Neue Organisation zur Holzverwertung startet in Morbach

Wald : Neustart in schwierigen Zeiten

Die Organisation zur Holzverwertung in Rheinland-Pfalz mit Sitz in Morbach hat ihre Arbeit aufgenommen. Sie vermarktet das Holz aus Wäldern von 263 Ortsgemeinden.

Ihr Geschäft ist das Holz: Relativ unbemerkt von der Bevölkerung hat am 1. April 2019 in Morbach die neue Holzverwertungsorganisation (HVO) Rheinland-Pfalz-Südwest GmbH ihre Arbeit aufgenommen. Die Aufgabe des siebenköpfigen Teams rund um Geschäftsführer Joachim Graeff ist es, das Holz aus 15 Verbandsgemeinden, Gemeinden und Städten zu möglichst guten Preisen zu vermarkten. Zuvor hatte das Landesforsten Rheinland-Pfalz erledigt. Doch gegen ein ähnliches Modell in Baden-Württemberg hatte das Bundeskartellamt wegen des damit verbundenen Monopols ein Veto eingelegt, was zur Folge hatte, dass der Holzverkauf bundesweit und damit auch in Rheinland-Pfalz neu organisiert werden musste. Die HVO Rheinland-Pfalz Südwest ist eine von fünf kommunalen Gesellschaften, die daraufhin im Land gegründet worden sind und den Holzverkauf künftig übernehmen. Gerade die Gesellschaft mit Sitz in Morbach zeichnet eine Besonderheit aus: „Wir sind in Rheinland-Pfalz von der Fläche her die Kleinsten, vom Marktvolumen aber die Größten“, sagt Graeff. Die reguläre Einschlagsmenge und damit das Holzvolumen, das abgesetzt werden muss, beträgt pro Jahr zwischen 250 000 und 270 000 Festmeter mit einem Umsatzvolumen von bis zu 30 Millionen Euro. „Wir haben hier relativ wenige Gemeinden mit viel Waldbesitz“, sagt Graeff. Die Gemeinde Morbach ist mit 3000 Hektar Wald einer der größten Waldbesitzer in Rheinland-Pfalz. Die Möglichkeiten der Gesellschaft mit Standort in Morbach beurteilt Graeff günstig. „Wir sitzen direkt vor der Haustür der Sägeindustrie“, sagt er und verweist auf drei Sägewerke im direkten Umkreis. Hinzu kommt die Nähe zu Abnehmern im Saarland und in Luxemburg.

Der Markteinstieg für die HVO erfolgt in einer schwierigen Zeit. Denn durch die starke Verbreitung des Borkenkäfers aufgrund der warmen und trockenen Witterung fällt eine große Menge Schadholz an. Zusätzlich zu den 110 000 Festmetern geplanten Einschlags bei der Fichte im Bereich der HVO kommen zwischen 200 000 und 250 000 Festmeter Schadholz, das zusätzlich vermarktet werden muss. Dabei handelt es sich um ein überregionales Problem, sagt der Geschäftsführer. „Die Märkte sind europaweit zu.“

Das Überangebot lässt zum einen die Preise bei Fichtenholz auf etwa die Hälfte fallen. Zudem können die ansässigen Sägewerke die anfallenden Mengen aus Kapazitätsgründen nicht verarbeiten, sodass Graeff und seine Mitarbeiter das Hunsrücker Holz nach China verkaufen müssen. „Traurig ist, dass dieses Holz künftig den hiesigen Sägewerken fehlt“, sagt Graeff.

Der Geschäftsführer der HVO Rheinland-Pfalz Südwest ist ein alter Hase im Holzgeschäft. Als gelernter Sägewerksfacharbeiter und -meister hat er 14 Jahre für Morbacher Sägewerksbetriebe Rundholz eingekauft und war anschließend bei Fensterherstellern ebenfalls für den Einkauf zuständig. Jetzt nutzt der Kirchberger und dreifache Vater die Chance, mit 57 Jahren nochmal was ganz Neues aufzubauen. „Das Unternehmen wird ganz neu gebildet wir können unsere Arbeit frei gestalten“, sagt er. Die Mitarbeiter des siebenköpfigen Teams, die in der ehemaligen Morbacher Landwirtschaftsschule ihre Geschäftsräume haben, haben zum großen Teil langjährige Erfahrung in der Holzindustrie und bei Landesforsten. Hinzu kommen Kräfte aus anderen Branchen, die in die Holzmaterie eingearbeitet werden. „Wenn man von den Problemen mit Kalamitätsholz und der Marktlage absieht, fühlen wir uns in Morbach sehr wohl“, sagt Graeff. Besonders stellt er die „großartige Unterstützung“, der Gemeindeverwaltung Morbach heraus.

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