Neue Gründer braucht das Land

WITTLICH. Rechnet sich die Geschäftsidee? Wie viel Geld brauche ich und wo bekomme ich es her? Welche Rechtsform kommt überhaupt in Frage? Wer sich selbstständig machen will, hat oftmals viele Fragen im Gepäck. Die passenden Antworten gab es in Wittlich. Dort fand am Samstag ein Gründungstag statt.

"Er hat mir die Angst vor den Steuern genommen und mir erklärt, worauf ich achten muss", sagt Oleg Kromm. Der 25-jährige Mann aus Wittlich hat sich gerade am Stand des Steuerberaterverbandes informiert. Kromm ist zurzeit arbeitslos und spielt mit dem Gedanken, sich als Spediteur selbstständig zu machen. "Ein paar Bekannte von mir haben vor Jahren Speditionen gegründet, und bei denen läuft es sehr gut", antwortet er auf die Frage nach dem Warum und ergänzt: "Ich hab schon während meiner Lehrzeit davon geträumt, mich eines Tages selbstständig zu machen." Wann es losgehen soll, darüber ist sich der junge Wittlicher noch nicht ganz im Klaren. "Spätestens in zwei Jahren", sagt er. Aber bevor es so weit ist, nutzt er die Gelegenheit, sich beim Gründungstag im Atrium des Cusanus-Gymnasiums umfassend zu informieren. 21 Institutionen haben ihre Stände aufgebaut

Insgesamt 21 Institutionen haben dort ihre Stände aufgebaut, um potenzielle Unternehmensgründer oder solche, die es schon sind, zu informieren und zu beraten. Mit dabei sind unter anderem die IHK, die HWK, das Finanzamt Bernkastel-Wittlich oder auch der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Ebenfalls mit von der Partie die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Daun-Vulkaneifel als Veranstalter der Messe. Als Nächstes will Oleg Kromm sich am Stand der KfW-Mittelstandsbank über Finanzierungsmöglichkeiten informieren: "Ich hab allergrößten Respekt vor den Krediten, die ich aufnehmen muss." Solche Sorgen muss sich Uwe Kaufmann aus Kinheim nicht machen. Der 36-Jährige hat sich im Januar dieses Jahres als Büroplaner im Heimatort selbstständig gemacht. "Alles, was ich dazu brauchte, war ein Büro, ein PC und ein Telefon." Und das alles hatte er schon, denn der Geschäftsraum seines Ein-Mann-Betriebes befindet sich im Wohnhaus. Kaufmann berät Unternehmen bei der Frage, wie sie ihre Büros so einrichten, dass die Abläufe optimiert werden. Die gleiche Arbeit hat er zuvor für die Debitel AG mit Sitz in Stuttgart gemacht. Dort war er zehn Jahre beschäftigt. "Ich wollte zurück in meine Heimat an die Mosel, und von dort aus kann ich meine Arbeit sehr gut erledigen", sagt Kaufmann. Kleiner Wermutstropfen: "Ich muss weiter fahren, wenn ich zu meinen Kunden will", denn die sind im Rhein-Main-Gebiet, im Raum Köln-Bonn, Trier und Luxemburg zuhause. Aber das ist für Kaufmann kein wirkliches Manko. "Viel mehr ärgert mich die Tatsache, dass die Telekom mir kein DSL zur Verfügung stellen kann." Den Schritt in die Selbstständigkeit hat er aber noch nicht bereut. Ganz im Gegenteil. Die Geschäfte laufen gut, da Kaufmann auf das Netzwerk zurückgreifen kann, dass er sich bei seinem früheren Arbeitgeber geschaffen hat. Vieles läuft über persönliche Kontakte

Nur mit der Kundenakquise in der Region klappt es noch nicht so. "Hier läuft alles über persönliche Kontakte, und die habe ich nicht mehr, weil ich zu lange weg war. Mit einer Anzeige in der Zeitung ist es da nicht getan." Und das ist auch der Grund, warum Uwe Kaufmann nach Wittlich gekommen ist. "Ich will andere Gründer kennen lernen, um mir hier ein Netzwerk aufzubauen. Außerdem erhoffe ich mir Know-how, um meine Dienstleistung besser verkaufen zu können." Fündig geworden ist er an den Ständen der Sparkasse und der Raiffeisenbank. Hier gibt es entsprechende Broschüren. Als Nächstes geht er zum Stand der Unternehmensberater. Oleg Kromm hat mittlerweile auch sein Bankengespräch hinter sich. Jetzt geht er nach Hause und will sich alles durch den Kopf gehen lassen.

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