Neue Einblicke in die Posthalterei

Vielfältig sind die Ausstellungsstücke, bunt gemischt das Publikum: Das enorme Interesse am Eröffnungsabend des Kunstforums in der Posthalterei galt auch dem erstmals zugänglichen Veranstaltungsort.

Ist ja interessant: Künstler und Stadtgeschichte kennenlernen kann man bis Sonntag in der Posthalterei. Der Eröffnungsabend zum Kunstforum war bereits sehr gut besucht. TV-Foto: Sonja Sünnen

Wittlich. Eine Wittlicherin geht nach Hause. Sie kommt aus der Posthalterei. "Wie es bloß hinter den Fenstern aussieht?" Das hat sie sich immer gefragt, wenn sie auf dem Marktplatz auf das stattliche "Freckmannhaus" geschaut hat. Jetzt weiß sie es. Sie hat mit ihrem Mann das Kunstforum besucht. Typische "Vernissagengäste" sind die beiden nicht. Ihr hat der Abend gefallen. Sie sagt: " Bevor das Haus in fremde Hände kommt, sollte Wittlich das kau fen."

Städtisches Leben der erfreulichen Art



Ex-Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs ist auch gekommen. Er kennt das Haus aus seiner Kindheit und sagt: "Ich bin dafür, dass es erhalten bleibt. Aber wenn die Stadt es kauft, dann nur mit einem Nutzungskonzept."

Die Nutzung der vielen Zimmer der ersten und zweiten Etage für die Kunstschau ist eine einmalige Sache. So oder so. Der Charme des Unfertigen und der wie vergessen und übriggebliebenen Spuren der Vergangenheit bieten den 16 Künstlern einen eigenwilligen, dennoch dezenten Rahmen für ihre Werke. Kunst sei nichts für Weihetempel oder geschlossene Gesellschaften. Sie öffne Räume für Diskussionen, und "In der Kunst begegnen wir den Menschen", hat Jurymitglied Eva-Maria Reuther zuvor in ihrer Rede gesagt. Genau das wird am ersten Abend erreicht. Die durchweg qualitätsvollen Arbeiten treffen auf ein bunt gemischtes Publikum. Die Atmosphäre ist erfreulich lebendig. "Sagenhaft! Das ist ja wie bei Großfürsten hier. So viel Platz für eine Familie", lacht eine Dame. Vor einem der alten Türstürze neigt Helmut Thewalt den Kopf. "Wer lang ist, hat hier schlechte Karten", hat zuvor eine Besucherin die ungewohnten Größenmaße kommentiert. Die Atmosphäre hat dem Wittlicher Fotograf ein kleines Déjà-vu-Erlebnis beschert: "Das Ganze erinnert mich an eine Fotoausstellung in Arles." Dort habe Dennis Hopper Fotos gezeigt, auch in einem alten Haus: "Der Putz kam von den Wänden." Helmut Thewalt hat dieses Bild nicht vergessen.

"Das Charakteristische ist, dass man das Alter noch erkennt, an Böden, Türen, Fenstern, Decken", sagt Dominik Burger. Dass allerdings der zentrale Eingang am Markt nur noch Fassade ist, bedauert er:

"Das minimiert das Ganze." Nicht nur dieses Zugangsproblem sieht derweil Bürgermeister Joachim Rodenkirch. "Es ist ein tolles Gebäude plus absolut zentrale Lage. Aber wenn man sieht, was investiert werden müsste!" Das ist den Besuchern des Kunstforums naturgemäß egal. Sie plaudern, trinken Sekt, erleben einen schönen Abend.

Ohne die künstlerischen Arbeiten gäbe es das nicht. Sie haben die verlassenen Räume verwandelt, städtischem Leben geöffnet. Das sehenswerte Kunstforum der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank ist bis Sonntag täglich 11 bis 18 Uhr geöffnet.