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"Nicht vergessen, sondern erinnern": Reservistenkameradschaft Wittlich übernimmt Patenschaft für 450 Kriegsgräber

"Nicht vergessen, sondern erinnern": Reservistenkameradschaft Wittlich übernimmt Patenschaft für 450 Kriegsgräber

Es klingelt und Soldaten stehen vor dem Eingang. Wenn Erhart Röder (69) und seine Kameraden in ihrer Militäruniform vor Wittlicher Haustüren warten, empfangen die Menschen sie meist unwirsch - obwohl sie in friedlicher Absicht kommen.

"Nicht vergessen, sondern erinnern": Reservistenkameradschaft Wittlich übernimmt Patenschaft für 450 Kriegsgräber
Foto: (m_wil )

Wittlich. "Das soll der Bund zahlen, wir zahlen dafür nichts!", sei eine der harmloseren Begrüßungen, wenn er vor der Haustür steht. Erhart Röder ist Reservist und erster Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Wittlich, die manchmal von Tür zu Tür Spenden für Kriegsgräber sammelt. "Wie dieses Geld eingesetzt wird, wissen viele Menschen gar nicht. Die denken, das sei für uns selbst", ärgert sich der pensionierte Sicherheitsdienstler.

Der deutsche Reservistenverband zählt über 125 000 Mitglieder, die sich in etwa 2500 solchen Reservistenkameradschaften untergliedern. Reservisten sind meist ehemalige Soldaten, die auf Wunsch militärisch aktiv bleiben, in Wittlich sind es 65. "Als ich 2003 den Vorsitz übernommen habe, waren es nur 25 Reservisten", sagt Röder mit einem zuversichtlichen Lächeln, dass die Vereinigung ihre Truppenstärke hält.

Die Wittlicher Reservistenkameradschaft hat nun die Patenschaft für den Ehrenfriedhof an der Burgstraße übernommen und kümmert sich dort zukünftig um 450 Gräber - in Kooperation mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Stadtverwaltung Wittlich. Röder und seine Kameraden nehmen am Samstag, 22. Oktober, zusammen mit den Stadtwerken die erste Pflege des Ehrenfriedhofs in Angriff. Vorher war die Kameradschaft überwiegend beim Kloster Himmerod aktiv. Neben der Pflege von Kriegsgräbern und Ehrenfriedhöfen, engagieren sich die Reservisten auch für Bildungs- und Werbungsarbeit für die Bundeswehr, so haben sie stets einen Informationsstand bei der Wittlicher Wirtschaftswoche. "Die Reservisten gestalten die Heimat und das Dorfleben mit. Weil viele der Reservisten auch in Vereinen aktiv sind, bringen sie sich dort mit ihren besonderen Fähigkeiten ein.", erläutert Franz-Josef Krämer (58) vom Sozialamt Wittlich. Viele Reservisten hätten durch ihre Bundeswehrzeit ein großes Organisationstalent und Führungsqualitäten entwickelt, erklärt der Beamte, der sich ebenfalls für die Reserve engagiert. "Ich war schon als Kind mit meinem Großvater, der auch schon Soldat war, auf Soldatenfriedhöfen.", sagt Krämer. Krämer und Röder waren beide Berufssoldaten, die militärische Karriere fast in die Wiege gelegt durch familiären Hintergrund: Röders Vater habe in der Wehrmacht gedient und ihm viele der Kriegsgeschichten mit Bilderalben nahe gebracht.

Die Reserve pflegt vor allem Gräber von gefallenen Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, aber auch noch Kriegsgräber aus dem Deutsch-Französischem Krieg von 1870/1871. "Ob dort ein Nazi liegt, oder ein ‚normaler‘ Soldat, wissen wir bei der Grabpflege nicht. Ich rate stets dazu, sich mit dieser Frage nicht zu belasten.", erklärt Röder. Krämer klärt das moralische Dilemma so: "Jedes einzelne Kreuz ist ein Kriegs-Mahnmal für die spätere Generation. Dafür Spenden zu sammeln, ist unsere Verpflichtung.", und fügt hinzu "wir wollen nicht vergessen, sondern erinnern!" mey