Neue Stromleitung für Windkraft: Netzbetreiber Amprion baut Verbindung zwischen Koblenz und Bitburg aus

Wittlich · Mehr Strom durch die Region: Der Anteil an Strom aus Windenergie, der ins öffentliche Netz gespeist wird, nimmt zu. Die Deutsche Bahn braucht mehr Strom in der Region. Deshalb plant der Netzbetreiber Amprion den Neubau einer 380 Kilovolt-Leitung, die von Koblenz bis Bitburg reichen wird. Inzwischen ist das Raumordnungsverfahren eröffnet worden. 2019 könnte sie fertiggestellt sein.

Wittlich. Bis zu 4,5 Gigawatt Leistung produzieren in Spitzenzeiten die in den vergangenen Jahren in Eifel und Hunsrück errichteten Windkraftanlagen. Das ist etwa so viel Energie, wie drei Atomkraftwerke produzieren und eine Million Vier-Personen-Haushalte verbrauchen. Für diese Menge reicht die Fernleitung, die zwischen der Eifel und Koblenz liegt, nicht mehr aus. Und mehr noch: Die Deutsche Bahn hat bei dem Netzbetreiber Amprion einen höheren Bedarf angemeldet. Damit stößt die bestehende 220-Kilovolt-Fernleitung an ihre Kapazitätsgrenze. Deshalb plant der Netzbetreiber Amprion eine Investition von über 145 Millionen Euro, um die alte Leitung durch eine 380-Kilovolt-Leitung, die eine höhere Kapazität hat, zu ersetzen.
Die Leitung soll, so Unternehmenssprecher Jörg Weber, auf der Trasse der bestehenden Leitung verlegt werden. Diese reicht von Koblenz bis Niederstedem (VG Bitburger Land). Ein erster Abschnitt verläuft von Koblenz bis Pillig (Landkreis Mayen-Koblenz), der zweite von Pillig bis Wengerohr (Landkreis Bernkastel-Wittlich). Dabei werden bisher 40 Meter hohe Masten durch neue Masten mit einer Höhe von bis zu 60 Metern ersetzt. Die Schutzstreifen rechts und links der Trasse werden von jeweils 16 Metern auf 30 Meter Breite vergrößert. In Wengerohr ist zudem ein neues Umspannwerk geplant.
Einen Teil der neuen Stromtrasse wird auch die Deutsche Bahn nutzen, um ihr Stromnetz zu verbessern. Die neue Leitung soll 2019 in Betrieb genommen werden. Weber erklärt, dass es bislang noch keinen konkreten Zeitrahmen gebe. Dazu müsse man das Raumordnungsverfahren abwarten, mit dem 2015 zu rechnen sei.
Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord) leitet nun die raumordnerische Prüfung für das Projekt ein. Wie Sandra Hansen-Spurzem von der SGD Nord dem TV mitteilt, ist das Verfahren deshalb notwendig, weil das Projekt so groß und von "überörtlicher Bedeutung" ist.
Und diese läuft folgendermaßen ab: In einem ersten Teil, dem sogenannten Raumordungsverfahren (ROV) wird untersucht, wie die Leitung genau verlaufen soll. Dabei muss die Variante mit den geringsten Beeinträchtigungen für Mensch und Umwelt gewählt werden. Daran schließt sich das Planfeststellungsverfahren an. Darin werden Details erarbeitet und die Gegebenheiten im Gelände untersucht. Vor allen Dingen wird natürlich Kontakt zu den Grundstückseigentümern aufgenommen. Während des Verfahrens werden die Pläne öffentlich ausgelegt, damit alle Betroffenen ihre Anregungen und Bedenken vortragen können. Danach wägt die Behörde die öffentlichen und die privaten Belange ab und erlässt den Planfeststellungsbeschluss. Mit diesem Bescheid kann dann letztendlich gebaut werden. Daher kann es also 2017 frühestens losgehen, erklärt Jörg Weber von Amprion. Für die 50 Kilometer, die gebaut werden müssen, rechne man mit einer Dauer von etwa zwei Jahren. Eine Leitung könnte frühestens 2019 dort stehen. Ob dabei regionale Firmen beteiligt werden? Das kann sich der Unternehmenssprecher von Amprion schon vorstellen. Allerdings nur bei den Tiefbau- und Betonarbeiten: "Den Bau der Masten und Leitungen besorgen spezielle Fachfirmen." Die Stromversorgung bleibe während der gesamten Bauphase gewährleistet.Extra

Damit auch kleine Dörfer mit Strom versorgt werden können, gibt es in ganz Deutschland ein weit verzweigtes Leitungsnetz. Dieses Netz ist schon sehr alt. Deshalb müssen manche Leitungen erneuert werden. Die Leitung, die jetzt erneuert werden soll, ist sehr lang und reicht von Koblenz bis in die Eifel. Weil für die Erneuerung auch neue Masten gebaut werden müssen, muss die Firma, die die Leitung baut, Genehmigungen einholen. Das ist ein kompliziertes Verfahren, denn es sind viele Gemeinden und Landwirte betroffen. Mit denen muss zuerst gesprochen werden, weil die Leitung über ihr Land führt. hpl