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Justiz
Neue Verteidigungswaffe für Justizvollzugsbeamte in Wittlich

 Vollzugsbeamte der JVA Wittlich präsentieren ein Einsatztraining im Rahmen der Aktionstage „Respekt. Bitte!“.
Vollzugsbeamte der JVA Wittlich präsentieren ein Einsatztraining im Rahmen der Aktionstage „Respekt. Bitte!“. FOTO: Michaela Hellmann
Wittlich. Um sich selbst und den Gefangenen zu schützen, sollen die Justizvollzugsbeamten mit einem Einsatzmehrzweckstock (EMS) zur Verteidigung ausgestattet werden. Der EMS ist ein Stock aus Hartplastik, der seitlich mit einem Griff versehen ist. Von Michaela Hellmann

Ein Häftling hämmert mit aller Wucht gegen die Zellentür. „Beruhigen Sie sich, Herr Mustermann“, sagt der Justizvollzugsbeamte beschwichtigend. Doch der Häftling brüllt und randaliert weiter.

Die Situation stellen ein Statist und ein echter Beamter in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich nach. Anlass ist der Besuch des Justizministers Herbert Mertin im Rahmen der Aktionstage der Landesregierung „Respekt. Bitte!“. Eine Woche lang thematisieren verschiedene Veranstaltungen in Rheinland-Pfalz die Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst.

Weil sich der Gefangene nicht besänftigen lässt, ruft der Beamte Hilfe über ein Funkgerät. Drei seiner Kollegen kommen ausgestattet mit Helmen, Kampfausrüstung und Schutzschild hinzu. Sie stürmen die Zelle, bringen den Gefangenen unter Kontrolle und drücken ihn aufs Bett. Erst als die Handschellen klicken, darf er – gesichert von den Justizvollzugsbeamten – aufstehen.

Rund einmal im Monat komme es zu solch heftigen Eskalationen, schätzt einer der Beamten. Im vergangenen Jahr gab es in ganz Rheinland-Pfalz 27 solcher gewaltätigen Übergriffe. Seit 2014 hat sich die Zahl fast verdoppelt. „Aufgrund der gehäuften Vorkommnisse in den vergangenen Jahren ist es wichtig, dass die Beamten eine neue Ausrüstung bekommen“, sagt Justizminister Mertin.

Um sich selbst und den Gefangenen zu schützen, sollen die Justizvollzugsbeamten mit einem Einsatzmehrzweckstock (EMS) zur Verteidigung ausgestattet werden. Der EMS ist ein Stock aus Hartplastik, der seitlich mit einem Griff versehen ist. „Im Gegensatz zu den bisher verwendeten Schlagstöcken aus Holz sind die EMS handlicher und splittern nicht“, sagt ein Justizbeamter, der die Verwendung des Stocks demonstriert. „Für den EMS sind spezielle Schulungen nötig“, fügt er hinzu. „Nicht jeder darf ihn verwenden.“

In einer realen Situation wird ein gewaltbereiter Häftling in einen speziellen Haftraum gebracht, wo es nichts gibt außer einer Matratze. Dort bleibt er so lange, bis er sich beruhigt hat und wieder in eine normale Zelle zurückkehren kann.

Randaliert der Gefangene weiter und verletzt sich sogar selbst, wird er durch einen Psychologen begutachtet und auf richterlichen Beschluss an einer Liege fixiert. JVA-Leiter Jörn Patzak betont: „Damit soll der Gefangene vor sich selbst geschützt werden.“