Neue Kurven und ein breites Ufer

MANDERSCHEID. Ausgetrocknete Auenbereiche, fehlender Uferbewuchs, Schäden durch Viehtritte und teilweise ein mehrere Meter breit ausgeschwemmtes Bachbett. So präsentiert sich der Dörrbach auf seiner Gesamtlänge von rund vier Kilometern. Schuld daran sind vor allem die Flurbereinigungen der 60er- und 70er-Jahre. Diese Fehler werden jetzt für viel Geld beseitigt.

Ursprünglich sollte der Dörrbach nur in seinem Oberlauf renaturiert werden - als Ausgleich für die Erweiterung der Airbase Spangdahlem. Dann hatte die "Struktur und Genehmigungsdirektion Nord", kurz SGD, die Idee, den kompletten Bachlauf zu sanieren, mit finanzieller Unterstützung vom Mainzer Umweltministerium. Dort wurde vor zehn Jahren die "Aktion Blau" ins Leben gerufen, die die Renaturierung von Bächen mit Zuschüssen finanziert. Im Fall des Dörrbachs kostet das geschätzte 400 000 Euro. "Rund 250 000 Euro davon finanziert das Ministerium, den Differenzbetrag zahlt das amerikanische Militär als Ausgleich für die Erweiterung der Airbase. Auf die VG Manderscheid kommen keine Kosten zu", sagt Günther Weins, Leiter der Bauabteilung der Verbandsgemeinde. Mit dem Geld werden vor allem die Begradigungen und Befestigungen rückgängig gemacht: Der Bachlauf erhält wieder Kurven, und früher verlegte Betonschalen werden entfernt. Auf seiner gesamten Länge erhält der Dörrbach jeweils rechts und links einen mindestens fünf Meter breiten Streifen in dem eine natürliche Auelandschaft entstehen kann. Hier finden Tiere und Pflanzen wieder einen Lebensraum. "Am Ufer setzen wir typische Gehölze wie Erlen und Weiden", sagt Udo Reihsner vom Ingenieurbüro Max & Reihsner, das die Planung und die Bauleitung übernommen hat. "Standortfremde Bäume wie Fichten, die von Natur aus nie am Bachrand stehen würden, werden entfernt", erläutert Michael Schäfer von der SGD Nord. Er ist begeistert: "Die VG Manderscheid ist innerhalb des alten Regierungsbezirks Trier Vorreiter bei der Renaturierung von Bächen." Zusammen mit der Aktion entsteht in der Nähe des unterirdischen Regenüberlaufbeckens bei Großlittgen ein zweites Erdbecken. Der Hintergrund: Nach einem Regenschauer fließt überschüssiges Wasser des bestehenden Beckens in den Bach. Bis zu 3,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde schießen dann in den Dörrbach und spülen sein Bett in der Tiefe und in der Breite aus. Das teilweise nur wenige Zentimeter große Bächlein wurde so oft bis zu zwei Meter tief ausgeschwemmt. Das verhindert in Zukunft ein so genanntes Erdbecken, in das das Wasser vom Überlaufbecken läuft, bevor es in den Bach fließt. Das ganze kostet noch mal 60 000 Euro, und wird mit 36 000 Euro bezuschusst. Den Rest zahlen die VG-Werke. "Diese Maßnahme muss gemacht werden, sonst ist die andere Arbeit umsonst", sagt Michael Schäfer. Den Verantwortlichen, die die Fehler früher einmal gemacht haben, macht er keine Vorwürfe: "Viele Flüsse wurden begradigt, weil die Landwirtschaft die Flächen brauchte, man kannte nicht die Folgen." Ende September ging es mit den Arbeiten los, bis Mitte November soll alles fertig sein. Den Verbandsbürgermeister Schmitz wird es freuen, dass der Dörrbach für die VG-Kasse so günstig renaturiert wird, denn die Ausschwemmungen waren teilweise schon so weit fortgeschritten, dass notwendige Arbeiten allein aus Sicherheitsgründen bald angefallen wären.