie Nicht-Behinderte zu jeder Menge verpasster Chancen führen, denn beide Seiten können von der Welt des anderen lernen. Insofern ist die Initiative des Landkreises zur Teilhabeplanung überaus begrüßenswert. m.maier@volksfreund.de