Neue Schilder gegen Laster
Wittlich-Wengerohr · Lärm und kaputte Straßen: Die Wengerohrer wehren sich seit Jahren gegen den Schwerlastverkehr in ihrem Stadtteil. Nun scheinen ihre Bemühungen Erfolg zu haben. Mit einer veränderten Beschilderung und weiteren Durchfahrtsverboten sollen die 7,5-Tonner über die Ortsumgehung ins Industriegebiet geleitet werden.
Wittlich-Wengerohr. Wie ein V gabelt sich die Bahnhofstraße in Wengerohr: Der eine Arm wird zur Eifelstraße und führt weiter in Richtung Bombogen, der andere Ast bleibt Bahnhofstraße und führt hoch ins Industriegebiet. Genau inmitten dieses V steht das Haus von Alfred Hansen, sein Garten grenzt an beide Straßen. Im Erdgeschoss hat er Lärmschutzfenster eingebaut. In seinem Holzpavillon im Garten dudelt das Radio auf voller Lautstärke. Anders wäre die Musik nicht zu vernehmen. "Manchmal glaubt man, man wäre auf dem Nürburgring", erzählt der Rentner und berichtet von aufheulenden Motoren, von Bussen mit quietschenden Bremsen und vor allem von Lastkraftwagen, die entweder ins Industriegebiet unterwegs sind oder von dort kommen. "Hier fährt alles durch", sagt er und klingt resigniert. "Die Schilder sind das Material nicht wert", sagt Hansen und zeigt dabei auf das Verkehrszeichen, das eingangs der Bahnhofstraße aufgestellt ist: "Durchfahrt verboten für Lastwagen", "Lieferverkehr frei" zeigt es an.
Seit Jahren ist bekannt, dass diese Schilder nicht dazu beitragen, den Schwerlastverkehr aus Wengerohr fernzuhalten (der TV berichtete mehrfach). Das weiß auch Jochen Platz, seit Juni Ortsvorsteher von Wengerohr. Er ist wie Hansen selbst betroffen, wohnt im oberen Teil der Bahnhofstraße. Neben der Lautstärke, die die Anwohner durch die oft im Fünf-Minuten-Takt vorbeifahrenden 7,5-Tonner ertragen müssen, sorgt sich Platz vor allem um den Zustand der Straßen: "Diese sind für dieses hohe Verkehrsaufkommen durch den Schwerlastverkehr nicht ausgelegt", sagt er, "die Bahnhofstraße ist eine Stadtstraße - wenn sie kaputt ist, müssen die Anwohner zahlen." Risse, Teerverschiebungen und abgefahrene Bürgersteige gebe es bereits.
Doch damit soll jetzt Schluss sein. Zumindest hoffen das die geplagten Anwohner der betroffenen Straßen, die sich im November 2013 zu einer Interessengemeinschaft (IG) zusammengeschlossen haben. Ihr Ziel: Der Schwerlastverkehr soll raus aus Wengerohr. "Wir wollen Wengerohr nicht insgesamt für den Verkehr sperren", betont Ortsvorsteher Platz, "aber der Schwerlastverkehr soll sich an die für ihn gebauten Straßen halten." Die Anwohner haben mittlerweile einiges erreicht: Im Mai setzte die Stadtverwaltung in der Bahnhof-, Eifel-, Belinger- und Dr.-Oetker-Straße ein sogenanntes Seitenradarmessgerät ein, mit dem unter anderem untersucht wurde, wie viele und welche Arten von Fahrzeugen dort unterwegs sind und wie schnell diese fahren. "Der Anteil des Schwerlastverkehrs in den oben genannten Straßen liegt zwischen 7,4 und 20,3 Prozent", teilt Rainer Stöckicht mit und ergänzt: "Die gefahrenen Geschwindigkeiten sind zu hoch."
Erste Konsequenz: Seit kurzem dürfen LKW ab 7,5 Tonnen auf der Bahnhof- und Eifelstraße bis zum Ortsausgang Richtung Bombogen nur noch 30 Stundenkilometer fahren. Ein komplettes Durchfahrtsverbot ist hier nicht möglich: Die beiden Straßen sind Teil der L 54 - und eine Landesstraße darf nicht für den LKW-Verkehr gesperrt werden.
Eine Maßnahme, die in mehreren Treffen von Vertretern der IG, der Stadt, des Kreises, der Polizei und des Landesbetriebs Mobilität beschlossen wurde. Weitere Veränderungen werden folgen (siehe Extra). Was noch fehlt, sind die dafür erforderlichen Schilder. So soll ein großes Hinweisschild auf der B 50 vor dem St-Paul-Kreisel aufgestellt werden und LKW-Fahrer darüber informieren, dass sie das Industriegebiet über die Ortsumgehung anfahren müssen. "Das Schild ist in der Produktion" sagt Ralf Schmitz, Leiter der Masterstraßenmeisterei Wittlich. Er hofft, dass die LKW-Fahrer sich dann auch an diese Schilder halten -und nicht stur ihren Navis folgen. "Da ist es auch an der Polizei, das vor allem am Anfang zu kontrollieren", sagt Schmitz. "Das wird auch gemacht", bestätigt Martin Nellinger von der Polizei Wittlich auf TV-Nachfrage.Extra
Ziel ist es, dass der Schwerlastverkehr das Industriegebiet Wengerohr von Wittlich und der Autobahnabfahrt Wittlich-Mitte aus über die Ortsumgehung und die Dr.-Oetker-Straße ansteuert. Dafür wird die Bernkasteler Straße zwischen der Dr.-Oetker-Straße und der Einmündung Bahnhofstraße für den Schwerlastverkehr ab 7,5-Tonnen voll gesperrt. Darüber hinaus darf der Schwerlastverkehr ab 7,5 Tonnen von der Eifelstraße aus gesehen nicht in die Bahnhofstraße, die Cusanusstraße, die Dauner Straße und die Belinger Straße einfahren. Von der anderen Seite, also vom Industriegebiet aus betrachtet ist die Einfahrt in diese Straßen nur für den privaten Lieferverkehr erlaubt. neb