Neue Ideen für mehr Besucher

Das Wildfreigehege an der Wildenburg steckt tief in den roten Zahlen. Zuschüsse des Hunsrückvereins erhalten den Gehegebetrieb am Leben - 100 000 Euro von 1997 bis 2006. Ein strikter Sparkurs und neue Wege in der Vermarktung sollen verhindern, dass das Wildfreigehege Insolvenz anmelden muss.

Kempfeld. Weihnachtsmarkt und Krippenspiel in den Tagen vor Heiligabend haben zwar Geld in die Kasse des Geheges gespült, seit vorigem Jahr gehen Mitarbeiter auch auf Märkte in der Region, um Wildbret zu verkaufen. "Aber irgendwann sind die Kräfte aufgebraucht", sagt Klaus Görg, Geschäftsführer des Hunsrückvereins. Immerhin, der Einsatz hat sich gelohnt: Das Minus im Haushalt des Hunsrückvereins ist deutlich zusammengeschmolzen, statt der erwarteten 9850 lag das Defizit nur noch bei 1200 Euro. Ein Plus von 5000 Gästen brachte dem Wildfreigehege 15 000 Euro zusätzlich ein. Vor allem der heiße April mit 2000 Besuchern mehr als 2006 brachte einen warmen Geldregen.

Für 2008 dagegen sieht es wieder trüber aus, November und Dezember seien "sehr schlecht gelaufen", klagt Gisbert Geisler. Der pensionierte Revierleiter leitet das Gehege ehrenamtlich.

Die Misere begann im Jahr 2000. Die Besucherzahlen knickten deutlich ein - von rund 40 800 zur Jahrtausendwende auf 21 515 im Jahr 2006. Im Jahr darauf kamen immerhin wieder 25 000 Gäste. Vor allem macht den Verantwortlichen ein weiterer Wildpark zu schaffen, der 1999 im Saarland eröffnete.

Die ehrenamtliche Mitarbeiterin Regina Müller bestätigt: "In den 90er Jahren kam jeder dritte Besucher aus dem Saarland. Die fehlen uns jetzt."

Alle Gehege müssen erneuert werden



Auf der anderen Seite sind die Ausgaben für Wildfütterung, Heizöl und Diesel stark gestiegen. Dazu kommt ein enormer Investitionsstau: Ein großer Teil der Infrastruktur stammt noch aus dem Gründungsjahr 1966. Schutzhütten, Wege, Zäune, Unterkünfte - wir haben überall einen sehr starken Investitionsbedarf", sagt Geisler. "Alle Gehege müssen Schritt für Schritt erneuert werden." Hilfe könnten Einsparungen in den Personalkosten bringen. Im November 2009 geht einer der beiden fest angestellten Mitarbeiter in Rente, sein Posten soll nicht wieder besetzt werden. Ein Teil des auf diese Weise eingesparten Geldes soll für die Fütterung, ein weiterer für den Schuldenabbau eingesetzt werden. "Und dann können wir in bescheidenem Maß an die Sanierung herangehen", informiert Geisler. "Für grundlegende Investitionen reicht es zwar nicht; aber so verhindern wir, dass wir in den Konkurs hineintreiben." Denn Gerd Danco, der Vorsitzende des Hunsrückvereins, hatte schon im Sommer angekündigt, dass der Geldhahn des Vereins nicht ewig geöffnet bleiben könne.

Mit neuen Vermarktungsstrategien hat das Wildfreigehege bereits 2006 begonnen: Schul- und Kindergartenklassen kommen zu Wildfütterungen. "Das wird sehr gut angenommen."

"Ein paar schöne Überraschungen im Jahr 2009" kündigt Andreas Schäfer, im Bereich der Unteren Naturschutzbehörde tätiger Mitarbeiter der Kreisverwaltung, mit Blick auf die in die Krise geratene Freizeitanlage Wildenburg bei Kempfeld an. Der Hunsrückverein hatte über die Verbandsgemeindeverwaltung Herrstein bei der Kreisverwaltung anfragen lassen, ob Schäfer Ideen und Ansätze entwickeln könne.

Landrat Axel Redmer gab "grünes Licht". Jüngst präsentiert wurde ein Arbeitspapier, das Schäfer konzipiert hatte: Unter anderem sieht die Planung vor, auf der Wildenburg ein "Wildkatzen-Zentrum" einzurichten: "Das bietet sich an. Die nötige Infrastruktur besteht bereits. Das Gehege müsste lediglich auf die geänderten Bedürfnisse der Besucher angepasst werden. So könnte man sicher Gäste anlocken. Wir sind hier bekanntlich ein bedeutender Kernlebensraum für Wildkatzen. Ein solches Zentrum wäre einzigartig in Rheinland-Pfalz."

Ähnliche Projekte gibt es zurzeit in Thüringen und im Bayerischen Wald. Untersuchungen an Tieren, die dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen sind, haben ergeben, dass es im Hoch- und Idarwald noch reinrassige Vorkommen gibt und diese Katzen genetisch mit anderen Populationen in Südwestdeutschland (Eifel und Pfälzer Wald), Nordostfrankreich, Luxemburg und Südostbelgien verbunden sind. Somit gehören die Wildkatzen der Region zu der größten in Mitteleuropa vorkommenden Wildkatzenpopulation.

Schäfers zweiter Ansatz: eine Art Erlebnisbauernhof, auf dem alte landwirtschaftliche Geräte zu sehen sind. Zurzeit befinde man sich noch im Abstimmungsprozess.