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Neues Gesetz bereitet Obstbrennern Kopfzerbrechen

Neues Gesetz bereitet Obstbrennern Kopfzerbrechen

Einen großen Einschnitt für die Schnapsbrenner wird es 2018 geben. Dann tritt das neue Alkoholsteuergesetz in Kraft. Das könnte für viele Brennereien das Aus bedeuten. Um diese Thema ging es bei einem Treffen des Rheinischen und Saarländischen Klein- und Obstbrennerverband in Wittlich.

Wittlich. 120 Schnapsbrenner aus dem Verband Rheinischer und Saarländischer Klein- und Obstbrenner waren nach Wittlich gekommen, um sich bei der Jahreshauptversammlung über die neuesten Entwicklungen zu informieren. Bis 2018 können Obstbaumbesitzer, die auch Stoffbesitzer genannt werden, ihr Obst weiterhin zu einem Schnapsbrenner bringen und ihre Steuern mit reinem Alkohol bezahlen. Dabei werde bislang nicht auf die Qualität geachtet. Das sagte Alois Gerig, der Vorsitzende des Bundesverbandes, bei dem Treffen. Doch damit sei es bald vorbei - ab 2018 müssten Baumbesitzer und Brenner die Steuern mit Geld bezahlen. Für die Obstbesitzer bleibe kaum noch Gewinn übrig. Und minderwertiger Schnaps, beispielsweise aus leicht faulem Obst, sei kaum noch zu verkaufen. Viele Brenner werden, so sagt Gerig weiter, manches Obst gar nicht mehr annehmen, wenn wenig Nachfrage nach der Schnapssorte bestehe und nicht direkt vermarktet werden könne.
So könnte einiges Obst hängen oder liegen bleiben. Für die Brenner bedeute dies: Sie müssten ausschließlich auf Qualität setzen, um ihre gesamten Erzeugnisse direkt zu vermarkten. Aber die Kleinbrenner hätten nur ein Kontingent von 300 Liter reinen Alkohol, so dass Investitionen ins Marketing nicht immer profitabel seien. Es lohne sich für die meisten nur im Nebenerwerb. Oder der Brenner müsse eine Nische finden, in der er hochpreisig verkaufen könne.
"Entweder man hört auf oder muss nach vorne gehen. Vielleicht mit besonderen Produkten arbeiten oder sich zusammenschließen, kann eine Lösung sein", sagte Markus Görgen, Brenner aus Senheim (Kreis Cochem-Zell), zu dieser Entwicklung. Skeptischer zeigte sich Manfred Stein aus Kenn, Kreis Trier-Saarburg: "Vieles wird sich nicht mehr lohnen."
Der Bundesverbandsvorsitzende appellierte an die Anwesenden, vor allem mit Qualität und Vielfalt zu punkten, mit sortenreinen Apfelbränden oder Produkten von besonderen Obstsorten, wie der Nells Birne. Das mit Unternehmertum und Marketing gepaart könne zum Erfolg führen. Um Käufer auf dem stagnierenden Markt zu entdecken, können Prämierungen helfen, und die Brenner sollen sich und ihre Erzeugnisse zeigen. "Ob auf dem Weihnachtsmarkt oder der Grünen Woche", so Gerig. Oberamtsrat Werner Albrecht aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, sieht auch einen Weg im Zusammenschluss von Kleinbrennern. "Die sind wieder in Mode und rechnen sich für manch einen", sagte der Experte. Die Verantwortlichen im Verband wollen mit großen Spirituosenherstellern sprechen, damit die Kleinbrenner, die keine Möglichkeit zum Selbstvermarkten haben, ihre Produkte an sie verkaufen können.
Kritik gab es von Bernhard Bares, dem Vorsitzenden der Rheinischen und Saarländischen Klein- und Obstbrenner, an der rheinland-pfälzischen Landesregierung, weil sie keinen eigenen Stand mehr bei der Grünen Woche hat. Dadurch hätten auch die Klein- und Obstbrenner keine Möglichkeit mehr, sich ansprechend zu präsentieren. chb