Niemand will die alte Schule haben

Niemand will die alte Schule haben

Die alte Schule in Gonzerath wartet auf einen Besitzer. Seit eineinhalb Jahren steht das Gebäude zum Verkauf. Die Gemeinde Morbach sucht einen Interessenten, nur Ärger will die Gemeinde mit dem Gebäude nicht mehr haben. 2007 war der Ort in Aufruhr, weil die NPD die alte Schule gemietet hatte, um daraus nach eigenen Aussagen ein Schulungszentrum zu machen.

Gonzerath. 2007 war sie in den Schlagzeilen - nicht nur in der Region: die alte Schule in Gonzerath. Wochenlang war der Ort in hellem Aufruhr. Die NPD hatte die alte Schule, in der vormals ein Jugendraum untergebracht war, vom damaligen Eigentümer Peter Landwehrmann angemietet, um dort ein Schulungszentrum zu errichten. Es folgten Bürgerproteste mit 2000 Demons tranten und juristische Rochaden, mit denen die Gemeinde Morbach die ehemalige Schule zurückerwarb und das Mietverhältnis mit der NPD-Gruppierung umgehend kündigte (der TV berichtete mehrfach).
Renovierungsarbeiten



Nachdem die Gemeinde das Gebäude vom ursprünglichen Eigentümer zurückgekauft hatte, wurde das Haus saniert. Um die alte Schule fit für einen neuen Besitzer zu machen, wurden elektrische Leitungen und Anlagen erneuert. Auch die bauliche Substanz hat innen ein Lifting bekommen. Nur bis jetzt hat kein Interessent zugegriffen. "Seit eineinhalb Jahren steht die alte Schule zum Verkauf", sagt Gonzeraths Ortsvorsteher Dietmar Thömmes. Es habe bereits interessierte Kunden gegeben, doch "die sind alle wieder abgesprungen", sagt der Ortsvorsteher. Vorstellen könne er sich die Immobilie als Ingenieurbüro, Arztpraxis oder Physiotherapiebetrieb mit Therapieräumen. Eilig hat man es in Gonzerath gewiss nicht, die ehemalige Schule wieder aus den Händen zu geben. Der Schrecken ist auch nach vier Jahren noch nicht verflogen. Ob die NPD nach dem Vorfall in Gonzerath mit einem ähnlichen Ansinnen noch einmal in Erscheinung getreten ist? Thömmes: "Nein, von denen haben wir nichts mehr gehört. Das bleibt hoffentlich so!"
Mit einem juristischen Kunstgriff hatte die Gemeinde Morbach 2007 das Schulgebäude zurückgekauft - per Rückkaufrecht. Umgehend ließ man das Gebäude wegen lebensgefährlicher Mängel schließen und setzte dann die NPD vor die Tür.
Die Nachricht von der geplanten NPD-Kaderschmiede in dem Hunsrückdorf hatte seinerzeit bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und Gonzerath als Nazi-Dorf dargestellt. Werbung für sein 1200-Seelendorf begrüßt Thömmes - aber nicht noch einmal einen solchen Albtraum wie vor vier Jahren. Blick zurück: Am 3. März 2007 versammelten sich mehr als 2000 Menschen in Gonzerath, um gegen die NPD und deren geplantes Schulungszentrum zu demonstrieren. Die Gonzerather rückten zusammen. Auch Judith Linn von der Bürgerinitiative "Gonzerather gegen Rechts" war beeindruckt von der Geschlossenheit. "Das ganze Dorf hat sich auf die Hinterbeine gestellt, spät, aber gewaltig", blickte Linn ein Jahr nach der Demo auf die Geschehnisse zurück. Dass Gonzerath in landesweiten Medien als "Nazi-Dorf" verschrien wurde, hat den Ruf des Dorfes nicht nachträglich beschädigt. Im Gegenteil: Gonzerath sei als positives Beispiel gegen den Rechtsex-tremimus genannt worden, sagte Ortsvorsteher Thömmes. iro/zad

Mehr von Volksfreund