Nicht nur für die oberen 10 000

WITTLICH. (peg) Seit einem halben Jahr bietet Thorsten Anker im Kreis einen ärztlichen Notdienst an. Über 100 Patienten haben diese privat zu zahlende Alternative bisher genutzt.

Das Angebot ist in der Bevölkerung umstritten. Zunehmend muss der Patient für einst selbstverständliche medizinische Leistungen selbst bezahlen. Die einen können und wollen sich das leisten, die anderen nicht. Da kommt gerne Sozialneid auf. Fakt ist: Woanders arbeiten längst private Notdienste neben Caritas, Malteser, Awo oder DRK. Seit dem 1. April existiert auch in Wittlich der privatärztliche Notdienst Anker. Sechs Ärzte stellen einen 24-Stunden-Notfalldienst zwischen Daun, Bitburg, Trier und Wittlich.Maximal eine Stunde bis zum Eintreffen des Arztes

"Der Patient ruft die in der Presse veröffentlichte Notfallnummer an, schildert seine Symptome und wird von uns nach seiner eigenen Telefonnummer gefragt", beschreibt Thorsten Anker die Modalitäten. Innerhalb von zehn Minuten erfolge ein Rückruf vom Dienst habenden Arzt, der dann direkt den Termin mit dem Patienten abspricht. Maximal eine Stunde solle verstreichen, bis Notarzt und Anker-Mitarbeiter dort erscheinen, wohin sie gerufen werden. "Unsere Prämisse sind 30 Minuten." Über 100 Frauen und Männer haben den Dienst bereits genutzt. Drei davon seien seines Wissens nach unzufrieden gewesen, sagt Anker, aber das betrachtet er als eine normale Quote. Der Rest habe nicht nur gerne und schnell die ausgestellte Rechnung gezahlt, sondern in den Fragebögen, auf denen Anker zur eigenen Serviceoptimierung die Zufriedenheit seiner Klienten abfragt, diese auch ausdrücklich kundgetan. Ist der notärztliche Dienst einmal gerufen, erfolgt vor Ort eine ausführliche Untersuchung, Behandlung und Beratung durch notdiensterfahrene Ärzte. Ein Infoblatt verspricht den Kunden eine "hohe Service-Bereitschaft" der teilnehmenden Mediziner. Zehn bis 15 Prozent der Patienten werden in ein Krankenhaus transportiert, bei allen anderen genügt die Behandlung in den eigenen vier Wänden. In diesem Fall wird die benötigte Zeit abgerechnet. Die Quote derer, die trotz einer gesetzlichen Krankenversicherung das Team Anker rufen, liegt bei 30 Prozent: relativ hoch, befindet der Firmengründer, selbst ausgebildeter Rettungsassistent. "Es geht hier eben nicht um ein Luxusgut, sondern um die Gesundheit." Deshalb sei sein Angebot mitnichten eine Möglichkeit nur für die oberen Zehntausend, was ihm immer wieder vorgeworfen werde, sondern schlicht die Alternative eines Mitbewerbers auf einem freien Markt. Entscheiden könne und solle der mündige Bürger.