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Neues vom ältesten Haus in Wittlich

Neues vom ältesten Haus in Wittlich

Die Pläne fürs künftige Mini-Museum im Wittlicher Burgtürmchen stehen. Allein die Größe des 700 Jahre altes Gebäudes wird das Ganze zu einer exklusiven Angelegenheit machen.

Wittlich Es ist im Kleinen so speziell wie vielleicht im Großen die Kirmes. Nur dass es weit mehr als 100 Mal so alt ist wie die Säubrennerkirmes. Jetzt soll ein Mini-Museum mit drei Schwerpunkten in Wittlichs ältestem Gebäude bis zum Herbst entstehen. Also bis nach der Kirmes. Dem hat jetzt der Kulturausschuss zugestimmt. Die zentralen Punkte zum "Türmchen" im Überblick:
Nutzung: Als Teil der Stadtbefestigung war wohl das Türmchen nur in "Kriegs-. Not-, Gefahrenzeiten" besetzt, weil Wittlich nie eine Bürgerwehr gehabt habe, wie Kulturamtsleiterin Elke Scheid im Kulturausschuss erklärte. Danach war das Türmchen rund 200 Jahre bewohnt. Der letzte Mieter starb vor sieben Jahren. Danach hat man beschlossen, das Gebäude öffentlich zugängig zu machen. Nun hat man sich auf ein Museum geeinigt.
Ideen: Für eine Folgenutzung gab es viele Vorstellungen, vom Hotel über Gastronomie bis zum Sitz der Volkshochschule. Das Problem bringt Kulturamtsleiterin Elke Scheid auf den Punkt: "Viele meinen von außen, es sei größer. Aber es ist winzig."
Denkmalschutz: Auch wenn fast nichts mehr im Original erhalten ist, hat die Stadt nach eigenen Angaben "den Denkmalschutz bis ins Kleinste involviert". Mehrere Kunsthistoriker hätten das Gebäude besichtigt, die zuständige Kreisverwaltung Renovierungen mit ihren Vorgaben begleitet.
Museum: Im Inneren soll mit wenigen Exponaten an die Wohnung des Torwächters, die Befestigungsgeschichte, zu der das ehemalige Stadttor gehört, und die Geschichte der Stadt Wittlich erinnert werden. Dabei soll die "kahle Schlichtheit des Funktionsgebäudes erhalten" bleiben.
Ausstellungsstücke: Neben zwei Takenplatten, eine vom verstorbenen Ehrenbürger Willi Schrot, kommt einer der barocken Kanonenböller, genannt "Kaatzekepp" und rarer Überrest von Wittlichs 1794 zerstörtem Schloss Philippsfreude ins Türmchen. Auch ausgewählte historische Pläne und die kleinen Holzschnitte mit Wittlicher Motiven von Hedwig Schulte sollen zu sehen sein.
Hörstück: Ein Bewegungsmelder im Erdgeschoss soll eine Beschallung auslösen, mit deren Hilfe etwa fünf Minuten lang die Geschichte der Befestigung der Stadt Wittlichs erzählt wird. Sprecher, auch für einen Trickfilm, soll der Schauspieler Manuel Klein sein.
Trickfilm: Im ersten Stock läuft per Beamer ein etwa zehnminütiger Trickfilm zur Geschichte der Stadt vom keltischen Tempelkopf über die römische Villa, Burg Ottenstein bis zum Schloss Philippsfreude.
Werbung: Die Stadt will dann ihre vier unterschiedlichen Ausstellungsangebote im Alten Rathaus, in der ehemaligen Synagoge, in der Casa Tony M. alias Alte Posthalterei und dann im Türmchen als besonderes Komplettpaket mit verbilligter Sammeleintrittskarte touristisch vermarkten.
Zugang: Der Zugang soll wie bei der Casa Tony M. gegen Überlassung des Personalausweises als Pfand im Alten Rathaus zu dessen Öffnungszeiten möglich sein. Einziges Problem: die beengten Verhältnisse: maximal sechs, sieben Menschen können auf einmal ins Minimuseum. Eine Überwachungskamera wird installiert.
Alter: Das Burgtürmchen, kurz Türmchen genannt, ist Überbleibsel der Stadtbefestigung, wird dieses Jahr 700 Jahre alt und gilt als ältestes Gebäude der Stadt.
Renovierung: Die Stadt hat unlängst 33 500 Euro in den Erhalt investiert, unter anderem um Feuchtigkeit zu vermeiden. Ein Sanierputz wurde aufgetragen, die Holzfenster ersetzt. Zuletzt wurden für Farbfassungsuntersuchung und neue Fassung von Wegekreuz und Klausener Madonnenrelief rund 10 500 Euro gezahlt.
Vernissage: Die Geburtstagsfeier für Wittlichs ältestes Gebäude nebst Vernissage hat die Stadt für den Herbst ohne genaues Datum angekündigt. Wegen der beengten Verhältnisse - neben Bürgermeister, Kulturamtsleiterin & Co. fände kein Publikum mehr Platz - wird die Vernissage im Alten Rathaus sein. Dann sollen auch Abzüge der Wittlich-Holzschnitte von Hedwig Schulte angeboten werden.KommentarMeinung

Unter buckelige Haube gebracht
Wie wird man einem Sympathieträger und Wittlicher Original gerecht? Mit originellen und durchdachten Ideen. Die scheinen gefunden, soweit man das im Vorfeld beurteilen kann. Mehr kann man nicht unter die typische buckelige Dachhaube des Ex-Stadttors packen. Auch wenn mancher vielleicht gern das Türmchen als Miniherberge oder gar Zwergenkneipe gesehen hätte: Das alte Gemäuer setzt Grenzen. Innerhalb derer ist nun ein Konzept gefunden, das überraschend viel abdeckt und das Original belebt. Und was lebt, verändert sich bekanntlich: Nachgesteuert werden kann jederzeit. s.suennen@volksfreund.de