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Niederländer kümmern sich um das Wasser

Bettenfeld. 90 000 Euro hat es gekostet, einen rund 1500 Meter langen Abschnitt eines Bachs unweit von Bettenfeld in einen naturnahen Zustand zurückzuverwandeln. Nach dem Abzug der Baumaschinen können sich Tiere und Pflanzen neue Flächen zurückerobern. Harald Jansen

Bettenfeld. Am besten schnurgerade. So lautet für viele Bäche über viele Jahre die Devise bei den Flurbereinigungsverfahren. Diese Verfahren dienten vor allem dazu, Wiesen und Felder so anzulegen, dass sie möglichst einfach mit Maschinen bearbeitet werden können. Da störten sich in vielen Biegungen dahinschlängelnde Bäche nur den Fortschritt. Zudem ließ sich durch die Begradigung Land gewinnen, das zusätzlich genutzt werden konnte.
Der Wingelsbach bei Bettenfeld unweit vom Mosenberg war auch eine solch begradigte und tiefergelegte Abflussrinne. Rund 90 000 Euro, zum großen Teil aus Mitteln der Aktion Blau (siehe Extra) finanziert, hat es insgesamt gekostet, das Gewässer mit Hilfe schweren Geräts auf einer Länge von rund 1500 Metern in das zu verwandeln, was er einmal war: einen Bach mit flachen Uferzonen sowie Schilf- und Feuchtwiesenbereichen. Felicitas und Jaap Engels haben die Patenschaft für den Wingelsbach übernommen. Seit sieben Jahren leben die beiden Niederländer in Bettenfeld. "Wir waren mit dem Wohnmobil in Manderscheid und haben uns spontan in die Eifel verliebt", sagt Jaap Engels.
Das Paar war jedoch nicht nur von der Landschaft begeistert. "Wir finden es toll, dass der Bach renaturiert wird", sagt Engels. "Das war vorher nicht mehr als ein offener Kanal", sagt der Bachpate.
"Solch eine Initiative müssen wir unterstützen", beschloss das Paar und dokumentiert, wie sich der einst begradigte Bach in seinem neuen Bett einrichtet. Dies sieht derzeit teilweise eher wie eine Erdaushubdeponie aus. Denn die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt gingen im Oktober und November über die Bühne. Deshalb ist dort noch wenig Schilf über die Sache gewachsen.
Mit der Beobachtung des Wandels allein ist es nicht getan. Die Aufgaben eines Bachpaten reichen vom Wegräumen von Müll über Untersuchungen der Wasserqualität, das Pflanzen von Schwarzerlen bis hin zu Informationsveranstaltungen. Einer dieser Informationen ist, dass ein renaturierter Bach nicht nur Biologen und Botaniker erfreut, die im und am Wingelsbach viel mehr Tier- und Pflanzenarten als früher finden. Nein, der neue Bachverlauf hilft auch, die Hochwassergefahr zu verringern. Seit Ende vergangenen Jahres dauert es länger und hat das Wasser mehr Platz, um sich auszudehnen. Bei schnurgeraden und tiefer gelegten Betonrinnen geht\'s weitaus ungemütlicher zu. Da fließen große Wassermengen in kurzer Zeit ab. So etwas will heute eigentlich niemand mehr.Extra

Aktion Blau: Seit 1994 hat das Land die Renaturierung von rund 1000 Gewässern mit einer Gesamtlänge von 4200 Kilometern mit Mitteln aus dem Programm "Aktion Blau" unterstützt. Für die Arbeiten bei Bettenfeld gab es 90 Prozent Landeszuschuss. Die restlichen zehn Prozent übernehmen die Ortsgemeinde und die VG Manderscheid. Im Landkreis wurde unter anderem die Renaturierung des Dörrbachs bei Großlittgen oder des Brühlbachs bei Morbach finanziert. In diesem Jahr steht die Aufwertung des Oestelbachs bei Osann-Monzel und des Thalfanger Bachs an. har

 Bild oben: Die Bachpaten Jaap und Felicitas Engels (rechts) untersuchen die Wasserqualität. Ortsbürgermeister Reinhold Meuers freut sich über das Engagement der Eheleute. Unten: Tief hatte sich der Wingelsbach in die Landschaft gegraben (links). Inzwischen hat er mehr Platz. Fotos: Klaus Kimmling, privat (2)
Bild oben: Die Bachpaten Jaap und Felicitas Engels (rechts) untersuchen die Wasserqualität. Ortsbürgermeister Reinhold Meuers freut sich über das Engagement der Eheleute. Unten: Tief hatte sich der Wingelsbach in die Landschaft gegraben (links). Inzwischen hat er mehr Platz. Fotos: Klaus Kimmling, privat (2)