Neun Paten gibt es schon

Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wird in Bernkastel-Kues wach gehalten. Noch in diesem Jahr können die ersten "Stolpersteine" verlegt werden. Weitere dürften folgen.

Bernkastel-Kues. Der Stadtrat Bernkastel-Kues hat am Montagabend zugestimmt, dass in der Stadt sogenannte Stolpersteine verlegt werden. Diese sollen an das Schicksal von Bürgerinnen und Bürger erinnern, die während der Nazi-Herrschaft deportiert und ermordet wurden beziehungsweise den Freitod wählten. Wie berichtet (TV vom 10. März), hatte die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen einen entsprechenden Antrag gestellt.Im Stadtrat herrschte Einstimmigkeit über die Bedeutung dieses Projektes. Lediglich Frank Hoffmann und Ernst Schreiner (beide CDU) enthielten sich der Stimme. Nicht, so Hoffmann, weil sie dagegen seien, sondern weil sie lieber erst in nicht öffentlicher Sitzung über das Projekt gesprochen hätten.

Ratsfrau Renate Khoschlessan, eine der Initiatorinnen, berichtete bereits von einer guten Resonanz in der Bevölkerung. Schließlich soll das Projekt von Paten finanziert werden. "Fünf haben sich bereits gemeldet", sagte sie.

Und es wird weitere geben: Der Stadtrat, die FDP-Fraktion, Stadtbürgermeister Wolfgang Port und Ratsmitglied Bernd Gelz (SPD) übernehmen ebenfalls eine Patenschaft über je einen der 95 Euro teuren Steine, die der Künstler Gunter Demnig herstellt. Da erst einmal von zehn Stolpersteinen die Rede ist, sind die Kosten bereits weitgehend gedeckt.

Es wird aber sicher weitere Steine geben. Robert Wies (FDP) übergab Renate Khoschlessan eine Liste mit weiteren sieben Namen, die ihm von älteren Bürgern zugetragen wurden. Immerhin, so Khosch lessan, gab es 1933, im Jahr von Hitlers Machtergreifung, 481 Juden in der Stadt, 1938 waren es nur noch 186. "Es geht aber um alle Nazi-Opfer", stellt sie klar. Die offizielle Enthüllung der Steine soll am 9. November, dem 70. Jahrestag der Pogromnacht, stattfinden. Dafür erhofft sich Khoschlessan eine große Beteiligung der Bevölkerung.

Meinung

Ein wichtiges Zeichen

In Bernkastel-Kues wurde erst gar nicht lange rumgeredet und rumgeeiert, wie es vor kurzer Zeit in Traben-Trarbach der Fall war. Die Entscheidung für die Stolpersteine fiel schnell und von Herzen. Stadtbürgermeister Wolfgang Port sprach von einem sensiblen Thema. Das ist es! Der Stadtrat hat es gut gehändelt. Die Erinnerung an die Schrecken der Nazi-Herrschaft, die Millionen Menschen auf den Schlachtfeldern und in den Konzentrationslagern das Leben kostete, muss wach gehalten werden. Es ist zu wünschen, dass auch die junge Generation ein Gespür für die Grauen dieser Zeit bekommt. Patenschaften von Schulklassen, die sich vorher mit dem Thema beschäftigen, wären dabei ein wichtiges Zeichen. c.beckmann@volksfreund.de