Neue Heimat auf Wiesen und Weiden

20 verkaufte Grundstücke im Wohngebiet mit 30 Baustellen und drei Investoren, die ihr Geld in etwa ein Viertel des künftigen Mehrgenerationendorfs mit insgesamt 210 Wohnungen angelegt haben. Das ist die Bilanz vor dem gestrigen offiziellen Spatenstich zum zweiten Bauabschnitt auf dem St.-Paul-Gelände zwischen Wengerohr und Wittlich.

Wittlich. Der Herr im Rollstuhl lebt in der Seniorenresidenz. Bei seinem Ausflug hat er was zu gucken: 70 Herren und Damen, unter ersteren viele Anzugträger sind unterwegs und blicken über Wiesen und Weiden Richtung Dunlop-Turm, Autobahn, Neuerburger Kopf und Bombogener Kirchturmspitze. Dorthin zeigt Architekt Georg Lambert: "Wo die Wiese am Zaun aufhört, ist das Gebiet zu Ende. Und die Pappel ist die Grenze zwischen Baugebiet A und B." Die Gruppe, die bei schönstem Sonnenschein in die Landschaft schaut, hat vorher einen Plan gesehen, der ihrer Vorstellungskraft auf die Beine hilft. Denn wo Gras wächst, soll gebaut werden: ein Wohngebiet mit 22 000 Quadratmetern vermarktbarer Fläche. Das sind 30 Grundstücke, von denen 20 verkauft sind. Hinzu kommt das Mehrgenerationendorf, das einmal 400 Menschen zählen und 26 000 Quadratmeter unfassen soll. Von dieser Fläche haben laut Torsten Manikowski von der Grundstücksentwicklungsgesellschaft St. Paul drei Investoren etwa ein Viertel gekauft. Von einem Mischgebiet ist mit drei Grundstücken etwa ein Fünftel vergeben, hinzu kommt ein Gelände, das den Titel Gesundheitspark trägt, der 33 000 Quadratmeter groß werden soll. "Wenn alles realisiert wird, inklusive Gesundheitspark, sprechen wir über eine Investitionssumme von weit über 100 Millionen Euro", sagt Manikowski.
Als vier Männer und zwei Damen, umrahmt von zwei Baggern zum symbolischen Spatenstich ansetzen, meint der Mann im Rollstuhl: "Zuerst mal wird das hier ein Dörfchen. Das finde ich einwandfrei." Dahin will auch eine Oberkailerin ziehen. Sie interessiert sich für eine Wohnung im Mehrgenerationendorf: "Weil das hier so ländlich ist." Dass bei den Gästen des Spatenstichs keineswegs mehrere Generationen dabei sind, sondern eher sogenannte "best Agers", verwundert sie nicht. Ganz junge Leute? Nein, die würden sich eher nicht für das Vorhaben interessieren, das gerade Staatssekretär David Langner "beispielgebendes Projekt" nennt, auch wenn das Land "keinen finanziellen Beitrag" habe "leisten können". Das machen jetzt die Investoren: Laut Norbert Schmitz, Sparkasse, liegen die Grundstückspreise im Wohngebiet zwischen 142 und 150 Euro je Quadratmeter und im Mehrgenerationendorf bei 130 bis 150 Euro. sos