Müllabfuhr : Nicht ganz die feine A.R.T. - Zweckverband stellt Müllabfuhr an steiler Straße ein

Anwohner sind sauer: Der Zweckverband Abfallwirtschaft stellt die Abholung des Mülls in der Burgstraße in Eisenschmitt ein. Die Bewohner sollen ihre Abfälle die steile Straße hinab zu einer Sammelstelle bringen.

Eine wahre Hiobsbotschaft musste der Postbote vergangenen Samstag in Eisenschmitt überbringen.

Problem In einem Schreiben lässt der Zweckverbands Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T.) seine Kunden in der Burgstraße wissen, „dass Abfälle, die in der Burgstraße bereitgestellt werden, nicht mehr abgefahren werden können.“ Der A.R.T. bittet seine Kunden, die Müll- und Altpapiertonnen, gelbe Säcke sowie Sperrabfall und Elektroschrott künftig an einer Sammelstelle an der Ortsdurchfahrt unmittelbar vor dem Clara-Viebig-Zentrum zur Abfuhr bereit zu stellen.

Im Rahmen einer Überprüfung sei festgestellt worden, dass die Burgstraße in Eisenschmitt an mehreren Stellen nicht die erforderliche Mindestbreite habe. Eine Straße mit Begegnungsverkehr müsse gemäß der Unfallversicherung eine Breite von 4,75 Meter haben. Die erste Engstelle der Burgstraße sei allerdings nur 3,80 Meter breit. Die Straße weise zudem keinen geraden Verlauf auf, wodurch erhebliches Rangieren zwischen den Häusern erforderlich sei, um die Straße zu befahren.
„Hierbei ist aufgrund des engen Straßenverlaufs jedoch kein sicheres Einweisen durch unsere Mitarbeiter möglich.“
Gemäß der Abfallsatzung des Zweckverbands müssten die Kunden deshalb ihre Abfallbehälter zu einem geeigneten Aufstellungsort an der Ortsdurchfahrt bringen. Die Bewohner der Burgstraße müssen künftig also ihre Müll- und Altpapiertonnen, gelbe Säcke und auch Sperrmüll an einen bis zu mehr als 300 Meter entfernten Sammelpunkt bringen und die leeren Tonnen von dort wieder abholen. Dazu sollte man wissen: Die Burgstraße hat eine enorme Steigung. Wenn Mülltonnen vier statt nur zwei Räder hätten, würden sie vom oberen Ende der Straße von alleine bis hinunter in den „Bereitstellungsraum“ rollen. Bei den Bewohnern kommt der Beschluss des A.R.T. – wen wundert es – nicht gut an.

Anwohner „Das ist eine Schweinerei“, sagt Magdalene Dau, die im oberen Teil der Burgstraße wohnt. „Ich bin 85 Jahre alt. Wie soll ich die Mülltonne 300 Meter den Berg runter und wieder rauf bekommen? Wenn sie voll ist, zieht sie mich den Berg hinunter. Den Berg hinauf bekomme ich keine Luft mehr, wenn ich die Tonne ziehen müsste.“

Ihr Nachbar Ortwin Kerz hält die Forderung der A.R.T. für unglaublich: „Ich habe Bluthochdruck, für mich ist das unmöglich. Und bis auf drei Bewohner sind in der Straße hier alle im Rentenalter. Was der Zweckverband fordert, ist nicht machbar.“

So sieht es auch sein Nachbar Jerry Charpentier: „Ich habe Probleme mit dem Rücken. Mit der Müll- oder Papiertonne würde ich die Straße weder rauf noch runter kommen.“

Die 20 Bewohner der 15 Haushalte in der Burgstraße sind – vorsichtig ausgedrückt – verärgert. Denn seit den 1960er-Jahren werden in der Burgstraße regelmäßig die Mülleimer geleert. „Früher hatten die Müllwagenfahrer hier nie Probleme“, erinnert sich die 85-Jährige.

„Wofür zahle ich denn bitte Müllgebühren?“, fragt sie. „Das ist doch Abzocke.“ Denn obwohl der A.R.T. seinen Service in der Burgstraße einschränke, werde den Betroffenen dafür keine Gebührensenkung in Aussicht gestellt. Dau: „Das können wir uns nicht bieten lassen.“

Ortsbürgermeister Auch der frisch gewählte Ortsbürgermeister Rainer Steilen ist über den Entschluss des Zweckverbands alles andere als erfreut. „Es überrascht mich und ich hätte es besser gefunden, wenn der Zweckverband bezüglich dieses Problems erst mal das Gespräch mit den Betroffenen und der Gemeinde gesucht hätte, anstatt den Bewohnern mit der Post unumstößliche Beschlüsse mitzuteilen, was nicht sonderlich kundenfreundlich ist. Das finde ich schade.“ Doch er werde nun das Gespräch mit dem A.R.T. suchen, sagt Steilen. „Wir müssen einen Termin vereinbaren und das Problem mit allen Beteiligten durchsprechen. Ich hoffe auf eine gütliche Einigung.“ Die Gründe, weswegen der Zweckverband die Abfuhr in der schmalen Burgstraße einstellen wolle, würden nur auf einer Empfehlung der Unfallversicherung beruhen, sagt Steilen. „Das ist keine Vorschrift.“

Darüber hinaus verschandele der vom Zweckverband gewählte „Bereitstellungsraum“ für die Restabfall- und Papiertonnen das Ortsbild. Denn die Bewohner der Burgstraße sollen ihren Müll nun zu den Abholungsterminen unmittelbar gegenüber des Clara-Viebig-Zentrums an der Ortsdurchfahrt bringen. So fordert es der Zweckverband. Steilen: „Vor dem Clara-Viebig-Zentrum sollte man keine Müllhalde einrichten. Für das Ortsbild ist das kein geeigneter Platz.“

Die Burgstraße in Eisenschmitt ist stellenweise schmal. Foto: TV/Christian Moeris
Ortsschild Eisenschmitt. Foto: TV/Christian Moeris

Zweckverband Der TV hat den A.R.T. um eine Stellungnahme gebeten und gefragt, wie es zu dieser Entscheidung kam: Beim Einsammeln der Abfälle sei es an den Engstellen immer wieder zu Komplikationen gekommen, erklärt die Pressestelle der A.R.T.. Aus diesem Grund sei eine Gefährdungsbeurteilung, zu der die zuständigen Entsorgungsunternehmen rechtlich verpflichtet seien, durchgeführt worden. „Dabei stellte sich heraus, dass die Straße mit den Abfallsammelfahrzeugen auf der Grundlage von Vorschriften der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) nicht befahren werden darf.“ Man habe da keinen Entscheidungsfreiraum. Rechtlich sei das beauftragte Entsorgungsunternehmen, im Landkreis Bernkastel-Wittlich ist das die Veolia Umweltservice West GmbH, für die Einsammlung und den Transport der Abfälle allein in der Verantwortung. „Um sowohl für das Sammelpersonal als auch die Anwohner gefährliche Situationen auszuschließen und den rechtlichen Vorgaben nachzukommen, darf das Unternehmen die Straße mit seinen Abfallsammelfahrzeugen nicht mehr passieren.“ Man könne beim A.R.T. gut nachvollziehen, dass es für die Anwohner einen zusätzlichen Aufwand darstelle und mitunter auch beschwerlich sei, ihre Abfallbehälter nun 400 Meter weiter bereitzustellen. Es gebe jedoch viele Straßen im Entsorgungsgebiet des A.R.T., die nicht mit den Abfallsammelfahrzeugen befahren werden dürften. „Dort helfen sich die Nachbarn meist gegenseitig oder Gemeindemitarbeiter unterstützen die Anwohner bei der Bereitstellung.“ Eine Gebührensenkung für die Betroffenen, sagt der Zweckverband, sei jedoch deshalb nicht möglich.

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