Neue Generation im Weinberg

BERNKASTEL-KUES/COCHEM. (jo/sim) Mit dem Weinbau an der Mosel geht es weiter bergauf. Durch die enorme Nachfrage nach Riesling hat sich der Trend, Rebflächen stillzulegen, extrem verlangsamt.

 Der Rieslingnachfrage sei Dank: Immer weniger Hektar Weinbergsfläche liegen brach. Foto: TV-Archiv/Friedemann Vetter

Der Rieslingnachfrage sei Dank: Immer weniger Hektar Weinbergsfläche liegen brach. Foto: TV-Archiv/Friedemann Vetter

An der Mosel werden immer weniger Weinbauflächen gerodet. Das stellt das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel in Bernkastel-Kues fest. "Die Antragsfrist auf Rodungen ging Ende Januar zu Ende. Dabei ist eine erfreuliche Tendenz für den Weinbau und den Erhalt der Kulturlandschaft Mosel zu erkennen", sagt Michael Hoffmann, der die Rodungsanträge im DLR in Bernkastel-Kues koordiniert.So wurden im vergangenen Jahr im Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer 80 Hektar Rebflächen stillgelegt. Vor fünf Jahren waren es noch 350 Hektar. Für 2007 gingen 80 Anträge ein, die sich nur noch auf 25 Hektar beziehen. Hoffmann be-

obachtet den Trend, dass der Handel mit Pflanzrechten sich inzwischen mehr lohnt als das Einstreichen der EU-Stilllegungsprämien. Im Klartext: Statt stillzulegen veräußert ein alter Winzer lieber die Pflanzrechte seines Weinbergs an einen jungen, aufstrebenden Nachbarn.

Zum Thema "Aufgabe von Weinbergen" sagt Hubertus Klein, Vorsitzender des Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich: "Das meiste ist gelaufen." Weil viele Flächen brach liegen, müsse man sich aber Gedanken machen, ob das derzeitige Lagenspektrum mit den vielen Bezeichnungen noch zeitgemäß sei. Dies gelte auch für die Großlagen. Ferner plädiert Klein an die älteren Winzer, sich stets weiterzubilden und die Kurse und Seminare des DLR zu nutzen. Ein besonderes Anliegen Kleins ist es, allen Moselanern bewusst zu machen, wie wertvoll der Wein und der Weinbau für die Region sind. Klein: "Das ist vor allem mit Blick auf den Tourismus wichtig."

"Der Trend zur Stilllegung ist vorbei. Es hat ein Generationswechsel in der Winzerschaft gegriffen", analysiert auch Rolf Haxel, Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbands Cochem-Zell. Auch gibt es laut Haxel derzeit rund 400 Weinbau-Lehrlinge in Rheinland-Pfalz, fast 90 davon an der Mosel.

"Wir können an der Berufsschule in Bernkastel eine zweite Klasse aufmachen", freut er sich.

Die wirtschaftliche Situation ist für viele Moselwinzer besser geworden, ist Ansgar Schmitz, Geschäftsführer von Mosel-Saar-Ruwer Wein, überzeugt. "Das war schon 2004/2005 absehbar. Es gab auch geringere Erntemengen bei hoher Qualität im Vergleich zu 1990, als die Situation noch ziemlich düster war", beschreibt er die Situation. "Die Preise sind hochgegangen." Er berichtet von Winzern, bei denen der 2005er schon ausverkauft ist. Es gab zwar eine "harte Marktbereinigung, aber die Perspektiven für unsere Winzer sind wieder viel besser geworden."

"Wir haben einen deutlichen Trend zur Wiederanpflanzung und eine klare Nachfrage nach flachen Pflanzrechten auf Lagen mit weniger als 30 Prozent Steigung", hat Andreas Lehnen vom Weinbauamt Wittlich beobachtet. "Ziel ist es allerorts, Riesling anzubauen." Auch er schreibt das den kleinen Erntemengen, etwa des 2006er-Jahrgangs, bei hoher Qualität zu. Im Jahr 2006 gab es im gesamten Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer 8878 Hektar bestockter Rebfläche. "Das sind zwar immer noch 100 Hektar weniger als 2005, aber der Trend zur Stilllegung hat sich extrem verlangsamt."

Unterm Strich könnte er 2007 zum Stillstand kommen oder sich gar so umkehren, dass es wieder mehr bewirtschaftete Weinbauflächen an der Mosel gibt.