Neuer Chef, langjähriger Kollege

Für die Kollegen ist er kein Unbekannter: Hermann-Josef Decker ist der Nachfolger des langjährigen Morbacher Polizeichefs Peter Werland. Der gebürtige Hermeskeiler und in Morbach lebende Hunsrücker war vor seinem letzten Einsatz in Baumholder lange Jahre Werlands Stellvertreter.

Morbach. "Die Sicherheit und das Wohlergehen der Menschen aber auch der Mitarbeiter ist das Wichtigste", lautet das Credo des neuen Morbacher Polizeidienststellenleiters Hermann-Josef Decker. Er übernahm die Stelle von Peter Werland, der nach über 45 Jahren Dienst bei der Polizei im Spätsommer in Pension gegangen ist. Decker selbst war bereits seit 1993 Stellvertreter Werlands auf der Dienststelle in Morbach, tat dann aber 20 Monate lang Dienst auf der Wache in Baumholder.
Nun ist der gebürtige Hermeskeiler dienstlich nach Morbach zurückgekehrt, wo er seit dem sechsten Lebensjahr lebt und wo er auch im Vereinsleben, im Musikverein und beim DLRG seit Jahren aktiv ist. "Reicht es bis zehn Uhr fürs Gespräch? Ich muss anschließend raus, die Verkehrssicherheit einer Straßenbaustelle überprüfen", sagt Decker am Morgen auf der Morbacher Polizeiinspektion beim Gesprächstermin mit dem TV.Schon 42 Jahre im Dienst



Der Check, ob eine Baustelle richtig ausgeschildert ist und ob die Tempolimits stimmen, ist eine jener Aufgaben der Polizei, die eher im Hintergrund geschehen - und die in der Öffentlichkeit nicht auffallen. "Da kann ein falsch aufgestelltes vorübergehendes Einbahnstraßenschild schon eine Gefahrensituation heraufbeschwören", ergänzt Decker. Bei einer gemeinsamen Tasse Kaffee erzählt er dann von der Polizeiarbeit und seinen Zielen - prägnant und ohne Umschweife.
"Ich werde jetzt 59 Jahre alt und habe den Job von der Pieke auf gelernt. Das war eine Zeit, als Autos und Telefon noch nicht selbstverständlich waren", erinnert er sich. Nun sei er in einer Funktion, die er immer angestrebt habe. Nach der Schule trat er in die Polizei ein und hat inzwischen schon 42 Dienstjahre geleistet. Um sich zu qualifizieren, hat er mit 28 nochmals die Schulbank gedrückt: "Ich habe Fach-Abi und Studium mit 28 nachgeholt - das war schon eine Herausforderung, denn ich war damals bereits verheiratet und wir hatten zwei Kinder", sagt der Polizist, der den Rang eines "Erster Polizeihauptkommissar" bekleidet. Inzwischen hat er drei erwachsene Kinder, ist zwei Mal Großvater und kann somit aus seinen Erfahrungen als Vater schöpfen. "Alles das, was ich von meinen Mitarbeitern verlange, habe ich selbst mal gemacht. Das führt zu einer größeren Akzeptanz als Führungskraft. Ich sage den jungen Kollegen immer wieder: ,Greift das Erfahrungswissen der älteren Kollegen ab. Sonst ist es verloren ‘".
Die Polizeiarbeit habe sich auf dem Land in den vergangenen Jahren massiv verändert, stellt Decker fest: "Wir hatten sogar schon mal Horrorclown-Sichtungen. Wir sind auf dem flachen Land durch die sozialen Netzwerke nicht mehr außen vor - Flashmobs, Horrorclowns, Internet-Kriminalität. Das gibt es alles. Und all diese Themen müssen erarbeitet werden."Einbrüche und Ebay-Betrügereien


Die neuen Medien seien ein großes Feld der Kriminalität. Ebay-Betrügereien, Abgreifen von elektronischen Daten - das seien die Themen, mit denen sich die Polizei häufig beschäftige. "Das ist unser täglich Brot," stellt Decker fest. Aber auch Wohnungseinbrüche zählen zu den wichtigen Arbeitsfeldern. "Bei jedem Einbruch, der hier passiert, mache ich mir Gedanken, was den Leuten durch den Kopf geht. Wenn wir den Täter fassen, können wir diesen Opfern das Unsicherheitsgefühl, unter dem sie leiden, wieder nehmen", sagt Decker. Dabei habe man es oft mit organisierten Banden zu tun, die arbeitsteilig arbeiten. "Viele unserer Verkehrskontrollen dienen auch dazu, sogenannte ,reisende Täter' die häufig mit Lieferwagen mit ausländischem Kennzeichen unterwegs sind, zu beobachten", erklärt Decker.
Die Einbruchbanden seien nämlich klar strukturiert und gingen arbeitsteilig vor: es gibt Ausspäher, die durch die Gegend fahren, um Häuser auszukundschaften, Leute, die den Einbruch vorbereiten, dann die eigentlichen Einbrecher, wiederum Leute, die das Diebesgut transportieren und Kriminelle, die es letztendlich verkaufen "Die sind gut organisiert, manchmal sind das ehemalige Geheimdienstleute aus dem osteuropäischen Bereich - da ist eine klare Struktur drin", sagt Decker. Insgesamt also ein vielfältiges Aufgabengebiet für seine Dienststelle: "Von der Präventionsarbeit an den Schulen über Hauseinbrüche, gehackte-Bank-Accounts bis zum Horror-Clown: Es vergeht kein Tag, an dem nichts passiert. Wir haben hier ein familiäres Betriebsklima - damit kann man diese Aufgaben meistern. Schließlich verlassen sich die Menschen hier auf dem Land auf uns", fasst der Polizeichef zusammen. Der Kaffee ist getrunken, alles Wichtige gesagt - und schon fährt Decker zum nächsten Einsatz.Extra

Da die Polizeistatistiken erst im Februar des Folgejahres vorliegen, hier die Daten von 2015: Unfälle: 693 (Vorjahr 2014: 641). Bei Verkehrsunfällen gab es in Morbach 2015 fünf Tote, bei 73 Unfällen wurden Menschen verletzt, bei 17 gab es Schwerverletzte. Im gesamten Kreisgebiet sind Wildwechsel eine häufige Unfallursache. Die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von Kindern ist allgemein zurückgegangen. Dafür leistet die Polizei auch in Morbach Präventionsarbeit an den Schulen. hplExtra

Die Polizeiinspektion Morbach ist zuständig für die verbandsfreie Gemeinde (Einheitsgemeinde) Morbach mit ihren 19 Ortsbezirken und rund 11 000 Einwohnern, 19 Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf mit 6000 Einwohnern sowie die Ortsgemeinden Kleinich und Hochscheid aus der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues mit 1000 Einwohnern. Der Dienstbereich inmitten der Mittelgebirgslandschaft des Hunsrücks erstreckt sich über eine Fläche von 284 Quadratkilometern. Verkehrsmäßig wird das Gebiet durch die Hunsrückhöhenstraße (B 327) an die überörtlichen Verkehrswege und den Flughafen Hahn angeschlossen. Die B 327 durchläuft den gesamten Dienstbezirk auf einer Länge von 35 Kilometern. hpl