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Nicht alle wollen noch mehr Schnäppchen

Nicht alle wollen noch mehr Schnäppchen

Das war knapp: Mit sechs Ja-, zwei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen haben Mitglieder des Bau- und Verkehrsausschusses grundsätzlich dafür gestimmt, einen dritten Schnäppchenmarkt für Wittlich möglich zu machen. Er soll im Vitelliuspark entstehen.

Wittlich. Wollen die Wittlicher und all die, die nach Wittlich zum Einkaufen kommen, noch ein großes Geschäft, in dem man sogenannte Schnäppchen ergattern kann? Am Rommelsbach auf dem ehemaligen Edekagelände und in der Römerstraße nahe der ehemaligen Coca Cola-Fabrik gibt es solche Läden im größeren Stil bereits. Nun wollen Investoren noch einen drauf setzen. Im Vitelliuspark soll's ein "Action Markt" mit 799 Quadratmetern Verkaufsfläche sein. Dabei hatte es bislang geheißen, eine Art Fitnesscenter solle neben Netto, Matratzen Concord und Burger King nebst Dunkin' Donut entstehen (der TV berichtete).
Für die gewünschte Änderung haben die, die den "Action Markt" nach Wittlich bringen wollen, ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das kommt zum Schluss, dass das Vorhaben der Innenstadt und den dortigen Einzelhandelsgeschäften nicht schade. Den Lokalpolitikern wird empfohlen, zuzustimmen. Doch die sind sich uneins, wie die Debatte im Ausschuss zeigte:
Stephan Lequen, Grüne, argumentierte: "Ich habe mir das Gutachten angesehen und Zweifel an der Verträglichkeit. Beide anderen bestehenden Marktbetreiber haben gesagt, sie verlören 40 Prozent ihres Umsatzes, wenn es so käme. Wir haben doch eine Verantwortung für die bestehenden Betriebe, dass die nicht kannibalisiert werden. "Action Markt" ist ein riesiges, international agierendes Unternehmen: Die bauen heute und schließen eventuell morgen."
Michael Scheid, FWG, schließt sich an: "Ich denke, das ist kein verträgliches Sortiment für die Innenstadt."
Elfriede Meurer, CDU, sieht das anders: "Ich halte es vom Grundsatz her als schwierig, hier Gutachten in Zweifel zu ziehen."
Albert Klein, CDU, meint: "Ich denke, wir können das aus städtebaulicher Sicht unterstützen."
Lothar Schaefer, Stadtwerke, die den Verkauf im Vitelliuspark managen, erinnert an die jüngsten Neueröffnungen und sagt: "Meine Auffassung ist: Der Kunde entscheidet mit den Füßen. Wenn Sie sich den Zulauf in den letzten Tagen ansehen, beweist der, dass der Bedarf der Kunden besteht und wir können nicht über deren Köpfe hinweg entscheiden." Er erklärte als Hintergrund: Es habe einen Vorvertrag für die "Trainingsfläche Physiotherapie, Aerobic und Servicefläche mit wash-Lounge und Nebenräumen" gegeben, der jedoch zurückgezogen wurde. Deshalb sei nun als Alternative der "Action Markt" aktuell geworden.
Edwin Mehrfeld, SPD, wunderte sich über den schnellen Umschwung auf Investorenseite: "Noch zu Jahresanfang hieß es, es komme was anderes. Jetzt stellt der Investor in den Raum, er möchte das nicht mehr. Ich kann das nachvollziehen, aber ich muss nicht mitgehen."
Jan Salfer, CDU, sagte grundsätzlich: "Die Frage ist, wollen wir uns als Wirtschaftsstandort positionieren. Wenn wir uns auf den Standpunkt stellen, wir bleiben da hart, ist das nicht besonders wirtschaftsfreundlich."
Markus Blasweiler, FDP, sagte: "Offensichtlich ist, dass wir mit den aktuellen Neuansiedlungen noch mehr Leute anziehen. Die, die Bestandsschutz schreien könnten, haben doch die Parkplätze noch immer voll."
Stephan Lequen meinte abschließend: "Es schadet Wittlich nicht, wenn das Grundstück erstmals unbebaut liegen bleibt." Was mit dem Gelände, das schon in Privatbesitz ist, tatsächlich passiert ist noch ungewiss.
Nach der Abstimmung mit sechs Ja-, zwei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen sagte Bürgermeister Joachim Rodenkirch: "Jetzt ist der Ball bei der Kreisverwaltung."

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