Neue Windräder bald am Netz?

Der Ortsbeirat Wenigerath hat sich nach langer Diskussion, an der sich auch die Bürger beteiligt haben, für den Austausch der 14 Windräder in der Morbacher Energielandschaft gegen sieben höhere und leistungsfähigere Anlagen ausgesprochen. Die Pläne eines Mainzer Unternehmens müssen allerdings noch zahlreiche Hürden nehmen.

Wenigerath. Die Mitglieder des Wenigerather Ortsbeirates begrüßen einstimmig das Repowering, also eine Erneuerung der Windräder in der Energielandschaft Morbach. Damit schließen sie sich ihren Rapperather Kollegen an, die sich ebenfalls für den Austausch der bestehenden 140 Meter hohen Anlagen im ehemaligen Munitionslager Wenigerath gegen neue, 229 Meter hohe Anlagen ausgesprochen haben. Dort waren 2002 und 2003 14 Windräder errichtet worden. Doch sind diese inzwischen in die Jahre gekommen.
Die vorgesehene Laufzeit bis 2022 könne nicht mehr garantiert werden, da große Reparaturen den Betrieb unwirtschaftlich machen könnten und den Betreibern dann ein Sonderkündigungsrecht zusteht, erläutert der Wenigerather Ortsvorsteher Thomas Jakobs in seiner Einleitung. Dadurch würden der Gemeinde auch Pachteinnahmen verloren gehen.
Das Mainzer Unternehmen WiwiConsult will die bestehenden 14 Windräder mit einer Leistung von je zwei Megawatt abbauen und durch sieben Windräder neuesten Typs mit einer Leistung von je 4,2 Megawatt ersetzen. Das nächstgelegene Rad befindet sich etwa 1140 Meter von der Wenigerather Ortsgrenze entfernt. Sechs der neuen Anlagen könnten auf den Standorten der bisherigen Windräder gebaut werden.
Und diese können laut Michael Böhm, Geschäftsführer von WiwiConsult, bis Ende 2018 am Netz sein. Im Dezember 2016 soll die Umweltverträglichkeitsprüfung abgeschlossen, bis März 2017 die notwendigen Unterlagen zum Verfahren bezüglich des Immissionsschutzes eingereicht sein. Möglich sei, dass das Vorhaben 2017 genehmigt und im Frühjahr 2018 mit den Bauarbeiten begonnen werden könne, sagt er. In einer Sitzungsunterbrechung haben die 15 Wenigerather Bürger, die zur Sitzung gekommen waren, sich insbesondere nach den möglichen Auswirkungen für ihren Ort erkundigt. Wie verändert sich der Schattenwurf, wie die Lautstärke der Anlagen? Zwar seien die neuen Räder aufgrund der Höhe grundsätzlich lauter, sagt Jörn Parplies von WiwiConsult. Jedoch sei die technische Entwicklung fortgeschritten, sodass neue Konstruktionstechniken bei den Rotorblättern dies wieder reduzierten. Die vorgegebenen Grenzwerte von 40 Dezibel für Wohngebiete und 45 Dezibel für Mischgebiete würden eingehalten. "Da gibt es strikte Vorgaben", sagt er. Zudem seien es künftig weniger Anlagen in der Energielandschaft, sodass der Lärmpegel der gesamten Anlagen vergleichbar zur jetzigen Situation sei. Schattenwurf werde es geben, räumt er ein. Allerdings sei dieser auf maximal 30 Stunden pro Jahr und 30 Minuten pro Tag für jeden Messpunkt begrenzt. Um diese Grenzwerte einzuhalten, sei eine Abschaltautomatik eingebaut. Der Schattenwurf sei im Winter relevanter als im Sommer, weil die Sonne einen flacheren Verlauf habe, sagt er. Überhaupt würden in die geplanten Windräder zahlreiche neue Techniken eingebaut, erläutern Böhm und Parplies.
Das nächtliche Blinken werde durch ein Radargerät stark eingeschränkt, das ankommende Flugobjekte bis zu einer Höhe von 400 Metern erkennt und nur bei Bedarf die Nachtbefeuerung aktiviert. Zudem soll das Blinken mit den vorgesehenen Anlagen am Ranzenkopf abgestimmt werden, sodass diese einheitlich aufleuchten. In die Rotoren würde eine Art Föhn eingebaut, die bei Minustemperaturen die Rotoren erwärmen und so eine Eisbildung verhinderten.
"Wir wollen die Einzigartigkeit der Morbacher Energielandschaft bewahren", sagt Bürgermeister Hackethal. Das einstige "Areal des Todes" habe sich zu einem viel beachteten Objekt gewandelt.
50 000 Besucher aus 115 Ländern hätten die Energielandschaft in den vergangenen Jahren besichtigt, sie sei international in zahlreichen Büchern erwähnt. Zu Zeiten des Kalten Krieges befand sich auf dem 146 Hektar großen Gelände das größte Bombenlager in Westeuropa.Meinung

Weniger ist mehr
Mit dem vorgezogenen Repowering in der Energielandschaft machen die Morbacher einen gewaltigen Satz nach vorne. Weniger, aber größere Rotoren bringen mehr Geld ein, vorausgesetzt, das Windaufkommen erfüllt die Erwartungen, und die Strompreise bleiben stabil. Dafür werden die Morbacher sich an den Anblick wesentlich höherer Rotoren gewöhnen müssen. Das wird akzeptabel sein, da in Morbach schon frühzeitig Windkraft an einem Punkt konzentriert wurde. Eine sogenannte Verspargelung, also die Verschandelung der Landschaft durch einzelne Rotoren, an unterschiedlichen Stellen, fand hier nicht statt. Und immerhin: In der Nacht blinken die neuen Türme nur dann, wenn auch ein Flugzeug unterwegs ist. Bedauerlich ist es aber, dass die vorgesehene Laufzeit von 22 Jahren nicht erfüllt werden kann. Der um fünf Jahre vorgezogene Neubau der Anlage muss sich also letzten Endes aus dem erhöhten Erlös refinanzieren. hp.linz@volksfreund.de

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